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	<title>Walter Bs Textereien</title>
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	<description>Poetisches und Sachliches, Persönliches und Globales, Philosophisches und Banales. Sprachliches und Bildliches, Sammelsurium und Besonderes, alles und nichts</description>
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		<title>Walter Bs Textereien</title>
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		<title>Wildwuchs-Festival 2013: Wenn Behinderte stören</title>
		<link>http://walbei.wordpress.com/2013/05/22/wildwuchs-festival-2013-wenn-behinderte-stoeren/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 May 2013 17:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
				<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
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		<description><![CDATA[Vom 24. Mai bis 2. Juni 2013 findet in Basel die 6. Ausgabe des Wildwuchs-Festivals statt. Es steht unter dem Motto «Wir stören!» und bietet Kunstschaffenden mit und ohne Behinderung aus aller Welt eine Plattform, um Fragen der sozialen Ausgrenzung und des Daseins als Störfaktor künstlerisch, also lustvoll zu erkunden. – Eine dringliche Empfehlung, sich verstören zu lassen.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4202&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vom 24. Mai bis 2. Juni 2013 findet in Basel die 6. Ausgabe des Wildwuchs-Festivals statt. Es steht unter dem Motto «Wir stören!» und bietet Kunstschaffenden mit und ohne Behinderung aus aller Welt eine Plattform, um Fragen der sozialen Ausgrenzung und des Daseins als Störfaktor künstlerisch, also lustvoll zu erkunden. – Eine dringliche Empfehlung, sich verstören zu lassen.</strong></p>
<p>Die Zeiten sind längst vorbei, als Behinderte versteckt wurden, jedenfalls in Europa. Doch ich erinnere mich noch an meine Jugendzeit in Bern – das muss Ende 1960er, Anfang 1970er Jahre gewesen sein –, als die Leitung des dortigen Stadttheaters an die Direktion des Schul- und Wohnheims Rossfeld gelangte und diese inständig bat, doch vom Besuch des Stadttheaters mit Schwerstbehinderten abzusehen. Begründung: Die Besucher des Stadttheaters wären durch den Anblick des teils grotesk verformten Äusseren der Behinderten in ihrem Kunstgenuss gestört. Ich kann mich an keinen Aufschrei erinnern &#8230;</p>
<p><strong>Nächste Phase: Normalisierung</strong><br />
Inzwischen sind wir gesellschaftlich einen Schritt weiter: Das <a title="Link zu Artikel auf Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Normalisierungsprinzip">Normalisierungsprinzip</a> wird rigoros angewendet – na ja, zumindest propagiert. Das heisst, Menschen mit Behinderung sollen ein möglichst normales Leben führen können. Jegliche finanzielle und sozialpädagogische Unterstützung ist nun daran zu messen, ob sie ein Leben im landesüblichen Rahmen befördert oder im Gegenteil ein Sonderdasein, ja Ausgrenzung begünstigt, kurz: ob sie auf die eigentlichen Behinderung noch eine zusätzliche, gesellschaftliche Behinderung draufsetzt. Der Normalisierungsdruck steigt.</p>
<p>Das ist lobenswert, führt aber auch dazu, dass heute viele Behinderte die bessseren Normalos sind: Möglichst nicht auffallen! Möglichst dem Bild des angepassten, dankbaren Behinderten entsprechen! Lieber eine graue Maus als ein bunter Hund sein!</p>
<p><strong>Dritte Phase: «Wir stören!»</strong><br />
Deshalb finde ich das diesjährige Motto des Wildwuchs-Festivals so erfrischend. «Wir stören!» Das heisst zweierlei: 1. Allein durch unser Dasein als Menschen mit Behinderung stören wir – weil wir in vielerlei Hinsicht und trotz aller Bemühungen nicht der Norm entsprechen (können) und alleine dadurch die Normen als solche in Frage stellen. Das bringt Verunsicherung mit sich – auf beiden Seiten. Eine Verunsicherung, mit der wir praktisch täglich konfrontiert sind und die manchmal erheiternd, manchmal aber auch nur lästig ist. 2. bringt das Motto aber auch zum Ausdruck: Wir wollen stören, wir wollen verunsichern, wir wollen die Normen in Frage stellen – weil sie etwas Unmenschliches an sich haben, weil sie oft lebensfeindlich sind, weil sie nerven &#8230;</p>
<p>Diese Deutung finde ich besonders spannend. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir bei der diesjährigen Ausgabe des Wildwuchs-Festivals diesbezüglich auf die Rechnung kommen.</p>
<ul>
<li>Zum Beispiel mit der <a href="http://www.wildwuchs.ch/produktion/M_E__Mobile_Evolutio">Tanz/Artistik-Performance der britischen Künstlerin <em>Claire Cunningham</em></a>. Sie bringt Tanz, Trapez und Krücke unter einen Hut und macht aus der vermeintlichen Not eine Tugend: Das Andersartige wird zum ästhetischen Objekt.</li>
</ul>
<p style="text-align:center;"><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/me-mobileevolution_1_-c2a9-c-cunningham.jpg"><img class="size-large wp-image-4207 aligncenter" style="border:1px solid black;margin-top:20px;margin-bottom:5px;" alt="M:E (Mobile:Evolution)_1_ © C. Cunningham" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/me-mobileevolution_1_-c2a9-c-cunningham.jpg?w=512&#038;h=468" width="512" height="468" /></a></p>
<p style="text-align:center;"><em>Foto: © Claire Cunningham/Colin Hattersley</em></p>
<ul>
<li>Oder mit der <a href="http://www.wildwuchs.ch/produktion/Dschinghis_Khan">deutschen Performance-/Theatergruppe <em>Monster Truck &amp; Theater Thikwa</em></a>: Drei SchauspielerInnen mit Down-Syndrom – früher Mongoloide genannt, weil ihr Gesicht oft mongolische Züge aufweist – werden in einer Art Völkerschau als waschechte MongolInnen vorgeführt. Auch Dschingis Khan ist dabei. «Dschingis Khan, der mächtigste Herrscher aller Zeiten, erscheint degradiert zu einer billigen Kirmesattraktion, in der sich Vorstellungen von fremdländischer Exotik mit landläufigen Ideen von geistiger Behinderung vermischen.»</li>
</ul>
<p style="text-align:center;"><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/dschingis-khan_1_-c-florian-krauss.jpg"><img class="size-large wp-image-4208 aligncenter" style="margin-top:20px;margin-bottom:10px;" alt="Dschingis Khan_1_ (c) Florian Krauss" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/dschingis-khan_1_-c-florian-krauss.jpg?w=507&#038;h=765" width="507" height="765" /></a></p>
<p style="text-align:center;"><em>Foto: © Ramona Zühlke/Florian Krauss</em></p>
<p>Das nur zwei Beispiele aus einem überaus vielfältigen Festivalprogramm, das auch weniger Verstörendes zu bieten hat.</p>
<p>Neben Behinderung (und Begabung), Alter (und Demenz) hat das Festival auch einen interkulturellen Schwerpunkt mit Filmen, Konzerten – und Stadtinterventionen im Zusammenhang mit Fremdsein und Migration. So veranstaltet <a href="http://www.bblackboxx.ch/">bblackboxx</a> unter dem Titel «LAGER, FEUER, POLIZEI, STÖRUNG, FETISCH, ASYL, KUNST» eine «Open Source Protest Akademie»: Gemeinsam mit dem «Bleiberecht Kollektiv Basel» soll ein Raum geschaffen werden, in dem mit Interessierten Aktion geplant und durchgeführt werden, die im Zusammenhang mit der aktuellen Migrationspolitik und insbesondere mit der anstehenden <a href="http://walbei.wordpress.com/2013/05/06/wider-die-abschaffung-des-asylrechts/">Abstimmung über die Asylgesetzrevision</a> stehen. Wenn das nicht Störpotenzial hat!</p>
<p>Zum ausführlichen Programm auf untenstehendes Logo klicken:</p>
<p><a href="http://www.wildwuchs.ch/"><img class="size-full wp-image-4211 alignnone" style="margin-top:20px;margin-bottom:20px;" alt="WW_LOGO_OUT" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/ww_logo_out.jpg?w=780"   /></a></p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://walbei.wordpress.com/category/behinderung/'>Behinderung</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/walbei.wordpress.com/4202/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/walbei.wordpress.com/4202/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4202&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Von Einhörnern und der spanischen Protestbewegung 15-M</title>
		<link>http://walbei.wordpress.com/2013/05/17/von-einhornern-und-der-spanischen-protestbewegung-15-m/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 May 2013 05:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
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		<description><![CDATA[15-M ist keine gewöhnliche Protestbewegung – gerade so wie das Einhorn kein gewöhnliches Pferd ist. Vielmehr findet in Spanien ein beispielloser Prozess der sozialen Politisierung statt. So beschreibt es Amador Fernández-Savater, 15-M-Aktivist der ersten Stunde. – Eine Einschätzung aus dem Inneren der Protestbewegung anlässlich ihres zweiten Jahrestags. Übersetzung: Walter B. «Ein chinesischer Prosaist hat vermerkt, [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4177&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b>15-M ist keine gewöhnliche Protestbewegung – gerade so wie das Einhorn kein gewöhnliches Pferd ist. Vielmehr findet in Spanien ein beispielloser Prozess der sozialen Politisierung statt. So beschreibt es <b>Amador Fernández-Savater, 15-M-Aktivist der ersten Stunde. – Eine Einschätzung aus dem Inneren der Protestbewegung anlässlich ihres zweiten Jahrestags. Übersetzung: <a href="http://walbei.wordpress.com/">Walter B</a>.</b></b></p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/mark-tholander-9.jpg"><img class="aligncenter size-large wp-image-4180" style="border:0 none;margin-top:20px;margin-bottom:20px;" alt="mark tholander (9)" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/mark-tholander-9.jpg?w=533&#038;h=462" width="533" height="462" /></a></p>
<h4 style="text-align:right;"><i>«Ein chinesischer Prosaist hat vermerkt, dass ein Einhorn, gerade weil es so sonderlich ist, unbeachtet bleiben muss. Die Augen sehen nur, was sie zu sehen gewohnt sind.» </i>(Gorge Luis Borges)</h4>
<p style="text-align:center;">***</p>
