Stadtwanderer: Ein Unort mitten in Basel

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Es gibt auch hässliche Orte in Basel, Schmuddelecken, Winkel, die sich vor unserer Aufmerksamkeit ducken. In gleicher Weise entziehen sie sich dem Zugriff der Stadtreinigung – und des Standortmarketings. Es sind vergessene Flecken, die in kein Konzept eingebunden sind – Freiräume also. Ich hüte mich deshalb davor, sie hier im Einzelnen zu nennen und ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Denn das könnte ihr Ende bedeuten. Man stelle sich vor, sie gerieten ins Visier von Putz- und Verkaufsstrategen. Basel würde auch noch von den letzten Freiräumen befreit.

Eine Ausnahme muss ich allerdings machen. Es geht um das äusserste Kleinbasler Joch der Mittleren Rheinbrücke, dort wo täglich Hunderte Fussgängerinnen und Velofahrer hindurchgehen oder -fahren. An Sommertagen müssen es Tausende sein. Ganz klar: das kann kein vergessener Unort fernab jeder Aufmerksamkeit sein. Und doch strotzt er nur so vor Hässlichkeit. Schon die Beleuchtung: Aus der Bordsteinkante quält sich diffuses Licht durch den angesammelten Schmutz, beleuchtet ihn von unten und setzt ihn so richtig gruselig in Szene. Dann die Deckenbeleuchtung: Das blaugrüne Neonlicht glimmt aus flächendeckenden Leuchten. Doch es ist ein Wunder, wenn überhaupt Licht den Boden erreicht. Denn es wird von dicken Polstern aus Spinnweben und Insektenmumien weitgehend absorbiert. Einst mag dahinter ein künstlerisches Konzept gestanden sein, welches zudem das Sicherheitsempfinden der Passantinnen stärken sollte. Davon ist heute nicht mehr viel übrig, weder künstlerisch noch sicherheitstechnisch.

Hinzu kommen einschlägige Gerüche – trotz Durchzugs. Ein wahrer Unort mitten in der Stadt. Und das ist nun wirklich eine Besonderheit. Denn meine Erfahrungen als Stadtwanderer zeigen, dass die vergessenen Winkel eher an der Peripherie anzutreffen sind als mitten in der Stadt. Ich hege deshalb den Verdacht, dass wir es hier mit einer inszenierten Hässlichkeit zu tun haben, mit einer Marketingstrategie der anderen Art – um auch Gruselfans, um auch das schmuddel-affine Segment unter den touristischen Gästen nach Basel zu locken.


Der «Stadtwanderer» erscheint monatlich als Kolumne in der «ProgrammZeitung».

Bild: DSC05836 von Michael Springmann, CC-Lizenz via flickr

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Protestbewegungen 15-M und Nuit Debout

Fünf Jahre nach Beginn der Proteste der «Empörten» in Spanien, der Bewegung 15-M, ist in Frankreich eine ähnlich breite Bewegung entstanden. Pablo Castaño Tierno, Jungpolitiker bei der linken spanischen Partei Podemos, sieht zwischen beiden Bewegungen einige Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede. Übersetzung aus dem Spanischen: Walter B.

Nuit_deboutSeit der ersten Nuit Debout[i] vom vergangenen 31. März wird die daraus entstandene Bewegung gerne als die «französische 15-M» bezeichnet. Oder man spricht von den «französischen Empörten». Dieses Etikett legt nahe, die französische Bewegung sei eine reine Kopie der spanischen Protestbewegung. Bestimmt haben beide Bewegungen Ähnlichkeiten – aber auch bedeutende Unterschiede.

