Anmerkungen zu einer Politik jenseits des Staates

Seine Thesen zu einer modernen emanzipatorischen Politik schöpft Amador Fernández-Savater – Journalist, Schriftsteller und Aktivist der spanischen Protestbewegung – ganz aus seinen Erfahrungen auf den besetzten Plätzen. Dies gibt den Thesen einen überaus praktischen Wert, auch wenn sie zuweilen ganz schön theoretisch daherkommen. Übersetzung: Walter B.

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Angesichts der bevorstehenden Wahlen wächst überall die Begehrlichkeit nach Macht. Und es geht dabei ganz vergessen, dass eine emanzipatorische Politik in erster Linie darauf abzielt, unser tägliches Leben zu verändern. Eine Kritik des allgegenwärtigen Staatszentrismus.

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Der Neoliberalismus

01 – Es gibt ein weltbeherrschendes – wenn Sie so wollen, hegemoniales – Konzept, und das nennt sich Neoliberalismus.

02 – Der Neoliberalismus, die unternehmerische Lebensführung, stellt eine globale Logik dar. Wir begegnen dieser überall, wo wir Wirklichkeit erfahren: in der Schule, bei der Arbeit, in der Strasse, in den Beziehungen usw.

03 – Wenn der Neoliberalismus Tag für Tag fortbesteht, so nicht nur wegen der Angst und dem Zwang, sondern auch weil er 1.) einleuchtend ist und 2.) gelegen kommt. Einleuchten tut er in tausend Lebensumständen, wo man sich selbst wie ein Unternehmen versteht und den anderen wie einen Konkurrenten. Der Neoliberalismus kommt uns mittels tausend Chiffren gelegen, die seine Versprechen nach Erfolg, Selbstverwirklichung und Freiheit transportieren.

04 – Der Neoliberalismus geht durch unsere Körper. Nicht unsere Meinung dazu lässt ihn fortbestehen, sondern was er uns empfinden lässt. Wir könnten alle gegen ihn sein, und die Maschinerie würde unbeeindruckt weiter laufen. Weil wir in abstrakter Weise und im Generellen gegen ihn sind. Doch in konkreten, alltäglichen Situationen erscheint er uns einsichtig und wünschbar. Er gibt absolut Sinn.

05 – Dem globalen Neoliberalismus können wir nur lokal und in konkreten Situationen die Stirn bieten: indem wir ihm in jedem Erfahrungsfeld andere praktische Begriffe entgegenhalten von dem, was einleuchtend und wünschbar ist.

06 – Der soziale Wandel geschieht durch eine Vervielfachung und Verallgemeinerung dieses Vorgehens. So zerbrechlich, widersprüchlich und lückenhaft dieses Vorgehen auch sei, lässt es doch eine andere Gesellschaft, eine andere Definition der Wirklichkeit vorausahnen: eine neue Hegemonie. [Read more...]

Von Einhörnern und der spanischen Protestbewegung 15-M

15-M ist keine gewöhnliche Protestbewegung – gerade so wie das Einhorn kein gewöhnliches Pferd ist. Vielmehr findet in Spanien ein beispielloser Prozess der sozialen Politisierung statt. So beschreibt es Amador Fernández-Savater, 15-M-Aktivist der ersten Stunde. – Eine Einschätzung aus dem Inneren der Protestbewegung anlässlich ihres zweiten Jahrestags. Übersetzung: Walter B.

mark tholander (9)

«Ein chinesischer Prosaist hat vermerkt, dass ein Einhorn, gerade weil es so sonderlich ist, unbeachtet bleiben muss. Die Augen sehen nur, was sie zu sehen gewohnt sind.» (Gorge Luis Borges)

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Mai ist Prüfungszeit. Auch die Protestbewegung 15-M ist davor nicht gefeit. Der zweite Jahrestag ist für die Medien eine günstige Gelegenheit, ihr Urteil zu fällen. Ist die Bewegung noch am Leben? Was bleibt? Wächst sie oder wird sie kleiner? Und was hat sie erreicht? Es sind Augen auf sie gerichtet, die nur sehen, was sie zu sehen gewohnt sind: das Ereignis und nicht den Prozess, die Identität und nicht die Verwandlung, das Spektakuläre und nicht das Alltägliche, den Makrokosmos und nicht den Mikrokosmos, das Quantitative und nicht das Qualitative, die Ergebnisse und nicht die Wirkungen – ein klinischer Blick von aussen, der Blick Gottes auf seine Kinder. Ein Problem ist nur, dass wir diesen Blick verinnerlichen und uns seinen Normen angleichen. Deshalb protestierte letzthin eine Freundin lauthals: «Zum Teufel mit diesem Jahrestag! Wir kämpfen jeden Tag. Wir könnten diesen ebensogut am 3. Februar oder am 11. Juni begehen. Wenn die Medien uns für tot halten – umso besser! So können wir ruhiger arbeiten.»