<p>Mai ist Prüfungszeit. Auch die Protestbewegung 15-M ist davor nicht gefeit. Der zweite Jahrestag ist für die Medien eine günstige Gelegenheit, ihr Urteil zu fällen. Ist die Bewegung noch am Leben? Was bleibt? Wächst sie oder wird sie kleiner? Und was hat sie erreicht? Es sind Augen auf sie gerichtet, die nur sehen, was sie zu sehen gewohnt sind: das Ereignis und nicht den Prozess, die Identität und nicht die Verwandlung, das Spektakuläre und nicht das Alltägliche, den Makrokosmos und nicht den Mikrokosmos, das Quantitative und nicht das Qualitative, die Ergebnisse und nicht die Wirkungen – ein klinischer Blick von aussen, der Blick Gottes auf seine Kinder. Ein Problem ist nur, dass wir diesen Blick verinnerlichen und uns seinen Normen angleichen. Deshalb protestierte letzthin eine Freundin lauthals: «Zum Teufel mit diesem Jahrestag! Wir kämpfen jeden Tag. Wir könnten diesen ebensogut am 3. Februar oder am 11. Juni begehen. Wenn die Medien uns für tot halten – umso besser! So können wir ruhiger arbeiten.»</p>
<p>Das Einhorn ist nicht genau ein Pferd. Ebenso sind die Bewegung 15-M<a title="" href="#_edn1">[1]</a>, die <i>Mareas</i><a title="" href="#_edn2">[2]</a> oder die Bewegung <i>PAH</i><a title="" href="#_edn3">[3]</a> nicht soziale Bewegungen im herkömmlichen Sinn, sondern Namen und Masken, die sich ein wahrhaft aussergewöhnlicher Prozess der sozialen Politisierung selbst aufsetzt. Es ist ein und derselbe Prozess, und doch ist er immer wieder anders, in ständiger Verwandlung begriffen. Die Herausforderung besteht nicht so sehr darin, den unzähligen Lügen oder Stereotypen zu begegnen, die täglich in den Medien herumgereicht werden, sondern zu lernen, uns selbst anders zu sehen, anders zu erzählen. Die Herausforderung besteht darin, das Aussergewöhnliche, was wir vollbringen und leben, wertschätzen, benennen und vermitteln zu können.</p>
<p><b>Die Erschaffung von neuem Sinn</b></p>
<p>Heute äussert sich das soziale Unbehagen in einem erhöhten politischen Bewusstsein und der persönlichen Teilnahme an Initiativen, Protesten und deren Organisation. Und das Unbehagen wird vermehrt zum Ausdruck gebracht und geteilt – nicht nur unter Freunden und in Bars, sondern mit Unbekannten und auf der Strasse. Das soziale Unbehagen wird zur Aktion. Dies ist nicht etwa ein mechanischer Vorgang, der automatisch und mit einer gewissen Notwendigkeit abläuft. Das alles müsste nicht so sein. Und tatsächlich ist es ja auch nicht das, was in anderen europäischen Ländern, die von der Krise, vom Betrug betroffen sind, geschieht. Nein, normal wäre die allgemeine Verbreitung von Angst, von Resignation, von Schuldgefühlen sowie das Fortschreiten der Individualisierung. Eine solche Wirkung hin zur Passivität erzielt zum Beispiel die weit gestreute offizielle Lesart der Krise: «Wir haben über unseren Verhältnissen gelebt.» Wir sind also Sünder. Wir haben deshalb kein Recht zu protestieren. Und die gerechte Strafe ist unser Sühneopfer. Die Kürzungen von Merkel und Rajoy – Figuren des strafenden Gottes – sind deshalb willkommen. Doch diese Erzählung konnte sich hier nicht wirklich durchsetzen. Das Private wird gemeinschaftlich. Es wird geteilt. Die Depression wird  politisch. Der Sinn unserer Existenz – Eigentum, Erfolg, Konsum – geht unter. Doch wir sind imstande, zusammen mit anderen neuen Sinn zu schaffen. Von dem Ort aus, wo wir stehen, bewegen wir uns und kümmern uns um unsere gemeinsame Lage. Wir verantworten, was wir nicht verschuldet haben. (Tatsächlich und bestimmt gerade deshalb ist es alles andere als gewiss, ob die Suizidrate in der Krise wirklich nach oben zeigt.<a title="" href="#_edn4">[4]</a>)<span id="more-4177"></span></p>
<p><i>Perroflautas</i><a title="" href="#_edn5">[5]</a>, Beamte, Feuerwehrleute, Polizisten, Angestellte im Gesundheitswesen, Richter, Lehrer: Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft sind das Subjekt von 15-M, der <i>Mareas</i> und der <i>PAH.</i> Es sind die 99%. Und die Kämpfe sind nicht ständisch, korporativ, sondern einschliessend, inklusiv. Es sind Kämpfe für die Anliegen aller. Einerseits entzünden sie sich an konkreten gemeinsamen Anliegen von Menschen ganz unterschiedlicher ideologischer Herkunft und neutralisieren so die Szenerie der Konfrontation zwischen «den beiden Spanien»<a title="" href="#_edn6">[6]</a>, die den Mächtigen so zweckdienstlich ist. Anderseits lösen diese Kämpfe die traditionelle Trennung zwischen Akteuren der Politik und deren Zuschauern auf: Die ideele Trutzgemeinschaft der <i>Marea verde</i><a title="" href="#_edn7">[7]</a> sind Eltern, Lehrer und Schüler. Im Fall der <i>Marea blanca</i><a title="" href="#_edn8">[8]</a> sind es die Ärzte, die Angestellten und Nutzer des öffentlichen Gesundheitswesens. Im Fall der <i>Plattform der Hypothekengeschädigten (PAH)</i> die Direktbetroffenen, Aktivisten unterschiedlicher Herkunft und irgendwelche Leute. Und schliesslich verbinden die Kämpfe Momente des öffentlichen Protestes, wie etwa am vergangenen 23. Februar, ein Repertoir an Aktionen – <i>Asambleas</i><a title="" href="#_edn9">[9]</a>, Strassenblockaden, Umzingelungen – und dieselbe Erzählung darüber, was vor sich geht, etwa: «Wir sind keine Waren in den Händen von Politikern und Bankern.»</p>
<p><b>Ein offenes, einschliessendes Wir</b></p>
<p>Dies ist nicht ein mechanischer Vorgang, ein Automatismus, eine Notwendigkeit. Das alles müsste nicht so sein. Normal wäre die Selbstbezüglichkeit, die Fragmentierung nach Ständen oder ideologisch. Normal wären Kämpfe für das Eigene, Kämpfe, die nicht in den anderen Widerhall finden und keine gemeinsamen Fragen nach der Gesellschaft aufwerfen, in der wir leben, Kämpfe, die keine ansteckenden Möglichkeiten der kollektiven Aktion erfinden. Normal wären Kämpfe, die nicht über die sektorielle Definition der Probleme hinausgehen. Das wäre normal. Ein griechischer Aktivist, der letzthin Madrid besuchte, erzählte, dass der Syntagma-Platz immer nach Identitäten aufgeteilt war: hier Anarchisten, dort Kommunisten usw. Und er staunte, als er hörte, dass wir auf den Plätzen von 15-M ein offenes und einschliessendes Wir entstehen liessen, das über die Unterschiede hinaus ging, ohne sie aufzuheben.</p>
<p>Und ist es nicht ebendiese Erzählung der 99% gegen das 1%, diese erneute Symbolisierung des Gemeinsamen von unten, die in diesen Zeiten die Möglichkeit einer <i>Goldenen Morgenröte</i> nach spanischer Art heraufbeschworen hat – mit ihren Sündenböcken und ihrer Gewalt in den Strassen? Der griechische Aktivist erklärte, die Neonazigruppe werde von der Polizei nach Kräften unterstützt. Und er staunte nicht schlecht, als wir ihm die ungewöhnlichen Verhaltensweisen aufzählten, die wir unter den Ordnungshütern immer öfter beobachten: eigene Kundgebungen, Kritik gegenüber den Politikern und dem eigenen Kommando, Aktionen des Ungehorsams, die Weigerung, an Wohnungsräumungen teilzunehmen. Den Feind sucht man oben (1%), nicht nebenan.</p>
<p>Normal wäre auch, wie uns die Medien immer wieder weismachen wollen, dass es zu «einer Explosion» kommt. Man weiss nicht genau, was das wäre, aber man stellt es sich so vor: Brandschatzung und Plünderungen, ein unkontrollierter Anstieg der Kriminalität, der Krieg jeder gegen jeden. – Und als Konsequenz: die erneute Legitimierung der staatlichen Autorität als notwendiger Schiedsrichter des Zusammenlebens. <i>Doch ebendas geschieht nicht.</i> Einerseits wurde rund um die materiellen Probleme der Prekarität und Armut ein formelles und informelles Gewebe der Solidarität aktiviert: von Netzen solidarischen Wirtschaftens bis zu familiären und freundschaftlichen Netzen. Und anderseits schafft die soziale Beklemmung in einem kreativen und kollektiven Sinn – Würde, eine Würde, die sogar inmitten der Hoffnungslosigkeit Freude bereitet. Ich denke da zum Beispiel an die PAH. Es ist genau das, was von oben «Antipolitik» genannt wird.</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/mark-tholander.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4194" alt="mark tholander" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/mark-tholander.jpg?w=300&#038;h=263" width="300" height="263" /></a></p>
<p><b>Die Schock-Strategie verfängt nicht</b></p>
<p>In ihrem Buch «Die Schock-Strategie»<a title="" href="#_edn10">[10]</a> erklärt Naomi Klein, wie der «Katastrophen-Kapitalismus» sich Panikstimmungen und soziale Krisen zunutze macht, um in der neoliberalen Transformation der Gesellschaften einen Sprung nach vorne zu erlangen. Im Chile von Pinochet, im postsowjetischen Polen und im von Katrina verwüsteten New Orleans schlug eine Mischung von repressiven und wirtschaftlichen Schocks die Bevölkerungen k.o., indem sie die nachbarschaftliche Solidarität zerstörte, so dass Lähmung um sich griff sowie Angst vor dem Nächsten, von dem man sich distanzierte – was wiederum die Abhängigkeit von einem beschützenden Vater beförderte. Das oberste Ziel der Schock-Strategien, so erklärt Klein, sei es, die Verteidigung eines eigenwilligen Sinns der Gesellschaft zu brechen, die autonomen Erzählungen und unabhängigen Formen auzulöschen, die den Leuten gemeinsam sind und die Welt deutbar machen. Die daraus hervorgehende Orientierungslosigkeit werde ausgenutzt, um als dominierende Definition der Wirklichkeit ein «Rette sich, wer kann» zu installieren.</p>
<p>Die Schock-Strategie verfängt hier nicht, wie sie sollte. Das können wir nicht zuletzt an den Irritationen beobachten, mit denen die neoliberalen Ökonomen die spanische Gesellschaft und die Krise analysieren: Ein Problem für sie ist unser zähes Beharren darauf, uns anders zu denken denn als Atome ohne kollektive Rechte und ohne jegliche Bindung an Menschen und Orte, allein angetrieben durch die Idee des Erfolgs und der individuellen Selbstverwirklichung. Die Ökonomen sprechen dann von «normativer Starrheit», «mangelnder (geografischer) Mobilität», «begrenztem Unternehmergeist», «familiärer Matratze» usw.</p>
<p><b>Eine neue Landkarte</b></p>