Die Entstehung

Beide Bewegungen haben mit der Besetzung eines zentralen Platzes in der Hauptstadt nach einer Kundgebung begonnen: der Puerta del Sol in Madrid und des Place de la République in Paris. In Madrid hatte das Kollektiv Democracia Real Ya [Echte Demokratie jetzt] am 15. Mai 2011 zum Protestmarsch aufgerufen. In Paris begann die Besetzung des Place de la République nach dem Generalstreik vom 31. März und einer Massenkundgebung gegen die Arbeitsrechtsreform der sozialistischen Regierung von François Hollande, zu der Gewerkschaften und weitere soziale Organisationen aufgerufen hatten. Sowohl 15-M wie Nuit Debout breiteten sich schnell auf andere Städte aus. In Frankreich werden inzwischen auf mehr als fünfzig Plätzen Versammlungen abgehalten. Und in beiden Fällen entstanden Schwesterbewegungen in anderen Ländern. Ein weiteres gemeinsames Element beim Aufstieg der beiden Bewegungen ist die Tatsache, dass die ersten Schritte durch eine kleine Personengruppe angestossen wurden, danach aber unverhofft grosse Resonanz hervorriefen. Im Fall der spanischen Protestbewegung war es die Gruppe Democracia Real Ya , die am 15. Mai zur Kundgebung aufgerufen hatte. In Frankreich begann alles am vergangenen 23. Februar, als die Redaktion der Zeitschrift «Fakir» zu einer Tagung einlud, um Antworten auf die Frage zu finden: «Wie kann man ihnen Angst einjagen?» Das Ziel war herauszufinden, wie die zerstreuten sozialen Kämpfe zusammengeführt werden konnten, die in den letzten Monaten in Frankreich aufgebrochen waren, unter anderem gegen den Bau eines Flughafens in einem Naturschutzgebiet bei Notre-Dame des Landes oder gegen die Repression, unter der Gewerkschafter litten, sowie gegen die Notstandsgesetze. Nach der Tagung, an der Hunderte von Aktivisten unterschiedlichster Organisationen teilnahmen, traf sich eine kleine Gruppe in einer Bar nahe des Place de la République. Hier wurde der Keim gelegt für das Kollektiv «Gemeinsamer Kampf», das zur Nuit Debout am 31. März aufrief.

Der politische Kontext

Beide Bewegungen sind in Ländern mit sozialdemokratischen Regierungen entstanden, die ihre politischen Programme von Grund auf verraten haben, indem sie sich den Forderungen nach Austerität seitens der Europäischen Union gebeugt haben. In Spanien hatte die Regierung von José Luis Rodríguez Zapatero die von Angela Merkel und ihren Verbündeten in den europäischen Institutionen durchgedrückte Agenda des Sparens und der Deregulierung im Mai 2010 ohne Abstriche übernommen. In Frankreich gewann Präsident Hollande die Wahlen von 2012, indem er erklärte, die Finanzwelt sei sein «Feind». Und nun setzt seine Regierung eine Politik der Privatisierung, Deregulierung und des sozialen Kahlschlags durch, wie sie Nicolas Sarkozy niemals zur Diskussion zu stellen gewagt hätte, als er an der Macht war. Gleichzeitig wird Frankreich zunehmend ein autoritärer Staat, installiert von Premierminister Manuel Valls, der die Terrorangriffe der letzten Monate in Frankreich genutzt hat, um die Macht der Polizei zu stärken und die sozialen Bewegungen im Zuge der Ausrufung des Notstandsrechtes zu unterdrücken.

Die Motive der Proteste

Die spanische Demonstration vom 15. Mai 2011 standen unter der Losung «Wir sind keine Ware in den Händen von Politikern und Bankiers» und stellte drei grundsätzliche Forderungen auf: das Ende der Austeritätspolitik, der Ausbau der Demokratie und der Kampf gegen Korruption. Zudem gingen der Protestbewegung 15-M andere Proteste voraus, etwa der Generalstreik vom September 2010 oder die Demonstration der «Jugend ohne Zukunft» im April 2011. Im Gegensatz dazu ist die Bewegung Nuit Debout aus einer Reihe von Mobilisierungen gegen eine konkrete Politik hervorgegangen: die von Manuel Valls angestossene Reform des Arbeitsrechts, die ihrerseits von jener Reform inspiriert war, die in Spanien der Partido Popular im Jahr 2012 genehmigt hatte. Allerdings äusserte die Versammlungen von Nuit Debout von Beginn an, die Bewegung lehne nicht nur die Arbeitsrechtsreform ab, sondern wehre sich in einem umfassenderen Sinn gegen die Austeritätspolitik und das politische System Frankreichs. Dies ist eine weitere bedeutsame Gemeinsamkeit mit der Bewegung 15-M.