Das Einhorn ist nicht genau ein Pferd. Ebenso sind die Bewegung 15-M[1], die Mareas[2] oder die Bewegung PAH[3] nicht soziale Bewegungen im herkömmlichen Sinn, sondern Namen und Masken, die sich ein wahrhaft aussergewöhnlicher Prozess der sozialen Politisierung selbst aufsetzt. Es ist ein und derselbe Prozess, und doch ist er immer wieder anders, in ständiger Verwandlung begriffen. Die Herausforderung besteht nicht so sehr darin, den unzähligen Lügen oder Stereotypen zu begegnen, die täglich in den Medien herumgereicht werden, sondern zu lernen, uns selbst anders zu sehen, anders zu erzählen. Die Herausforderung besteht darin, das Aussergewöhnliche, was wir vollbringen und leben, wertschätzen, benennen und vermitteln zu können.

Die Erschaffung von neuem Sinn

Heute äussert sich das soziale Unbehagen in einem erhöhten politischen Bewusstsein und der persönlichen Teilnahme an Initiativen, Protesten und deren Organisation. Und das Unbehagen wird vermehrt zum Ausdruck gebracht und geteilt – nicht nur unter Freunden und in Bars, sondern mit Unbekannten und auf der Strasse. Das soziale Unbehagen wird zur Aktion. Dies ist nicht etwa ein mechanischer Vorgang, der automatisch und mit einer gewissen Notwendigkeit abläuft. Das alles müsste nicht so sein. Und tatsächlich ist es ja auch nicht das, was in anderen europäischen Ländern, die von der Krise, vom Betrug betroffen sind, geschieht. Nein, normal wäre die allgemeine Verbreitung von Angst, von Resignation, von Schuldgefühlen sowie das Fortschreiten der Individualisierung. Eine solche Wirkung hin zur Passivität erzielt zum Beispiel die weit gestreute offizielle Lesart der Krise: «Wir haben über unseren Verhältnissen gelebt.» Wir sind also Sünder. Wir haben deshalb kein Recht zu protestieren. Und die gerechte Strafe ist unser Sühneopfer. Die Kürzungen von Merkel und Rajoy – Figuren des strafenden Gottes – sind deshalb willkommen. Doch diese Erzählung konnte sich hier nicht wirklich durchsetzen. Das Private wird gemeinschaftlich. Es wird geteilt. Die Depression wird  politisch. Der Sinn unserer Existenz – Eigentum, Erfolg, Konsum – geht unter. Doch wir sind imstande, zusammen mit anderen neuen Sinn zu schaffen. Von dem Ort aus, wo wir stehen, bewegen wir uns und kümmern uns um unsere gemeinsame Lage. Wir verantworten, was wir nicht verschuldet haben. (Tatsächlich und bestimmt gerade deshalb ist es alles andere als gewiss, ob die Suizidrate in der Krise wirklich nach oben zeigt.[4]) [Read more...]

Hat Gewaltlosigkeit bei den aktuellen Protesten eine Chance? – Ein Interview

Der spanische Friedensaktivist und -forscher Juan Gutierrez spricht über Feindbilder und deren Überwindung sowie über die Chancen der Gewaltlosigkeit bei den aktuellen Protesten in Spanien. Mit ihm gesprochen hat der Journalist Amador Fernández-Savater.

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Kamerad Feind, stirb nicht! Und töte mich nicht!

Renn nicht fort und gib nicht auf!

Wir müssen noch über so vieles zusammen reden.