<p>Es gibt keinen Schock, weil Politik stattfindet. Nach dem französischen Philosophen <i>Jacques Rancière</i> bewirkt Politik drei Bewegungen. Erstens unterbricht sie das Notwendige, etwa die viel gehörten Dogmen: «Es gibt nur, was es gibt», «Es herrscht Krise», «Es gibt kein Geld», «Von nichts kommt nichts». Zweitens schafft sie eine Landkarte des Möglichen, damit das Mögliche gesehen, gefühlt, gedacht und auch getan werden kann. Zum Beispiel indem man statt eine notwendige Zwangsräumung überhaupt nichts sieht – oder einzig «die routinemässige Abwicklung des Zahlungsausfalls einer Hypothek». Man muss empfinden können, dass die Zwangsräumungen nicht tolerierbar sind, dass sie weder richtig noch notwendig sind, sondern nur verhängnisvoll – und dass sie uns etwas angehen. Gemeinsam organisieren wir uns, um sie aufzuhalten. Und drittens erfindet die Politik neue Subjekte. Sie definiert neu, wer sehen, fühlen, denken und tun kann. Die Politik ist weder ein vorhersehbarer noch ein ideologisch oder soziologisch vorgeformter Ausdruck von Subjekten, sondern die Erschaffung von Räumen der Subjektivierung, die vorher nicht bestanden und wo die vermeintlich Unfähigen und Ignoranten das Wort ergreifen und handeln – und so vom Opfer zum Handelnden werden.</p>
<p>Die Politik zeichnet eine neue Landkarte der Verbindungen. Das Mächtigste in Spanien ist nicht, dass es viele Gruppen gibt, die etwas tun, sondern dass eine Karte, ein Klima der Politisierung entstanden ist, welches die sozialen Gräben überwindet und gleichzeitig einen Raum höchster Leitfähigkeit bildet, wo Worte, Aktionen und Empfindungen zirkulieren: ein Ökosystem, das grösser ist als die Summe seiner Teile, ein Kräfte- und Schwingungsfeld, eine sinnvolle gemeinsame Erzählung darüber, was uns geschieht. Die Luft ist elektrisch geladen.</p>
<p>Wir sehen nur, was wir zu sehen gewohnt sind: das Normale und nicht das Unmögliche. Doch seit dem 15. Mai 2011 leben wir im Unmöglichen, in der Missachtung aller Wahrscheinlichkeiten, aller Verhängnisse, aller Schicksale. Wir brauchen deshalb ein «Denken des Unmöglichen», ein Denken, das unsere Augen von Gewohnheiten befreit, damit wir sehen und einschätzen können, was vor sich geht und nicht geschehen müsste und was nicht geschieht und – «aus logischen Gründen» – geschehen sollte. Ein «ent-naturalisierendes» Denken ist nötig, das die Erschaffung sehen kann und nicht nur die Wiederholung, die Aktion und nicht nur die sozialen oder kausalen Determinismen. Nur so können wir die Macht dessen empfinden, was wir tun, in ihr verweilen und sie in unvorhersehbare Richtungen weiterführen.</p>
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<p><span style="text-decoration:underline;"><em>Anmerkungen des Übersetzers</em></span></p>
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<p><a title="" href="#_ednref1">[1]</a> Die spanische Protestbewegung begann am 15. Mai 2011. Daher ihr Name.</p>
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<p><a title="" href="#_ednref2">[2]</a> Zu Deutsch <i>Flut</i>. Bezeichnung der Bürgerproteste (<i>Marea ciudadana</i> = «Bürgerflut») zur Verteidigung des öffentlichen Sektors vor Kürzungen und Privatisierung. Je nach betroffenem Sektor bekommt die «Flut» eine andere Farbe: <i>Marea blanca</i>: öffentliches Gesundheitswesen; <i>Marea verde</i>: Bildungswesen; <i>Marea naranja</i>: Fürsorge und Sozialdienste.</p>
</div>
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<p><a title="" href="#_ednref3">[3]</a> Organisation der Hypothekengeschädigten: Ein Bürgernetzwerk zum Schutz gegen Zwangsräumungen, weil die Hypotheken nicht mehr bedient werden können. Steht eine Zwangsräumung bevor, blockiert eine grössere Anzahl von Mitgliedern des Netzwerks den Zugang für die Vollzugsbeamten.</p>
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<p><a title="" href="#_ednref4">[4]</a> Der Autor verweist hier auf eine <a href="http://www.eldiario.es/zonacritica/Aumentan-suicidios-crisis_6_63053703.html">Untersuchung</a>, die verneint, dass im Zuge der Krise die Suizidrate gestiegen sei.</p>
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<p><a title="" href="#_ednref5">[5]</a> In etwa: <i>alte Hippies</i>, ironisierende Bezeichnung für die vielen Senioren, die sich der Protestbewegung angeschlossen haben.</p>
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<p><a title="" href="#_ednref6">[6]</a> Die zwei Spanien: «&#8230; auf der einen Seite ein städtisch-fortschrittsorientiertes, antiklerikal-liberales, republikanisch-demokratisches und auf der anderen ein ländlich-konservatives, katholisch-traditionalistisches und autoritär-monarchistisches Lager». (Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zwei_Spanien">Zwei Spanien</a>)</p>
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<p><a title="" href="#_ednref7">[7]</a> Siehe Anmerkung 2.</p>
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<p><a title="" href="#_ednref8">[8]</a> Ebenda.</p>
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<p><a title="" href="#_ednref9">[9]</a> Zu Deutsch: <i>Versammlungen</i>. Gemeint sind die Protestversammlungen, die Ausdruck der Wiedereroberung des öffentlichen Raumes sind und gleichzeitig das demokratische Gefäss für gemeinsame Entscheide bilden.</p>
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<p><a title="" href="#_ednref10">[10]</a> Naomi Klein: «Die Schock-Strategie», Fischer Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-17407-2.</p>
<p><span style="color:#ffffff;">.</span></p>
<h4>Das <a href="http://www.eldiario.es/interferencias/Ver-invisible-unicornios_6_130946909.html">Original des Textes von Amador Fernández-Savater</a> ist auf dem Blog <a href="http://www.eldiario.es/interferencias/"><em>Interferencias</em></a> erschienen.</h4>
<p><span style="color:#ffffff;">.</span></p>
<h4>Bildnachweis: Studien «Unicorn» von <a href="http://www.marktholander.dk/">Mark Tholander</a>, mit freundlicher Genehmigung des dänischen Künstlers</h4>
<p><span style="color:#ffffff;">.</span></p>
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<br />Einsortiert unter:<a href='http://walbei.wordpress.com/category/zum-zeitgeschehen/aktuelle-protestbewegungen/'>aktuelle Protestbewegungen</a>, <a href='http://walbei.wordpress.com/category/zum-zeitgeschehen/spanien/'>Spanien</a>, <a href='http://walbei.wordpress.com/category/zum-zeitgeschehen/'>Zum Zeitgeschehen</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/walbei.wordpress.com/4177/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/walbei.wordpress.com/4177/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4177&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen auf gutem Weg</title>
		<link>http://walbei.wordpress.com/2013/05/11/volksinitiative-fur-ein-bedingungsloses-grundeinkommen-auf-gutem-weg/</link>
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		<pubDate>Sat, 11 May 2013 07:53:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
				<category><![CDATA[Grundeinkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Zum Zeitgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[B.I.E.N.]]></category>
		<category><![CDATA[Basic Income Earth Network]]></category>
		<category><![CDATA[bedingungsloses Grundeinkommen]]></category>
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		<category><![CDATA[Initiative Grundeinkommen]]></category>

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		<description><![CDATA[Endspurt bei der Unterschriftensammlung für die Schweizer Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Bis August dieses Jahres müssen die nötigen 100&#8217;000 Unterschriften beisammen sein. Und das sollte auch klappen. Doch was kommt danach? – Eine Zwischenbilanz und ein Ausblick. Zurzeit sind gut 103&#8217;000 Unterschriften beisammen (Stand Mitte Mai 2013). Damit es am Schluss auch wirklich mindestens [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4171&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b>Endspurt bei der Unterschriftensammlung für die Schweizer Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Bis August dieses Jahres müssen die nötigen 100&#8217;000 Unterschriften beisammen sein. Und das sollte auch klappen. Doch was kommt danach? – Eine Zwischenbilanz und ein Ausblick.</b></p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/omnibus_klein.gif"><img class="aligncenter size-medium wp-image-4174" style="margin-top:30px;margin-bottom:30px;" alt="omnibus_klein" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/omnibus_klein.gif?w=300&#038;h=264" width="300" height="264" /></a></p>
<p>Zurzeit sind gut 103&#8217;000 Unterschriften beisammen (Stand Mitte Mai 2013). Damit es am Schluss auch wirklich mindestens 100&#8217;000 <i>beglaubigte</i> Unterschriften sind – ohne mehrfache und ungültige – wird bis Anfang August weiter gesammelt. Ziel: brutto 130&#8217;000 Unterschriften. Die Chancen stehen also gut, dass die Initiative zustande kommt.</p>
<p>Wer hätte das gedacht? Denn immerhin werden Unterschriften für eine Idee gesammelt, die wie eine Utopie daherkommt und in der gesellschaftlichen Stimmungslandschaft der Gegenwart einigermassen schräg dasteht, zumindest auf den ersten Blick: Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens widerspricht so ziemlich allem, was uns Politik und Wirtschaft als Notwendigkeiten der Gegenwart weismachen wollen. Die Leistungsbereitschaft werde untergraben. Die Menschen würden unmündig, zu Bezügern von Almosen. Und überhaupt sei das Grundeinkommen gar nicht finanzierbar.</p>
<p><b>Eine historische Chance</b><br />
Bei genauerem Hinschauen erkennt man indes rasch, dass die Idee an manchen Brennpunkten der Gegenwart, wo sich Rat- und Perspektivelosigkeit breitmachen, erfrischende Impulse setzen und unverhoffte Lösungen aufzeigen kann. Und das ist ja auch die grosse, wenn nicht gar historische Chance der Volksinitiative für ein bedingungloses Grundeinkommen: Bei ihrem Zustandekommen – und davon ist inzwischen auszugehen – wird die Idee in der Schweiz breit diskutiert werden müssen. Sie wird ein ernst zu nehmender Gegenstand des gesellschaftlichen Diskurses werden und diesem auch kräftige Farben verleihen.</p>
<p>Spätestens zwei Jahre nach Annahme der Initiative muss das Parlament dazu Stellung nehmen. Anschliessend wird darüber eine Abstimmung stattfinden. Es stehen uns also spannende Jahre bevor, wo kaum jemand in der Schweiz darum herum kommt, allen Ernstes über eine Utopie zu diskutieren. Und vielleicht strahlt diese gar über die engen Grenzen der Schweiz hinaus.</p>