Die soziale Zusammensetzung der Bewegung

Sowohl 15-M wie Nuit Debout waren in ihren Anfängen grundsätzlich urban und mittelständisch. Die einfachen Leute waren auf der Puerta del Sol in der Minderheit und sind es noch immer auf dem Place de la République. Allerdings wuchs die soziale Vielfalt innerhalb der Bewegung 15-M, als sie sich ausbreitete, und ArbeiterInnen ebenso wie MigrantInnenen wurden schliesslich zu wichtigen ProtagonistenInnen der sozialen Bewegungen in Spanien, vor allem wegen der Plataforma de Afectados por la Hipoteca[ii]. In Frankreich haben sich die Initiatoren der Bewegung Nuit Debout das Ziel gesetzt, die Besetzungen der Plätze auf die Vorstädte von Paris und anderer Städten auszuweiten. Deshalb sprachen an der Massenversammlung auf dem Place de la République vom 9. April nicht nur Soziologen und Gewerkschafter, sondern ebenso Almamy Kanouté, ein farbiger Aktivist aus einem Vorort von Paris, und Amal Bentounsi, die Schwester eines Jugendlichen, der von einem Polizisten erschossen wurde, der später freigesprochen wurde. Der Jugendliche wurde zum Symbol des Kampfes gegen rassistische Polizeigewalt in Frankreich. Ausserdem sprach an der Kundgebung auch ein Vertreter einer Flüchtlingsorganisation und brachte so zum Ausdruck, dass Nuit Debout in einer Gesellschaft, in welcher sich die Fremdenfeindlichkeit eines Front Nacional immer mehr ausbreitet, auch für die Verteidigung des Rechts auf Asyl einsteht.

Beziehung zu den Gewerkschaften

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Spanien und Frankreich besteht darin, dass die französischen Gewerkschaften immer noch mächtige Organisationen sind, die in Mobilisierungszyklen, die in der Regel mehrere Monate dauern, Millionen von Menschen auf die Strasse bringen können. Die Herausforderung für die Bewegung Nuit Debout besteht nun darin, gegenüber den Gewerkschaften ein vielschichtiges Gleichgewicht zwischen Autonomie und Zusammenarbeit zu wahren. Das zeigte sich etwa, als an der Kundgebung vom 9. April zahlreiche aktive Gewerkschafter anwesend waren. Auf der Puerta del Sol wäre ein solches Zusammengehen angesichts des fortgeschrittenen Bedeutungsverlustes der Gewerkschaften in der spanischen Gesellschaft unvostellbar gewesen. Daran ändert auch deren kurzzeitige Wiederbelebung während des Generalstreiks gegen die Regierung von Mariano Rajoy nichts – zumindest bis auf weiteres. Die Bewegung Nuit Debout kann nicht in Anspruch nehmen, bei der Mobilisierung der Leute als wichtigster Akteur an die Stelle der Gewerkschaften zu treten, und sie hat kein Interesse, sich den Gewerkschaften entgegenzustellen. Aber sie kann eine Radikalisierung der Proteste erreichen, sowohl was deren Inhalten wie deren Form anbelangt, so dass die Proteste weniger ritualisiert ablaufen und sich nicht mehr ausschliesslich auf den Fall der Arbeitsgesetzreformen konzentrieren, sondern frischer und spontaner daherkommen, wie zum Beispiel bei der Kundgebung vor dem Wohnsitz von Premierminister Manuel Valls, die letztes Wochenende stattfand. Die Bewegung Nuit Debout könnte ihr Mobilisierungspotenzial auch nutzen, um die Sichtbarkeit jener zu erhöhen, die sich jenseits der Proteste gegen die Reform des Arbeitsrechts engagieren, und so den Gewerkschaften aufzeigen, dass sie nicht Rivalen, sondern bloss unterschiedliche Bewegungen sind, die ihre Kräfte vereinen können, um die Regierung zu Fall zu bringen.

