Wir leben in einer Zeit der Lügenschwemme und der Halbwahrheitenflut. Manchmal steht mir beides bis zum Halse. Dann strecke ich mich nach der Wahrheit, die wie Inseln aus dem Meer hervorragt, und atme tief durch.
Wir leben in einer Zeit der Lügenschwemme und der Halbwahrheitenflut. Manchmal steht mir beides bis zum Halse. Dann strecke ich mich nach der Wahrheit, die wie Inseln aus dem Meer hervorragt, und atme tief durch.
Als ich euch lud zum Fest an meine Seelentheke, kamt ihr alle. Gott, war das schön! Wir tauschten Glücksmomente aus, stiessen auf unsere Freuden an und betranken uns an unseren Schmerzen. Je später der Abend, umso rührseliger wurden wir, bis wir um Mitternacht nach draussen gingen und uns mit den Sternen verbündeten.
Bin ich ein Gutmensch? – Sie sind nicht wohlgelitten, die Gutmenschen, in dieser ernüchterten Postmoderne. (Oder sind wir bereits in der Postpostmoderne?) Man spricht ihnen allen Realitätssinn ab. Sie hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt und hängten einem verglühten Glauben nach – dem Glauben an den Menschen selbst – und an die Kraft seiner Träume. Gutmenschen sind hoffnungslose Träumer. Bin ich ein Gutmensch? Ja, in diesem Sinn bin ich es – und zwar radikal.
In den Anfängen des 21. Jahrhunderts lebten wir in einer Art Hoffnung der Verzweifelten: Wir klammerten uns an die Börsenkurse und vergassen die hungernden Kinder. Wir förderten die Wirtschaft – statt die Menschen. Und wir waren stolz auf die Errungenschaften der Wissenschaften, statt auf die Errungenschaften unseres Herzens zu achten.
Manche Uhrmacher meinen, sie hätten die Zeit im Griff. Dabei kümmern sie sich allein um die Zeitmessung. So geht es auch manchen Politikern. Sie glauben, gesellschaftliche Fragen zu lösen, doch in Wirklichkeit verwalten sie nur die Macht.
Manchmal ereignet sie sich für den ganzen Rest des Lebens. Und manchmal nur für einen Augenblick, leicht übersehbar und doch verräterisch. Gesichtsblockaden sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass etwas in Bewegung geraten ist – oder endgültig verstummt ist.
Wie oft standen Sie schon vor einem Stoppschild des Lebens? Und haben Sie sich wirklich bremsen lassen? Oder waren Sie nicht sicher, ob es sich wirklich um eine letzte Aufforderung handelt – oder bloss um eine moralinsaure Anwandlung? Und was geschah danach?
Leiden Sie auch zuweilen an Persönlichkeitsblähungen?
“Ich? Bestimmt nicht!” werden Sie vielleicht etwas verärgert antworten. “Wie kommen Sie drauf?”
Nun muss ich Ihnen leider sagen, dass gerade dies zur Symptomatik besagter Blähungen gehört …
Bin von Dingen umzingelt. Sie sind zu meinen Widersachern geworden. Sie bedrängen mich. Und nachts verirren sie sich in meine Träume. Ich bin ihrer müde, und sehne mich nach dem schlichten Dasein in Genügsamkeit und Stille.
Nun wird alles gut. Noch dieser Schritt, noch diese Anstrengung – und dann …
So sehr ich die Sehnsucht nach endgültigem Gelingen verstehen kann, graut mir doch zugleich davor. Ist es nicht genau dieses Sehnen, das grölende Banden hervorbringt, auf der Jagd nach Andersdenkenden, sturzbetrunken von ihrer Mission – und ihrer Erlösungshoffnung?