<p>Natürlich wäre es eine Riesenüberraschung, wenn die Initiative dereinst von den Stimmberechtigten angenommen würde. Wunder dauern zuweilen etwas länger &#8230; Doch schon die breite gesellschaftliche Diskussion darüber ist Gold wert. Man wird über Arbeit und Einkommen diskutieren, über Leistung und deren Lohn. Man wird den Sozial- und Wohlfahrtsstaat gedanklich auseinandernehmen und neu wieder zusammensetzen. Auch das Steuersystem wird nicht verschont bleiben. Die Finanzierbarkeit des Grundeinkommens wird für rote Köpfe sorgen. Und vielleicht wird sogar der Sinn des Lebens und der Arbeit, des Tätigseins zur Sprache kommen. Selbst wenn sie an der Urne scheitert, wird die Initiative ihre subtile, aber dauerhafte Wirkung entfalten – über die Grenzen der Schweiz hinaus.</p>
<p><i><span style="text-decoration:underline;">Weiterführende Links:</span></i></p>
<p><b><span style="text-decoration:underline;">Schweiz:</span></b></p>
<ul>
<li><a href="http://www.bedingungslos.ch">bedingungslos.ch</a>: <i>Die</i> Seite zur Volksinitiative.</li>
<li><a href="http://www.generation-grundeinkommen.ch/de">Generation Grundeinkommen</a>: Dreisprachige Seite (D/F/I), wo sich die SammlerInnen im Web-All treffen.</li>
<li><a href="http://www.grundeinkommen.ch/">grundeinkommen.ch</a>: Nachrichten, Medienspiegel, Hintergründe zum bedingungslosen Grundeinkommen.</li>
<li><a href="http://bien-ch.ch/de/">BIEN Schweiz</a>: Schweizerisches Grundeinkommens-Netzwerk für Fachstellen und Interessierte aus der Wirtschaft, den Sozialwissenschaften sowie aus dem Sozialversicherungswesen. Ist Teil des weltweiten Netzwerkes des <a href="http://www.basicincome.org/bien/">Basic Income Earth Network (B.I.E.N.)</a>.</li>
</ul>
<p><b><span style="text-decoration:underline;">Deutschland:</span></b></p>
<ul>
<li><a href="http://www.forum-grundeinkommen.de/">forum Grundeinkommen</a>: Bürgerinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland.</li>
<li><a href="http://www.bge-interaktiv.de/">BGE-INTERAKTIV.DE</a>: Eine interaktive Dokumentation in Form von Kurzfilmen über das bedingungslose Grundeinkommen.</li>
<li><a href="https://www.grundeinkommen.de/">Netzwerk Grundeinkommen</a>: Zusammenschluss von Einzelpersonen, Organisatio­nen und Initiativen in Deutschland, die sich für das BGE einsetzen, indem verschiedene Grundeinkommensmodelle diskutiert werden und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit politischen Entscheidungsträgern gesucht wird, ebenso mit Wirtschafts- und Sozialverbänden sowie Gewerkschaften und sozialen Bewegungen.</li>
<li><a href="http://www.archiv-grundeinkommen.de/">Archiv Grundeinkommen</a> und <a href="http://aktuelles.archiv-grundeinkommen.de/">Aktuelles Archiv Grundeinkommen</a>: Umfassende Materialsammlung, übersichtlich geordnet und ganz ohne Schnickschnack. Das <i>Aktuelle Archiv Grundeinkommen</i> wird laufend und intensiv aktualisiert.</li>
</ul>
<p><b><span style="text-decoration:underline;">Weltweit:</span></b></p>
<ul>
<li><a href="http://www.basicincome.org/bien/">Basic Income Earth Network (B.I.E.N.)</a>. Weltweites «Basic Income»-Netzwerk</li>
<li><a href="http://www.grundeinkommen.at/">Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt Österreich (B.I.E.N Austria)</a></li>
<li><a title="The U.S. Basic Income Guarantee Network" href="http://usbig.net/">The U.S. Basic Income Guarantee Network</a></li>
</ul>
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	</item>
		<item>
		<title>Wider die Abschaffung des Asylrechts</title>
		<link>http://walbei.wordpress.com/2013/05/06/wider-die-abschaffung-des-asylrechts/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 May 2013 05:30:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
				<category><![CDATA[Migration/Asyl]]></category>
		<category><![CDATA[Zum Zeitgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[9. Juni]]></category>
		<category><![CDATA[Abschreckungspolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Asylpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerpolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrdienstverweigerung]]></category>

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		<description><![CDATA[Letzten Herbst wurde einmal mehr das Schweizer Asylgesetz verschärft, und zwar als dringliche Massnahme mit sofortiger und fataler Wirkung für die Asylsuchenden. Dagegen wurde erfolgreich das Referendum ergriffen. Und am 9. Juni entscheiden nun die Schweizer Stimmberechtigten, ob auch der letzte Rest an Menschlichkeit auf dem Altar einer Abschreckungspolitik geopfert werden soll, die humanitär eine Katastrophe ist, ansonsten aber ihre Wirkung verfehlt. – Das Plädoyer für ein menschlicheres Augenmass.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4162&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b>Letzten Herbst wurde einmal mehr das Schweizer Asylgesetz verschärft, und zwar als dringliche Massnahme mit sofortiger und fataler Wirkung für die Asylsuchenden. Dagegen wurde erfolgreich das Referendum ergriffen. Und am 9. Juni entscheiden nun die Schweizer Stimmberechtigten, ob auch der letzte Rest an Menschlichkeit auf dem Altar einer Abschreckungspolitik geopfert werden soll, die humanitär eine Katastrophe ist, ansonsten aber ihre Wirkung verfehlt. – Das Plädoyer für ein menschlicheres Augenmass.</b></p>
<p>Wenn mit Stimmungen und Ängsten Politik gemacht wird, bleiben sachliche Argumente auf der Strecke. Und in der Ausländer- und Asylpolitik werden seit Jahrzehnten die Fakten mit Polemiken gebodigt und das menschliche Augenmass mit Hetze und dem Schüren von Ängsten verzerrt. Wie anders ist zu erklären, dass zum Beispiel in der aktuellen, zur Debatte stehenden Revision des Asylgesetzes – die zehnte in den letzten dreissig Jahren und wie alle anderen eine rabiate Verschärfung – ausgerechnet das Botschaftsasyl abgeschafft wird, eine der sinnvolleren Asylformen, die das Schlepperwesen umgeht, da das Asylgesuch in der Schweizer Botschaft des Herkunftslandes gestellt werden kann?</p>
<p><b>«Renitent» – was heisst das?</b><br />
Oder wie muss ich mir erklären, dass Asylbewerber neu in Lager gesteckt werden können, ohne dass sie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, sondern einzig weil sie als «renitent» eingestuft werden – was immer das heisst und wer immer diese Einstufung vornimmt? Dass in Friedenszeiten Lager für eine bestimmte Gruppe von Menschen geschaffen werden sollen, ist an sich schon ein Unding. Wenn aber die Einweisung in solche Lager aufgrund von höchst interpretationsbedürftigen Kriterien und Begriffen erfolgt, so sollten alle Alarmglocken läuten. Wer weiss, was für andere Menschengruppen in Zukunft bei «Renitenz» weggesperrt werden können. Nein, die Absicht, Lager für «renitente Asylbewerber» einzurichten, weckt höchst ungute Assoziationen und macht auf Alarmismus, wo menschliches Augenmass gefordert ist und die bestehenden Gesetze völlig genügten.</p>
<p><b>Rechtliche Schwächung von Gefährdeten</b><br />
Schliesslich ist auch überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet Wehrdienstverweigerung und Desertion nicht mehr als Asylgrund gelten sollen. Gerade Menschen, die sich bewaffneten Konflikten verweigern und dadurch oft in hohem Mass gefährdet sind, verdienen unseren besonderen Schutz. Neu wird ihnen dieser Schutz verweigert. Das heisst nun allerdings nicht, dass die Betroffenen die Schweiz verlassen müssten. Da sie wegen ihrer Dienstverweigerung oft an Leib und Leben gefährdet sind, sind sie durch die Genfer Flüchtlingskonvention vor der Ausweisung geschützt und werden vorläufig aufgenommen. Die einzige Wirkung dieser Massnahme wird die rechtliche Schwächung der Betroffenen sein. Wie abstrus! Wie kleinkariert! Wie schäbig!</p>
<p><b>Unsere Ausländer- und Asylpolitik trägt zunehmend pathologische Züge</b><br />
Das zu den Details. Nun muss ich aber noch etwas Grundsätzliches loswerden: Der politische Umgang mit Asylbewerbern und Einwanderern trug schon immer neurotische Züge. Das Thema scheint innere Abgründe unseres kollektiven Unbewussten zu berühren. Das macht es so interessant für gewisse Politiker – und so anfällig für das Irrationale. Schulterzuckend könnte man darüber hinwegsehen, wenn diese Irrationalität nicht so brutale Unmenschlichkeit zur Folge hätte. Zurzeit kippen diese neurotischen Züge der Ausländer- und Asylpolitik ganz und gar ins Pathologische, was sich etwa darin zeigt, dass das Menschenverachtende weitherum mit einem Schulterzucken in Kauf genommen wird. Oder darin, dass man gewisse Handlungen zwanghaft ausführt, immer und immer wieder, obschon es sich längst gezeigt hat, dass sie nicht die gewünschte Wirkung erzielen.</p>
<p>Die repetitiven Asylrechtsverschärfungen der letzten Jahre sind solche pathologische Zwangshandlungen: Zu den Schutzsuchenden an unseren Grenzen sagen wir in zunehmend aggressivem Ton «Stopp! Stopp! Stopp!», während wir gleichzeitig Verhältnisse befördern – etwa wirtschaftlicher Art und natürlich zu unseren Gunsten –, die eben diesen Menschen in ihrer Heimat jegliche Lebensperspektive rauben. Wo bleibt da die Folgerichtigkeit, wo die Vernunft? Wo bleibt da das menschliche Augenmass?</p>
<p>Die Migration lässt sich nicht an unserer Grenze aufhalten, auch nicht an den Rändern Europas. Beharrt man darauf, so nimmt man Unmenschlichkeit und Tod in Kauf. Mehr noch: Man hat beides zu verantworten. Nur in den Herkunftsländern lassen sich die Wanderbewegungen beeinflussen – indem wir zum Beispiel mit mindestens demselben Eifer, wie wir Asylgesetze revidieren, die Handelsbeziehungen mit den südlichen Ländern so anpassen, dass sie dort keine Lebensperspektiven zerstören.</p>
<p>All das sind Gründe genug, um zur aktuellen Verschärfung des Asylgesetzes deutlich Nein zu sagen. Ist es nicht schlicht eine Frage des menschlichen Augenmasses?</p>
<p>Weitere Informationen und Argumente gibt es hier (aufs Logo klicken):</p>