Juan Antonio Bermúdez

Leitspruch des «Valencianischen Frühlings», Februar 2012

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Was ist das genau, ein Feindbild?
Am besten antworte ich damit, was das Feindbild bewirkt. Das Feindbild fügt etwas hinzu und nimmt etwas weg. Es setzt dem anderen Hörner auf und verleiht ihm Bocksklauen. Das heisst, es fügt ihm Dinge hinzu: zunächst das Vermögen zu schaden. Der andere hat ein fast unbegrenztes Potenzial, Unheil anzurichten. Dazu kommt zweitens der Vorsatz, dies auch zu tun: Er hat alle erdenkliche Absicht, Schaden zuzufügen. Vielleicht fehlt ihm dazu ein wirkliches Interesse. Es genügt allerding, dass er den Wunsch hat, Unheil anzurichten. Man sagte zum Beispiel, Sadam Hussein sei vom Wunsch beseelt gewesen, Israel zu bombardieren. Doch Hussein sorgte sich um sein eigenes Leben und wusste, dass man ihn umgehend töten würde, sollte er Israel bombardieren. Ein Stratege fragt sich immer: «Was fällt bei meiner Handlung auf mich zurück?» Das Feindbild hingegen präsentiert den anderen als reinen Willen, Schaden zuzufügen. Das scheint das einzige zu sein, woran er Gefallen findet und das ihn bewegt.

Und was nimmt es ihm weg?
Das Feinbild nimmt dem anderen das Menschliche. Es entmenschlicht ihn, entzieht ihm den ganzen menschlichen Gehalt. Der andere hat, durch das Feindbild betrachtet, niemanden gern, und niemand hat ihn gern. So sieht zum Beispiel der Pilot, der Bomben abwirft, keine menschlichen Wesen, weil er jene, die unten rennen, durch das zwischengeschaltete Feindbild betrachtet. Er bemerkt nicht, wenn er eine Mutter tötet, dass ein Waise zurückbleibt, dessen ganzes Leben dadurch geprägt sein wird. Er nimmt nur schädliche Wesen wahr, nicht das Leiden, das er durch sein Handeln verursacht. Da der andere reiner Wille zu schaden ist, muss der, welcher ihn liquidiert, ein Patriot sein, einer, der geradezu die Menschheit verteidigt. Dies ist der Motor des «glühenden Glaubens», von dem der ungarische Ministerpräsident Andras Hegedüs sprach, der zunächst einer der Unterzeichner des Wahrschauer Pakts war und dann Dissident und Soziologe wurde.

Aber es gibt sie ja, die Feinde. Es gibt ja tatsächlich solche, die uns Schaden zufügen.
Wir können unterscheiden zwischen dem Feind und dem Feindlichen an sich. Eine anschauliche Form, dies zu verdeutlichen, ist folgende. Gegenüber der Hand, die andere tötet oder verstümmelt, kann man zwei Haltungen einnehmen: sich dem entgegenstellen, was die Hand tut, aber im Gehirn oder Herz des Gegenübers das Menschliche suchen – oder den anderen einzig dadurch beurteilen, was die Hand tut. Da die Hand eine Schweinerei ausführt, ist er ein Schwein. Da die Hand einen Terrorakt begeht, ist er ein Terrorist. Und es bleibt uns nichts anderes übrig, als ihn so schnell wie möglich wegzuräumen. Das Feindbild ist dieser Akt der Entmenschlichung und der Reduktion. Aber wir können hinter dem Akt der Unmenschlichkeit auch das Menschliche suchen. Immer wieder finden wir Leute, die höchst unmenschlich gehandelt haben, aber woanders durchaus eine menschliche Dimension haben. [Read more...]

E-Mail an einen Freund über den Generalstreik in Spanien

Der Journalist und Aktivist der spanischen Protestbewegung Amador Fernández-Savater äussert sich in seiner E-Mail an einen Freund besorgt über die Perspektiven der Protestbewegung. Er sieht den Impuls der Bewegung, der ganz neue Ideen und Formen des Dialogs in die Welt setzte, zunehmend von Polarisierungen nach althergebrachten Mustern überdeckt, so dass dem neuartigen Impuls eine Art Erstickungstod droht.

Hola I.

Ich weiss nicht, ob es dir irgendwie dienlich sein kann oder sonst einen Wert hat, was ich über den Streik zu erzählen habe. Das Ganze liess mich absolut kalt. Und diese Gleichgültigkeit verliess mich keinen Augenblick lang.

Nun, ich werde nicht den typischen Fehler des Theoretikers machen, nämlich zu glauben, dass die eigenen Empfindungen das Thermometer der Welt sind. Trotzdem kann ich nicht ohne weiteres über sie hinweggehen. Woher kann ich mir diese Gleichgültigkeit erklären?

