Winterlicht

Dieses Jahr berührt mich das Winterlicht in besonderer Weise. Es haucht mit seiner Melancholie, mit seiner zarten Traurigkeit der Landschaft ein Geheimnis ein, das ihre Robustheit erschüttert und nur noch zarte Farben zulässt. Ist es das Geheimnis des Todes, das in die Landschaft gewoben ist und das ich nuancierter als in anderen Jahren wahrnehme – in Form eben der unterschiedlichsten Lichtstimmungen und Pastelltöne? Trägt die Natur Trauerflor?

Foto (cc-Lizenz): Luis Argerich

Du, Wanderer

Du, Wanderer auf unsicheren Pfaden,
auch wenn du nicht weisst, wohin dich deine Schritte führen,
schreite kräftig voran, scheue die schwankende Brücke nicht.
Nur im Stillstand lauert der Tod.

Du, immer wiederkehrender Wanderer,
dein sonnengegerbtes Antlitz bringt mir Kunde vom verheissenen Land.
Der Staub auf deinen Schuhen ist das Gold meiner Träume.
Lass mich mit dir ziehen.

Foto (cc-Lizenz): Germanium

Dieser Text wurde ein erstes Mal im Forum Literarchie veröffentlicht.
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Reiten

Reiten, immer nur reiten,
durch Felder, Wälder, Weiten,
ohne Ziel, ohne Sinn,
bis ich tot bin.

Foto (cc-Lizenz): Meta Mago

Augenblicke des Glücks

Es gibt Augenblicke des Glücks; da ist einfach alles gut. Nicht weil ich alles habe, sondern weil ich nichts mehr brauche. Ich staune dann ob der Schönheit der Natur und bin voller Dankbarkeit – auch für den weiten und reichen Raum meiner Innenwelt. In diesen Augenblicken hört die Zeit auf, es gibt kein Gestern und kein Morgen mehr, auch keine Angst – nicht einmal die vor dem Tod.

Zeitlose Instanz

Manchmal schrecke ich auf wie aus einem Traum: Wie konnte ich vergessen, dass ich älter geworden bin? Denn das Auge lässt sich immer weniger täuschen, dass hinter dem Gesicht, unter dem Haar sich ein Totenschädel verbirgt. Immer weniger ist mein Leib zum Leben geeignet. Sogar meine Gedanken scheinen zuweilen aus einer anderen Epoche zu sein. Trotzdem: Da ist eine zeitlose Instanz in mir, die nicht nach Aktualität fragt und nach dem Geruch der Jugend, die weder Verfall kennt noch Vergänglichkeit. Dieser Teil meines Selbst ist Kind, Jugendlicher und Greis zugleich − und lässt mich vergessen, dass um die Ecke ein Grab auf mich wartet.

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