<p><a href="http://www.asyl.ch/"><img class="size-medium wp-image-4164 alignnone" style="margin:20px 0;" alt="NEIN_DE_480x472_web" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/05/nein_de_480x472_web.jpg?w=300&#038;h=295" width="300" height="295" /></a></p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://walbei.wordpress.com/category/zum-zeitgeschehen/migrationasyl/'>Migration/Asyl</a>, <a href='http://walbei.wordpress.com/category/zum-zeitgeschehen/'>Zum Zeitgeschehen</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/walbei.wordpress.com/4162/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/walbei.wordpress.com/4162/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4162&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Die Zurichtung des Menschen durch den Neoliberalismus</title>
		<link>http://walbei.wordpress.com/2013/04/27/die-zurichtung-des-menschen-durch-den-neoliberalismus/</link>
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		<pubDate>Sat, 27 Apr 2013 11:37:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
		<category><![CDATA[Zum Zeitgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[15-M]]></category>
		<category><![CDATA[99%]]></category>
		<category><![CDATA[Amador Fernández-Savater]]></category>
		<category><![CDATA[Antonio Gramsci]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krisenmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
		<category><![CDATA[Privatisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Amador Fernández-Savater, kritischer Denker und Politaktivist, Verleger und Autor aus Spanien, frägt anlässlich eines New York-Aufenthalts, also gleichsam «aus der Zukunft, wo der Kapitalismus bereits ein mentaler Zustand ist», ob wir uns hier in Europa bewusst seien, dass es letztlich um eine kulturelle, anthropologische Auseinandersetzung geht, eine Auseinandersetzung um Lebensformen. – Übersetzung: Walter B.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4151&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b>Amador Fernández-Savater, kritischer Denker und Politaktivist, Verleger und Autor aus Spanien, frägt anlässlich eines New York-Aufenthalts, also gleichsam «aus der Zukunft, wo der Kapitalismus bereits ein mentaler Zustand ist», ob wir uns hier in Europa bewusst seien, dass es letztlich um eine kulturelle, anthropologische Auseinandersetzung geht, eine Auseinandersetzung um Lebensformen. – Übersetzung: </b><a href="http://walbei.wordpress.com/"><b>Walter B</b></a><b>.</b></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/6272514043_6476546f23_z.jpg"><img class="size-full wp-image-4153 alignnone" style="margin-top:20px;margin-bottom:20px;" alt="6272514043_6476546f23_z" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/6272514043_6476546f23_z.jpg?w=780"   /></a></p>
<p>Ich befinde mich zusammen mit A. und V. in der Nähe des Union Square in New York. Die beiden Freunde leben schon seit einigen Jahren in den Vereinigten Staaten und arbeiten als Assistenten ohne Festanstellung an einer renommierten Universität. Sie kommen spät zu unserem Treffen und erzählen, die Schüler hätten sie mit Fragen aufgehalten. Ich: Wie gut! Offenbar interessierte Schüler. Sie: Nun ja, man weiss letztlich nie so genau, woran sie wirklich interessiert sind. Sie erzählen mir, die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler sei an den privaten Universitäten etwas eigenartig. Dort zahlt der Schüler viel Geld – 50&#8217;000 bis 60&#8217;000 Dollar – oder hat sich stark verschuldet, um sich das Studium leisten zu können. Das Autoritätsverhältnis kehrt sich völlig um: Es sind die Schüler, die den Lehrer bewerten und von ihm eine ganz spezifische Art von Wissen verlangen: Messbar, paketiert, praktisch soll es sein. Und es darf keine Ungewissheiten enthalten. Experimentieren ist nicht gefragt, also auch kein Denken &#8230; Es ist nicht mehr so sehr ein Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler, sondern ein solches zwischen Dienstleister und Kunde, was deutliche Verzerrungen in Bildung und Wissensvermittlung zur Folge hat.</p>
<p><b>Die Privatisierung ist weit fortgeschritten</b><br />
Doch was in der Bildung stattfindet, ist ja nichts Isoliertes, fahren meine Freunde fort, während wir die schlechten Nachrichten verdauen, indem wir im legendären <i>John&#8217;s Pizza</i> eine Pizza verzehren. Die Privatisierung ist weit fortgeschritten: Im Gesundheits-, im Transportwesen, überall hinterlässt sie ihre Spuren. Und ohne allgemein gültige Grundrechte wird das Leben sehr teuer. Alle sind entsprechend verschuldet. Und man muss pausenlos arbeiten und sich gut verkaufen. Entsprechend sind in Manhattan die Bars jeweils voller Menschen mit Laptop. Leben bedeutet Arbeit, und in die Arbeit muss man sein ganze Leben investieren. Die berufliche Karriere kommt zuerst, lange vor Familie oder Freunden. Die Zurichtung des Menschen durch den Neoliberalismus sieht so aus: Das Ich begreift sich als Unternehmen und Marke – und die Welt versteht es als Gesamtheit von rentablen Möglichkeiten. Die anderen sind Instrumente, die nach Gebrauch weggeworfen werden, – oder sie sind Hindernisse auf dem Weg. Am schlimmsten trifft es einen, wenn man als <i>Looser</i>, als Verlierer dasteht. Nun verstehe ich auch jenen amerikanischen Freund auf der Durchreise in Madrid, der mich sprachlos machte, als er sich mit folgenden Worten verabschiedete: «Was für ein Glück ihr habt, dass ihr hier lebt! Da gibt es keinen Kapitalismus.»</p>
<p>Man sagt, wenn in New York drei Uhr nachmittags ist, ist es in Europa neun – aber zehn Jahre früher. Das neoliberale Krisenmanagement will nun diesen zeitlichen Unterschied rabiat verkürzen. Aus der Zukunft frägt mich A.: Glaubst du, dass sich die Leute in Spanien bewusst sind, dass der Kampf hauptsächlich ein kultureller, anthropologischer Kampf um Lebensformen ist, das heisst ein Kampf um ein anderes Verhältnis zu den anderen, zur Welt, zu uns selbst? Ich kaue schwer an der Pizza, zögere, murmle etwas und werde nachdenklich.</p>
<p><b>Solidarisches Netz inmitten des Debakels</b><br />
Ich denke an die <i>Mareas</i>, die Massendemonstrationen zur Verteidigung der Rechte aller, der Reichen wie der Armen, zur Verteidigung der Bildung, des Gesundheitswesens, des Wassers. Ich denke an die Leute, die sich vor das Haus eines Unbekannten stellen, um zu verhindern, dass dessen Wohnung zwangsgeräumt wird. Ein gutnachbarschaftliches Konzept wird so in erweiterter Form zur Geltung gebracht. Ich denke daran, wie wenig Chancen <i>ahora mismo</i> («jetzt gleich») hat, ein politisches Projekte, das den Immigranten die Schuld an der Krise unterschieben will. Inmitten des Debakels wurde ein solidarisches Netz geschaffen, das Elemente verbindet, die einerseits fest in der sozialen Haltung quer durch die ganze Gesellschaft verwurzelt sind – etwa der Wert nicht instrumenteller Beziehungen oder des öffentlichen Gesundheitswesens –, und anderseits durch neue Bewegungen wie <i>15-M</i>, die <i>Mareas</i> oder die <i>PAH</i><a title="" href="#_edn1">[*]</a> eingeführt wurden. Und eben gerade lernen wir es auszusprechen: Wir sind 99% gegen das neoliberale «Rette sich, wer kann».</p>
<p><b>Der Kapitalismus als mentaler Zustand</b><br />
Es stimmt: Die wichtigste und intensivste Umgestaltung – und damit die Grundlage aller weiteren – ist kultureller, anthropologischer Art und betrifft unsere Lebensformen. Es geht um die (Neu)Erschaffung des Gemeinschaftlichen gegenüber dem Krieg aller gegen alle, der in der praktischen Philosophie eingeschrieben ist, welche aus jedem von uns ein Elementarteilchen macht, das einzig von strategischen Interessen zu seinen eigenen Gunsten getrieben ist. Ohne diesen Wandel kann sich nur ereignen, was der marxistische Theoretiker Antonio Gramsci «passive Revolution» genannt hat: ein Umbruch von oben ohne das Zutun der gewöhnlichen Menschen. Doch diese führt nicht weiter, da es keine Veränderungen auf der Makroebene gibt ohne Veränderungen auf der Mikroebene. Weder eine andere Politik noch eine andere Wirtschaft ist möglich ohne eine andere Subjektivität, ein anderes Selbstverständnis. Der Kapitalismus dauert an, weil er ein mentaler Zustand ist.</p>
<p>Und trotzdem wusste ich nicht, was ich A. antworten sollte. Glaubst du, dass sich die Leute bewusst sind, dass der Kampf hauptsächlich auf dem Feld der Lebensformen stattfindet? Manchmal überkommen mich zwischen all dem täglichen und allzu einfachen Kriegsgeschrei gegen die Politiker und den verschiedenen Vorschlägen, wie man gleichsam von oben und über die Köpfe der Menschen hinweg die Macht erobern könnte, starke Zweifel, ob wir den mächtigsten Wandel zu benennen, zu würdigen und zu vermitteln fähig sind, der herausforderndste Wandel, <i>der bereits im Gange ist</i>: der stille, aber nicht notwendigerweise unsichtbare Umbruch in der Art und Weise, wie man sich selbst sieht, wie man sich mit den anderen verbindet, wie man die Dinge tut und in der Welt steht.</p>
<p>_______________________________________________________</p>
<p><span style="text-decoration:underline;"><em>Anmerkungen:</em></span></p>
<div>
<ul>
<li><a title="" href="#_ednref1">[*]</a> <i>15-M</i>: die Protestbewegung in Spanien, die am 15. Mai 2011 ausbrach; <i>Marea</i>, zu Deutsch <i>Flut</i>: gemeint sind die unzähligen und jeweils gut besuchten Proteste gegen den Kahlschlag im öffentlichen Bereich; <i>PAH, Plataforma de Afectados por la Hipoteca</i>: eine soziale Bewegung, die im Zusammenhang mit der Immobilienkrise in Spanien entstand und die Interessen der Leute verteidigt, die in der Folge ihre Hypothek nicht mehr bedienen können.</li>
<li>Hier geht es zum <a href="http://www.eldiario.es/interferencias/neoliberalismo-15M_6_122897713.html">Original des Beitrags</a> (in spanischer Sprache) auf dem Blog <a href="http://www.eldiario.es/interferencias/"><em>Interferencias</em></a>.</li>
<li>Bild: «New Religion» von <a href="http://www.flickr.com/photos/jbid-post/"><em>János Balázs</em></a> via flickr (CC-Lizenz)</li>
</ul>
</div>