Ein paar Freunde und ich waren an diesem Tag ziemlich ziellos unterwegs. Und wir trafen auf keine interessanten Orte. Später erzählte man uns, dass es starke Momente an der Demo gegeben habe, die im Quartier Legazpi [in Madrid] begann, aber auch andernorts. Im allgemeinen waren die TeilnehmerInnen sehr zufrieden, aber mir gelang es nicht, warm zu werden.

Nun ja, man kann seine Aufmerksamkeit auch auf etwas hinlenken, das man nicht wirklich versteht und das einem Probleme macht. Doch gestern hatte ich den Eindruck, dass das ganze sprachliche Repertoire und die Gestik der Demonstrationen die Wiederholung von etwas bereits Dagewesenem war, auch wenn der Streik natürlich wuchtig daherkam und sehr viel Energie freisetzte, mehr als beim Streik im Jahr 2010. Mich lassen Plastikfähnchen nun mal kalt – nach 15-M[1] sowieso –, ich kann idenditäre Blöcke nicht ausstehen, die Rhetorik der Arbeiterklasse klingt in meinen Ohren hohl, und die Unterteilung der Welt in Streikende und Streikbrecher mag ich nicht … Wie du siehst, habe ich Probleme mit dem Dispositiv «Generalstreik». ;-)

Streikende und Streikbrecher. Natürlich gibt es Augenblicke, wo sich die Welt zweiteilt und man wählen muss, wo man steht. Natürlich kann man der Polarisierung nicht ausweichen, wenn der Augenblick dafür gekommen ist. Aber wenn ich an mein Leben denke, so sehe ich dieses eher als eine tägliche Mischung von Streikposten und Streikbrecher, als etwas weniger Heldenhaftes, als etwas Mehrdeutiges und Widersprüchliches – mit Impulsen, die die Wirklichkeit nacherzählen, und solchen, die sie in Frage stellen. Und dann frage ich mich, ob unsere öffentlichen Polarisierungen nicht vielleicht begleitet sein müssten von einer Bewegung der Öffnung gegenüber dem anderen, die so etwas wäre wie eine intime Einladung zum Dialog mit diesem anderen Teil in uns selbst.

Ich glaube, dass wir in einer gemeinsamen Welt leben. Und weder die Pilger des Weltjugendtages[2] noch die Wähler des Partido Popular[3] werden in der Folge weiss nicht war für eines Endkampfes verschwinden. Wie also zusammenleben? Was ich dir damit sagen möchte: Es gelingt mir einfach nicht, jemanden zu beschimpfen oder dazu zu zwingen, seinen Schmuckladen zu schliessen. Und gerade deshalb achte ich so den Geist von 15-M, der den Mächtigen die Stirn bietet, der polarisiert und zu dem, was wir in unserem Leben nicht haben wollen, deutlich Nein sagt – ganz ohne einen Graben auszuheben, sondern indem er einen Raum des Dialogs öffnet und die 99% dazu einlädt. Doch nun kommen offenbar andere Zeiten …

Ein Freund kam gestern auf mich zu und sagte: «Was 15-M ausmachte, hat die Initiative verloren. Von nun an wird die alte Politik die Szene beherrschen und wir [gemeint ist die Protestbewegung 15-M] fallen zwischen Stuhl und Bank.» Ein anderer Freund knurrte uns an: «Ihr spaziert hier durch, ohne euch überhaupt irgendwie zu informieren, und stellt bereits definitive Diagnosen über die Radikalisierung der Situation und so weiter, und so fort.» Und er hat ja Recht. Doch wenn dies das einzige Spiel ist, das man zu spielen weiss … Also Vorsicht! Warten wir ab! Hören wir zu! Schauen wir hin! Dir erzähle ich alles, was mir durch den Kopf ging, da ich sicher bin, dass du es zu lesen weisst als Eindrücke eines Augenblicks, als reine Fragmente, um die Gedanken weiterzuspinnen.