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		<title>Sans-Papiers: Die «Unberührbaren» Europas</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 05:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die niederste Kaste in Indien sind die Unberührbaren, auch Dalits genannt. Sie werden diskriminiert und ausgebeutet – und ermöglichen so den höheren Kasten ein Leben in Bequemlichkeit und Wohlstand. Ähnliche Verhältnisse sind in Europa – und der Schweiz – zu beobachten: Hier bilden die Papierlosen oder Sans-Papiers die unterste soziale Schicht, die einerseits verteufelt und anderseits gnadenlos ausgebeutet wird. – Eine Spurensuche mit Schwerpunkt in der Schweiz.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4143&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b>Die niederste Kaste in Indien sind die Unberührbaren, auch Dalits genannt. Sie werden diskriminiert und ausgebeutet – und ermöglichen so den höheren Kasten ein Leben in Bequemlichkeit und Wohlstand. Ähnliche Verhältnisse sind in Europa – und der Schweiz – zu beobachten: Hier bilden die Papierlosen oder Sans-Papiers die unterste soziale Schicht, die einerseits verteufelt und anderseits gnadenlos ausgebeutet wird. – Eine Spurensuche mit Schwerpunkt in der Schweiz.</b></p>
<p>Ihre Anzahl ist umstritten: Während zurückhaltende Schätzungen von 1,9 Millionen Sans-Papiers oder Papierlosen in der Europäischen Union des Jahres 2005 (mit damals 25 Mitgliedsstaaten) ausgehen, sprechen andere Schätzungen von 3,8 Millionen Menschen, die sich in jenem Jahr ohne staatliches Wissen und Genehmigung in diesen Ländern aufhielten.<a title="" href="#_edn1">[1]</a> In der Schweiz schwanken die Schätzungen zwischen 70&#8217;000 und 300&#8217;000 Sans-Papiers, wobei eine gfs-Erhebung im Auftrag des Bundesamtes für Migration<a title="" href="#_edn2">[2]</a> von 90&#8217;000 Papierlosen im Jahr 2005 ausgeht. Neuere plausibilisierte Zahlen sind nicht verfügbar.</p>
<p>Dass die Anzahlen der Papierlosen nur grob geschätzt werden können, liegt in der Natur der Sache, da diese Menschen selbstredend in keinem Register auftauchen. Und über die Entwicklung der Zahlen in den letzten zehn Jahren lässt sich ebenfalls nur spekulieren. Doch es ist von einer Zunahme auszugehen. Mitverantwortlich dafür sind – zumindest in der Schweiz – die Verschärfungen im Asylwesen, was viele Schutzsuchende dazu bringt, gar nicht erst ein Asylgesuch zu stellen oder nach dessen Ablehnung unerkannt in der Schweiz zu bleiben. Trotzdem ist davon auszugehen, «dass Personen aus dem Asylbereich weiterhin nur eine Minderheit der Sans-Papiers stellen, ihr Anteil aber tendenziell steigend ist»<a title="" href="#_edn3">[3]</a>.</p>
<p><b>Nach den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts</b><br />
Es sind also nicht so sehr die Asylsuchenden, die das Gros der Papierlosen darstellen, sondern laut der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen ist «die Entwicklung der irregulären Migration [...] konjunkturabhängig und eng mit der Arbeitsmarktsituation verbunden»<a title="" href="#_edn4">[4]</a>. Die Mehrheit der Sans-Papiers ist erwerbstätig, und zwar im Niedriglohnsektor: in der Baubranche, der Gastronomie und Hotellerie, in der Landwirtschaft und zunehmend auch in der Hauswirtschaft und Versorgungsarbeit.</p>
<p>Diese Niedriglohnbereiche sind für SchweizerInnen und EU-BürgerInnen wenig attraktiv. Der sogenannte Arbeitsmarkt schreit deshalb geradezu nach «flexiblen», in ihren Ansprüchen bescheidenen Arbeitskräften. Und die Sans-Papiers verkörpern diesen Typus in geradezu idealer Weise: Als praktisch rechtlose Arbeitnehmer können sie je nach Bedarf eingestellt und problemlos wieder entlassen werden. Ihre Lohnforderungen sind entsprechend bescheiden. Die Papierlosen stellen im neoliberalen Wirtschaftsmodell den Idealtypus des Angestellten dar und sind so etwas wie das Schmiermittel im Wirtschaftsmotor. Gleichzeitig sind sie ein Konjunkturpuffer. Sie werden als erste entlassen, wenn der Motor stottert.</p>
<p><b>Ausgegrenzt und ausgebeutet</b><br />
Hier zeigt sich einer der vielen Widersprüche in der Migrationspolitik – in der Schweiz ebenso wie in ganz Europa: Im selben Mass, wie die Papierlosen in der Wirtschaft als billige Arbeitskräfte und Manövriermasse missbraucht werden, werden sie ausgegrenzt und als sogenannte Illegale verteufelt. Und das könnte durchaus System haben: Je mehr man sie ausgrenzt und entrechtet, umso billiger sind sie zu haben. Sie sind die Sklaven der Moderne – die Unberührbaren Europas.</p>
<p>Diese widersprüchliche Haltung – auf der einen Seite die manchmal restriktive, manchmal eher lasche Ahndung ihres aufenthaltsrechtlichen Verstosses, anderseits die Bedürfnisse der modernen Wirtschaft nach möglichst billigen Arbeitskräften – führt zur paradoxen Situation, dass in Europa und der Schweiz erstaunlich viele Menschen zwar ausländerrechtlich illegal anwesend sind, aber trotzdem gebraucht werden. Und das ist nicht etwa eine völlig neue Entwicklung, die unsere Gesellschaften gleichsam überrumpelt hat, sondern ein Zustand, der seit Jahrzehnten anhält – mit ausgesprochen unmenschlichen Folgen: Kinder, die von Geburt her in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität leben müssen; langjährige äusserst prekäre Arbeitsverhältnisse, teilweise nahe der Sklaverei; ebenso prekäre Wohnverhältnisse mit wenig sozialer Einbindung; erschwerter Zugang zur Gesundheitsversorgung usw.</p>
<p><b>Kollektive Regularisierung versus Härtefallregelung</b><br />
Wie darauf antworten? Die einen sehen in der kollektiven Stärkung der Grundrechte der Sans-Papiers die sinnvollste Lösung, zum Beispiel in ihrer offiziellen Regularisierung. Europaweit wurden zwischen 1973 und 2008 68 Regularisierungsprogramme durchgeführt, die 4,3 Millionen Menschen zu einer Niederlassungsbewilligung in ihrem Gastland verhalfen. Dass diese Regularisierungen einen zusätzlichen Strom von irregulären Migranten zur Folge hatte – die vielseitig gefürchtete sogenannte Magnetwirkung –, konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.<a title="" href="#_edn5">[5]</a> Die Stärkung ihrer Grundrechte könnte hingegen dazu führen, «die Schattenwirtschaft und die Bildung rechtsfreier Räume zu begrenzen und so längerfristig illegale Migration wirksamer zu bekämpft als mit repressiven Massnahmen allein»<a title="" href="#_edn6">[6]</a>.</p>
<p>Obwohl diese Lösung von der Sache her angezeigt wäre – und vom in der Schweiz gerne hervorgehobenen humanitären Standpunkt her sowieso –, hat sie hier politisch zurzeit nicht den Hauch einer Chance. Die Vorurteile sind einmal mehr stärker als die sachlichen Überlegungen &#8230; Stattdessen setzt man auf individuelle Härtefallregelungen – die so individuell sind, dass ihr Ausgang entscheidend davon abhängt, in welchem Kanton das Gesuch gestellt wird &#8230; Die derzeitig äusserst restriktive Handhabung zeigt zudem, dass mit der Härtefallregelung dem sozialen Missstand in Sachen Sans-Papiers nicht beizukommen ist: Gerade mal 88 Gesuchen nach Ausländergesetz (und 429 nach Asylgesetz) wurde im Jahr 2009 stattgegeben – bei geschätzten 100&#8217;000 Sans-Papiers in der Schweiz.<a title="" href="#_edn7">[7]</a></p>
<p>Es ist offensichtlich: Solange die Frage der Papierlosen als rein rechtliches Problem aufgefasst wird und nicht als soziale Herausforderung, wird es keine sinnvolle Lösung geben. Eine solche Lösung kann also nicht technokratisch erfolgen, sondern muss das Ergebnis eines demokratischen Prozesses, einer gesellschaftlich breiten Auseinandersetzung sein. Und ehe diese nicht wirklich stattfindet, muss sich die Schweiz und ganz Europa den Vorwurf gefallen lassen, sie seien eine Gesellschaft mit einem ausgesprochenen Kastensystem, kaum besser als Indien.<br />
_________________________________________________</p>
<div>
<p><em><span style="text-decoration:underline;">Anmerkungen:</span></em></p>
<p><a title="" href="#_ednref1">[1]</a> <a href="http://irregular-migration.net//fileadmin/irregular-migration/dateien/4.Background_Information/4.2.Policy_Briefs_EN/ComparativePolicyBrief_SizeOfIrregularMigration_Clandestino_Nov09_2.pdf" rel="nofollow">http://irregular-migration.net//fileadmin/irregular-migration/dateien/4.Background_Information/4.2.Policy_Briefs_EN/ComparativePolicyBrief_SizeOfIrregularMigration_Clandestino_Nov09_2.pdf</a> (PDF, 180 KB).<br />
<a title="" href="#_ednref2">[2]</a> <a href="http://www.ejpd.admin.ch/content/dam/data/migration/laenderinformationen/forschung/studie-sans-papiers-d.pdf " rel="nofollow">http://www.ejpd.admin.ch/content/dam/data/migration/laenderinformationen/forschung/studie-sans-papiers-d.pdf </a> (PDF, 421 KB).<br />
<a title="" href="#_ednref3">[3]</a> «<a href="http://www.ekm.admin.ch/content/dam/data/ekm/dokumentation/materialien/mat_sanspap_d.pdf">Leben als Sans-Papiers in der Schweiz</a>» (PDF, 1,5 MB), Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen EKM, 2010, S. 26.<br />
<a title="" href="#_ednref4">[4]</a> Ebenda S. 6.<br />
<a title="" href="#_ednref5">[5]</a> «<a href="http://dare.uva.nl/document/154968">Regularisations in Europe – Study on practices in the area of regularisation of illegally staying third-country nationals in the Member States in the EU</a>», Martin Baldwin-Edwards und Albert Kraler, Wien 2009 (PDF, 4,1 MB, 576 S.) , siehe auch die <a href="http://research.icmpd.org/fileadmin/Research-Website/Regularisierung/REGINE_Zusammenfassung_DE.pdf">Zusammenfassung der Studie in Deutsch</a> (PDF, 182 KB).<br />
<a title="" href="#_ednref6">[6]</a> Siehe Anmerkung 3, S. 79.<br />
<a title="" href="#_ednref7">[7]</a> Ebenda S. 47.</div>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://walbei.wordpress.com/category/zum-zeitgeschehen/migrationasyl/'>Migration/Asyl</a>, <a href='http://walbei.wordpress.com/category/zum-zeitgeschehen/'>Zum Zeitgeschehen</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/walbei.wordpress.com/4143/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/walbei.wordpress.com/4143/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4143&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Zurück aus Indien – Eine Nachlese</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Apr 2013 06:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit zwei Wochen bin ich nun zurück. Und schon verblasst die Erinnerung an die wunderbare Zeit in Indien, an eine Zeit, die sich doch, wie ich gemeint hatte, mit einer gewissen Vehemenz in mein Gedächtnis eingebrannt hatte. Nein! Es ist, als würde ich aus einem seltsamen und doch berührenden Traum aufwachen. Verwundert blicke ich darauf zurück und versuche, möglichst viele Bilder festzuhalten, bevor der Traum vollends verklingt. ­– Hier ein paar davon.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4132&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><b>Seit zwei Wochen bin ich nun zurück. Und schon verblasst die Erinnerung an die wunderbare Zeit in Indien, an eine Zeit, die sich doch, wie ich gemeint hatte, mit einer gewissen Vehemenz in mein Gedächtnis eingebrannt hatte. Nein! Es ist, als würde ich aus einem seltsamen und doch berührenden Traum aufwachen. Verwundert blicke ich darauf zurück und versuche, möglichst viele Bilder festzuhalten, bevor der Traum vollends verklingt. ­– Hier ein paar davon.</b></p>
<p><b>Shiva ist überall</b><br />
Schöpferische Zerstörung um mich her. Oder ist es blanke Zerstörung – ohne das Schöpferische? Die Einfallstrasse nach Pondicherry sieht jedenfalls so aus, wie wenn eine Bombe eingeschlagen wäre. Am Strassenrand Gräben, daneben aufgehäufte Erde und Kies. Die Fussgänger weichen auf die Fahrbahn aus – was lebensgefährlich sein kann. Ein Lastwagen steht quer auf der Strasse und lädt umständlich Kies ab, während sich die Autos und Busse in beiden Richtungen stauen. Kein Polizist weit und breit. Durch die dabei entstehende Staubwolke kämpfen sich Motorräder. Es werden immer mehr. Ganze Schwärme von knatternden, zweirädrigen Insekten werden aus der Staubwolke geboren und strömen mir entgegen. Staubgeruch und Dieselwolken, Hupen und Motorengebrüll hüllen mich vollends ein. – Bis es ganz still wird und nur noch ein leises, inneres Vibrieren mich daran erinnert, dass ich noch am Leben bin. Nun ist es Jasminduft, der mich erfrischt, und zarter himmlischer Gesang um mich her. Nun weiss ich, dass genau diese Sphärenharmonie in jenem Höllenlärm steckt. Und dahinter ist Stille, unendliche Stille und Freude &#8230;</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/img_1302081555450.jpg"><img class="size-full wp-image-4136 alignnone" style="margin-top:20px;margin-bottom:20px;" alt="IMG_1302081555450" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/img_1302081555450.jpg?w=780&#038;h=585" width="780" height="585" /></a></p>
<p><b>Im Raumschiff</b><br />
Im Zentrum von Auroville steht ein Raumschiff: der <i><a href="http://www.auroville.org/thecity/matrimandir/mm_main.htm">Matrimandir</a></i>. Zwar hat ihn noch niemand wirklich fliegen gesehen. Doch keine Frage: Dieses seltsame und erstaunliche Gebilde transportiert die Menschen hin zum Kosmos und den Kosmos hin zu den Menschen. Wie das? Ich habe es selbst erlebt: Auf einem weissen Stuhl mit Tragestangen wurde ich von vier jungen Einheimischen in die kreisrunde Meditationshalle getragen. (Der <i>Matrimandir</i> ist alles andere als rollstuhlgängig.)</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/img_1302161100100.jpg"><img class="size-full wp-image-4137 alignnone" style="margin-top:20px;margin-bottom:20px;" alt="IMG_1302161100100" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/img_1302161100100.jpg?w=780&#038;h=585" width="780" height="585" /></a></p>
<p>Die Halle misst etwa fünfundzwanzig Meter im Durchmesser und ist ganz in einem crèmefarbenen Weiss gehalten. Darüber eine Kuppel, durch die am Zenit ein gebündelter Sonnenstrahl senkrecht herunterfällt. Auf einem Metallgestell am Boden steht eine Glaskugel (Ø = 70 cm), die diesen Sonnenstrahl auffängt beziehungsweise weiter nach unten leitet, durch den ganzen Baukörper des <i>Matrimandir</i> hindurch, also durch die ganze, leicht abgeflachte Kugel, die die Aussenhülle darstellt. Und unter dieser Kugel befindet sich ein kleiner Teich, leicht trichterförmig gebaut und mit Lotusblütenblättern aus Marmor belegt, die wie Dachziegel angeordnet sind. Über diese Lotusblätter gleitet von der Peripherie her eine dünne Schicht Wasser bis zum Zentrum. Dort steht wieder eine, aber deutlich kleinere Glaskugel, auf die der gebündelte Sonnenstrahl letztlich trifft. (Zur Verdeutlichung siehe <a href="http://www.auroville.org/thecity/matrimandir/vertical_section.htm">Querschnittzeichnung des <i>Matrimandir</i></a>.)</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/1-inner_chamber_2.jpg"><img class="size-full wp-image-4138 alignnone" style="margin-top:20px;margin-bottom:20px;" alt="I" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/1-inner_chamber_2.jpg?w=780"   /></a></p>
<p>Der Kosmos kommt im <i>Matrimandir</i> also via Sonnenlicht zum Menschen. Und wie kommt der Mensch im <i>Matrimandir</i> hin zum Kosmos? Durch die Kraft der Konzentration und der Gedankenruhe. Ich habe es selbst erlebt.</p>
<p><b>Du sollst dir kein Bildnis machen &#8230;</b><br />
Der indische Götterglaube hat etwas Diesseitsorientiertes, Lebensfrohes, zuweilen geradezu rauschhaft Massloses. Er stellt sich so dem manchmal rigorosen Entsagungseifer der monotheistischen Religionen deutlich gegenüber. Als Beispiel hier der Bilderrausch an der Fassade des Minakshi-Tempels in Madurai, Südindien. (Foto: <i><a href="http://www.flickr.com/people/hectorgarcia/">Hector Garcia</a></i> via <a href="http://www.flickr.com/">flickr</a>.)</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/342299768_861ea79811_b.jpg"><img class="size-full wp-image-4139 alignnone" style="margin-top:20px;margin-bottom:20px;" alt="342299768_861ea79811_b" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/04/342299768_861ea79811_b.jpg?w=780&#038;h=585" width="780" height="585" /></a></p>
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		<title>Die letzten Tage in Indien</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Mar 2013 05:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Tagebuch]]></category>
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		<description><![CDATA[Die zehn Tage in Kerala hatten es in sich. Das war eine kräftige Portion «real India» – und ganz schön anstrengend. Immerhin sind wir knapp 2&#8217;000 Kilometer gefahren. Das sind 4&#8217;000 gefühlte indische Kilometer, wenn man den Strassenzustand und die Tatsache bedenkt, dass jedes Dorf, jede Stadt, ausser vielleicht die grössten Städte, durchquert werden müssen, [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4059&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die zehn Tage in Kerala hatten es in sich. Das war eine kräftige Portion «real India» – und ganz schön anstrengend. Immerhin sind wir knapp 2&#8217;000 Kilometer gefahren. Das sind 4&#8217;000 gefühlte indische Kilometer, wenn man den Strassenzustand und die Tatsache bedenkt, dass jedes Dorf, jede Stadt, ausser vielleicht die grössten Städte, durchquert werden müssen, was zuweilen ein geradezu abenteuerliches Unterfangen ist. Hinzu kommen bestimmt etwa hundert Kilometer, die ich mit dem Trac unterwegs war, wenn nicht mehr – allein in Kerala wohlverstanden, gesamthaft ist es ein Vielfaches. Die Distanz alleine macht es allerdings nicht aus. Vielmehr ist es die Intensität, die Ballung des indischen Lebens: der Menschen, der Farben und Gerüche, der Schönheit – und der Hässlichkeit, des Verkehrs in den Städten und, und, und &#8230;</p>
<p>Es ist deshalb wunderbar, dass ich die letzten Tage ziemlich ruhig verbringen kann: im <a href="http://quiethealingcenter.info/"><em>Quiet Healing Center</em></a> – nicht eigentlich ein Wellnesshotel, vielmehr wirklich ein Therapiezentrum mit angegliederten Guesthouses, allerdings beides in aurovillianischer Art. Was das heisst? Es hat Stil &#8230; Direkt am Meer gelegen, bietet das Healing Center Therapien (und Kurse für angehende Therapeuten) in einer unglaublichen Vielzahl an – verschiedene Massagen, Wassertherapien, darunter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Watsu">Watsu</a>, das ich besonders schätzen gelernt habe, bis hin zur herkömmlichen Physiotherapie und klassischen Homöopathie –, all dies ausgeübt durch ausgezeichnete TherapeutInnen.</p>
<p>Die Bungalows sind auf einem grossen Gelände verstreut und bieten unterschiedlichen Komfort. Hier eine Auswahl:</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-103555.jpg"><img class="alignnone size-full" alt="20130324-103555.jpg" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-103555.jpg?w=780" /></a></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-103706.jpg"><img class="alignnone size-full" alt="20130324-103706.jpg" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-103706.jpg?w=780" /></a></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-103818.jpg"><img class="alignnone size-full" alt="20130324-103818.jpg" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-103818.jpg?w=780" /></a></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-103829.jpg"><img class="alignnone size-full" alt="20130324-103829.jpg" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-103829.jpg?w=780" /></a></p>
<p>Ich selber wohne in einem etwas moderneren Gebäude mit vier Wohneinheiten (ein Raum + grosszügiges Bad mit WC und Dusche). Die Einheiten im Parterre sind komplett ohne Stufen zugänglich und recht rollstuhlgängig, vielleicht nicht nach Norm, doch für meine Bedürfnisse ausgezeichnet. Bei der Dusche kam und kommt mir eine indische Besonderheit zugute: Da Duschkabinen viel zu teuer sind, ist auf der einen Seite der meisten Badezimmer einfach ein Ablauf eingelassen. So brauche ich nur einen wasserdichten Stuhl zu organisieren, meistens aus Plastik, und kann problemlos eine Dusche nehmen – ein Segen bei dieser Hitze! Hier also wohne ich:</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-104227.jpg"><img class="alignnone size-full" alt="20130324-104227.jpg" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-104227.jpg?w=780" /></a></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-104257.jpg"><img class="alignnone size-full" alt="20130324-104257.jpg" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-104257.jpg?w=780" /></a></p>