Aber du weisst schon, was ich glaube: Die «Radikalisierungen» fallen in der Regel so wenig radikal wie möglich aus. Alles wird sehr augenfällig, die Stellungen werden klar bezogen, die Welt ordnet sich allzu sehr. Ich denke lieber an eine Radikalität, die das Leben, das wir führen, grundsätzlich hinterfrägt, indem es (uns) durcheinanderbringt und (uns) zur Diskussion stellt, nicht nur konfrontiert. Ich ziehe eine Radikalität vor, in der die Fragen gemeinsam und kollektiv erarbeitet werden, und zwar im Rahmen von praktischen Versuchen, um diese dann weltweit auszuweiten. Was wir stoppen müssen, ist die Art und Weise, der Sinn unseres Lebens – und nicht so sehr die Schmuckläden. Und ehrlich gesagt weiss ich nicht, welche Fragen genau dieser Streik stellte über Arbeit, das Geld, den Reichtum usw.

Ist es gleichgültig, dass das, was 15-M ausmachte, im Nebel verschwindet und wir uns an bewährtere und überzeugendere Ansätze halten? Überzeugender in ihrer Rhetorik sind sie schon, klar, doch im Praktischen sind sie reine Ohnmacht. Ganz wie wenn uns diese «bewährteren» Ansätze an irgendeinen Ort führen und Ergebnisse zeitigen würden! Vielleicht … Es ist ganz schön schwierig, der Zerreissprobe zu widerstehen zwischen dem beschleunigten Fortgang der Zerstörung durch den Kapitalismus und unserem «gehen wir langsam, denn wir gehen weit». Doch ich bin mir sicher: Wenn 15-M letztes Jahr mit solcher Wucht einschlug, so war das nicht dank der sozialen Bewegungen, die bereits bestanden, sondern vielmehr wegen ihrer Schwäche. Andere Ansätze brachen sich Bahn, weil die bestehenden ihre Grenzen zeigten und den offenen Raum nicht ausfüllten. Sollten wir nicht erneut etwas Leerraum schaffen, um den Weg zu öffnen? Ich weiss nicht. Zurzeit scheint mir das schwierig zu sein …

Schicke diese Mail nicht weiter – oder nur an Freunde, denen du vertraust. Ich lege die Hand für nichts ins Feuer, das ich dir sage. ;-) Ich will noch vermehrt mit Freunden darüber sprechen, um zu sehen, wie sie es erleben – auch in Barna [Barcelona]. Ich werde dir davon erzählen. Es geht weiter.

Un abrazo,

Amador

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Anmerkungen:

[1] Gemeint ist die spanische Protestbewegung, die am 15. Mai 2011 begann und später auf andere Länder inklusive die Vereinigten Staaten übergriff und dort den Namen Occupy Wall Street erhielt.

[2] veranstaltet durch die Römisch-katholische Kirche

[3] die rechtsbürgerliche Volkspartei, die bei den Parlamentswahlen 2011 die absolute Mehrheit errang

Das Original in spanischer Sprache ist auf dem Blog von Amador Fernández-Savater erschienen. Übersetzung: Walter B.

Zwischen Puerta del Sol und dem Tahrir-Platz

Der spanische Journalist Amador Fernández-Savater verbrachte, begleitet von seinem Freund David PM, im Dezember auf Einladung des Goethe-Instituts eine Woche in Kairo, um anlässlich einer Tagung über «Politik und Kultur in Zeiten des Wandels» seine Sicht auf die spanische Protestbewegung darzustellen. Die Erfahrungen in Kairo und seine Überlegungen zum Dialog zwischen der ägyptischen und der spanischen Protestbewegung sind Gegenstand der folgenden Aufzeichnungen.

Sie durchsuchen uns und verlangen Ausweispapiere, bevor wir den Tahrir-Platz betreten können, der seit den ersten Tagen der Wahlen erneut besetzt ist. Ein junger, in eine Schutzweste gezwängter Revolutionär erklärt uns die Massnahme. Es gehe darum, wenn immer möglich zu verhindern, dass Schläger auf den Platz gelangten, die dafür bezahlt würden, Chaos zu verbreiten, die Proteste zu diskreditieren und so Mubarak (früher) und das Militär (heute) zu rechtfertigen. «Wo kommt ihr her?» fragt er uns. Wir antworten wie immer: «Midan [Platz] Sol». Die Puerta del Sol wird schon wie eine andere Stadt, ein anderes Land gehandelt: der beste Ausweis, den wir auf dem Tahrir-Platz vorweisen können. Er schlägt sich mit der Faust auf die Brust und streckt uns lächelnd die Hand entgegen: «Erzählt die Wahrheit über die Vorgänge in Ägypten, wenn ihr zurückkehrt!» [Read more...]

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