<p>Und so sieht es vor der Haustüre aus, im Hintergrund die Meeresweite:</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-104605.jpg"><img class="alignnone size-full" alt="20130324-104605.jpg" src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130324-104605.jpg?w=780" /></a></p>
<p>Hier verbringe ich also meine letzten Tage in Indien. Zum Abschied werde ich ein kleines Gitarrenkonzert kredenzen, zu denen ich Menschen eingeladen habe, die ich in den beiden Monaten näher kennen gelernt habe.</p>
<p>Und dann: Adieux Murugan! Adieux Alex! Adieux Susmita! Adieux Mutulaksmi! Adieux Sivakumar! Adieux Indien! Werde ich je wiederkommen?</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://walbei.wordpress.com/category/tagebuch/indien-2013/'>Indien 2013</a>, <a href='http://walbei.wordpress.com/category/tagebuch/'>Tagebuch</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/walbei.wordpress.com/4059/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/walbei.wordpress.com/4059/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=4059&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Munnar: Tee, Tee, Tee, Tee</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Mar 2013 12:02:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Reise von Fort Cochi zurück in die Berge hat es in sich: Zunächst gilt es, den Ballungsraum rund um Cochin und Ernakulam hinter uns zu lassen. Einfacher gesagt als getan. Denn es müssen mehrere lange Brücken überquert werden, an denen offenbar ständig Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden. Das führt dann – mitten auf der Brücke – [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=3995&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Reise von Fort Cochi zurück in die Berge hat es in sich: Zunächst gilt es, den Ballungsraum rund um Cochin und Ernakulam hinter uns zu lassen. Einfacher gesagt als getan. Denn es müssen mehrere lange Brücken überquert werden, an denen offenbar ständig Ausbesserungsarbeiten vorgenommen werden. Das führt dann – mitten auf der Brücke – zu Engstellen, etwa wenn die Fugen erneuert werden. Geregelt wird der Verkehr nicht. Vielmehr quetscht man sich auf der einen, passierbaren Strassenseite aneinander vorbei. Auf dem Motorrad – und diese sind in einer mächtigen Überzahl – ist man da deutlich im Vorteil. Doch früher oder später kommt der Augenblick, wo nichts mehr läuft, die Engstelle verstopft ist. So haben wir auf einer Brücke drei Viertel Stunden ausgeharrt &#8230; Nach längerer Zeit kommt ein Polizist hergelaufen, vielleicht weil sich der Verkehr bis in die Stadt hinein gestaut hat, und versucht mit Trillerpfeife und dem Anschein von Autorität den Knoten zu lösen. </p>
<p>Zu bedauern sind die Strassenarbeiter, darunter auch Jungs ab vielleicht 15 Jahren. An der prallen Sonne – und diese ist in Cochin gnadenlos – hantieren sie mit heissem Teer, den sie im Schubkarren vom nahen Teerkocher herbeischaffen. Zwischendurch nehmen sie einen Schluck aus einer schmutzigen Flasche abgestandenen Wassers. Und ich will wetten, sie verdienen weit unter dem Durchschnittslohn, der 2009 etwa 3&#8217;400 Rupien betrug, also etwas weniger als 50 Euro – monatlich wohlverstanden.</p>
<p><strong>Teeplantagen um Munnar</strong><br />
Die Reise geht weiter in die Berge. Sobald wir etwas höher steigen, beginnt wieder der üppige, immergrüne Primärwald mit Baumriesen und dichten Unterholz. Über weite Strecken sind es aber auch Kautschukplantagen, allerdings nie in grossen zusammenhängenden Flächen. Je mehr Höhe wir gewinnen, umso eindrücklicher wird die Landschaft. Fels und üppiges Grün in allen Schattierungen wechseln sich ab. Für den Kautschuk ist es nun zu hoch. Zwischendurch kleine Wasserläufe und auch -fälle, die sogar Wasser führen.</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-174051.jpg"><img src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-174051.jpg?w=780" alt="20130321-174051.jpg" class="alignnone size-full" /></a></p>
<p>Und plötzlich nur noch Teesträucher. In der Gegend um Munnar (1&#8217;600 m ü.M.) gibt es kaum mehr Primärwald, sondern nur noch Teeplantagen, so weit das Auge reicht, und ab und zu ein Stück Eukalyptuswald, den man mit gleichem Recht als Plantage bezeichnen muss, denn nur zur Gewinnung von Feuerholz für die örtliche Bevölkerung ist der schnell wachsende und Nährstoff zehrende Baum angepflanzt worden. Das sieht dann etwa so aus: </p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-174403.jpg"><img src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-174403.jpg?w=780" alt="20130321-174403.jpg" class="alignnone size-full" /></a></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-174718.jpg"><img src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-174718.jpg?w=780" alt="20130321-174718.jpg" class="alignnone size-full" /></a></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-174916.jpg"><img src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-174916.jpg?w=780" alt="20130321-174916.jpg" class="alignnone size-full" /></a></p>
<p>Was sehr pittoresk daherkommt, ist ökologisch eine Katastrophe: Monokultur in reinster Form. Die ganze Region ist von der kommerziellen Nutzung des Tees geprägt. Und alle – wirklich alle! – Plantagen gehören hier der Tata-Gruppe, einem der weltweit grössten Konzerne. Die Einheimischen sind zu Angestellten von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Tata_Global_Beverages"><em>Tata Global Beverages Limited</em></a> geworden, ob sie es wollten oder nicht. </p>
<p>Nach alter Manier der Patrons sorgt sich der Konzern allerdings auch um seine Angestellten. So habe ich eine Schule und eine Werkstätte für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen besucht, die von <em>Tata Beverages</em> betrieben werden und den Kindern mit Behinderung eine schulische Förderung sowie den erwachsenen Behinderten eine mehr oder weniger sinnvolle Tätigkeit ermöglicht – eine Seltenheit in Indien, wo der Staat die Menschen mit Behinderung weitgehend im Stich lässt. </p>
<p>Doch mehr dazu in einem späteren Beitrag &#8230;</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://walbei.wordpress.com/category/tagebuch/indien-2013/'>Indien 2013</a>, <a href='http://walbei.wordpress.com/category/tagebuch/'>Tagebuch</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/walbei.wordpress.com/3995/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/walbei.wordpress.com/3995/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=3995&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Fort Cochin: Hafenbetrieb nach meinem Geschmack</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Mar 2013 05:53:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Walter B</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich liebe nunmal Meereshäfen, besonders wenn sie schmutzig und heruntergekommen sind. Der fischige Geruch des trüben Wassers, auf dem einzelne schillernd grüne Diesellachen treiben, die geschwärzte Mole und die rostigen Kähne, das Gehämmer und Gerufe, das Gezeter der Möwen sowie die einzelnen trüben Gestalten, die ihren Blick in die Ferne richten, ebenso sehnsüchtig wie verloren [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=walbei.wordpress.com&#038;blog=11666504&#038;post=3918&#038;subd=walbei&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe nunmal Meereshäfen, besonders wenn sie schmutzig und heruntergekommen sind. Der fischige Geruch des trüben Wassers, auf dem einzelne schillernd grüne Diesellachen treiben, die geschwärzte Mole und die rostigen Kähne, das Gehämmer und Gerufe, das Gezeter der Möwen sowie die einzelnen trüben Gestalten, die ihren Blick in die Ferne richten, ebenso sehnsüchtig wie verloren – all diese zweifelhafte Romantik spricht mich mehr an als die gnadenlos effiziente Umschlagsmaschinerie moderner Containerhäfen, in denen kaum ein Mensch zu sehen ist und wo Sehnsucht und Fernweh in Kisten gesperrt sind.<br />
In Fort Cochin bin ich deshalb gerade richtig. Es ist heiss und feucht. Der Containerhafen ist weit weg. Und trotzdem werden hier Waren umgeschlagen, allerdings mehrheitlich von Hand und in grossen Säcken, so dass oft erkennbar ist, worum es sich handelt, etwa wenn bei einem grob genähten Sack einzelne getrocknete Chilischoten hervorlugen. Insbesondere die Bazaar Road hat es mir angetan, wo die Händler in ihren offenen Shops an kleinen Tischen sitzen und irgend etwas berechnen oder um einen Preis feilschen. Im Rest des Raumes sind Säcke gestapelt. Auf der viel zu engen Strasse stehen einzelne Lastwagen, die mit ebendiesen Säcken beladen werden. Für andere Autos oder gar Lastwagen ist während dieser Zeit kein Durchkommen. Nicht selten wird noch im Anfahren ein einzelner Sack hochgehievt. Hier bin ich also unterwegs, beobachte, staune, schlängle mich neben Lastwagenrad und Autorischka durch das inspirierende Chaos.</p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-114117.jpg"><img src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-114117.jpg?w=780" alt="20130321-114117.jpg" class="alignnone size-full" /></a><br />
<em>Ein Frachter auf dem Weg zum nahe gelegen Hochseehafen</em></p>
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<em>Getümmel in der engen Bazaar Road</em></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-113235.jpg"><img src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-113235.jpg?w=780" alt="20130321-113235.jpg" class="alignnone size-full" /></a><br />
<em>Ein altes Handelshaus</em></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-113455.jpg"><img src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-113455.jpg?w=780" alt="20130321-113455.jpg" class="alignnone size-full" /></a><br />
<em>Zwischendurch kann sich das Auge ausruhen &#8230;</em></p>
<p><a href="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-113830.jpg"><img src="http://walbei.files.wordpress.com/2013/03/20130321-113830.jpg?w=780" alt="20130321-113830.jpg" class="alignnone size-full" /></a><br />
<em>&#8230; bevor es wieder vom Chaos angezogen wird.</em></p>
<p>Ach ja: Und dann gibt es noch die «chinesischen Fischernetze», für die Fort Cochin weitherum bekannt ist.</p>
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