Beziehung zu den linken Parteien

IMG_3758Die Bewegung 15-M entstand kurz vor Gemeinde- und Autonomiewahlen, hatte darauf aber kaum Einfluss, da es keine Partei gab, die stimmenmässig von der Bewegung profitieren konnte. Erinnern wir uns: Die wichtigsten Führer der Izquierda Unida[iii] begegneten der Bewegung mit Skepsis, ja sogar Missachtung, obschon viele ihrer Aktivisten an den Versammlungen teilnahmen. In Frankreich haben die Parteien links der Sozialistischen Partei in den vergangenen Jahren bei den Wahlen empfindliche Niederlagen einstecken müssen, die letzte bei den Regionalwahlen vom Dezember 2015. Als der umstrittene Jean-Luc Mélénchon seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl vom kommenden Jahr ankündigte, kam es zum Streit zwischen seinen Anhängern und den verbündeten Organisationen. Es entstand aber auch die Hoffnung, dass im Jahr 2017 die Linke mit einer soliden Alternative zum unseligen Trio aufwarten könnte, das aus dem Partie Socialiste, den Erben der Rechten von Sarkozy und dem Front Nacional besteht. Mélénchon war zwar auf dem Place de la République, vermochte die Bewegung aber nicht für sich zu vereinnahmen, obschon er das beabsichtigte. Möglich ist hingegen, dass die schwindende Legitimierung der sozialistischen Regierung, durch die Volksbewegung befördert, die Wahlchancen von Mélénchon erhöht, sollte sich bestätigen, dass er an den Wahlen von 2017 der einzige wichtige Kandidat links der Sozialistischen Partei bleiben wird.


Anmerkungen:

[i] Soziale Bewegung in Frankreich, die am 31. März 2016 als Protest gegen die Reform des Arbeitsrechts auf der Place de la République ihren Anfang nahm und sich bald auf weitere Städte Frankreichs ausweitete. Nuit debout heisst auf Deutsch etwa: aufrecht in der Nacht, oft auch frei übersetzt: Die Aufrechten der Nacht, da die basisdemokratischen Versammlungen jeweil nachts auf öffentlichen Plätzen stattfinden.

[ii] abgekürzt PAH: Organisation der Hypothekengeschädigten: Ein Bürgernetzwerk zum Schutz gegen Zwangsräumungen, weil die Hypotheken nicht mehr bedient werden können. Steht eine Zwangsräumung bevor, blockiert eine grössere Anzahl von Mitgliedern des Netzwerks den Zugang für die Vollzugsbeamten.

[iii] «Vereinigte Linke», ein linkssozialistisches Parteienbündnis in Spanien

Pablo Castaño Tierno, geboren 1991, ist Jungpolitiker in der spanischen Partei Podemos, die aus der Protestbewegung 15-M hervorgegangen ist. Das Original seines Artikels ist bei eldiario.es erschienen.

Bildnachweis:

oben: Nuit debout, Public Domain

unten: «Wir sind nicht gegen das System. Das System ist gegen uns.» Foto von Juan Aguilar (CC-Lizenz via flickr)

Stadtwanderer: Im Kreuzgang beim Münster

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Wenn ich den Kreuzgang betrete, so fallen ohne mein Zutun oft Teile meines Alltags-Ichs ab wie die äusserste, brüchig gewordene Schale einer Zwiebel. Und eine Stimmung irgendwo zwischen Ehrfurcht und Staunen, zwischen Scheu und Seligkeit überkommt mich. Grad so als käme ich nach langer Zeit des Umherwanderns und Herumirrens endlich wieder nach Hause. Zugleich bin ich, das sei betont, ein durch und durch säkularer Mensch und nicht gerade fromm. Ein moderner Zeitgenosse halt. Doch woher kommt diese bewegte Stimmung?

Liegt es an den Bodenplatten im Kreuzgang, die über Jahrhunderte vom steten Fluss der vielen Füsse, die sich hier ergingen, ausgewaschen sind? Von den Füssen der Frommen zunächst, später von den Füssen touristischer Gäste. Sie haben an manchen Orten eine deutliche Rinne in den Stein getreten, so als wäre dort über Jahrhunderte Wasser geflossen.

Oder liegt es an der sakralen Architektur? Die spätgotische Netzbogenkonstruktion zieht den Blick unwillkürlich in die Höhe, himmelwärts. Was für eine Kunstfertigkeit bis ins feinste Detail! Was für eine Verspieltheit, gehauen in Stein! Die Reste meines Alltags-Ichs verwehen in diesem Formenrausch.

Ganz bestimmt aber verflüchtigt sich der Alltagsmensch angesichts der vielen Gräber und Grabplatten im Boden und an den Wänden. Mensch, du bist ein hinfälliges Wesen, rufen mir die Wände zu. Bald wirst du dein Gastrecht auf Erden verwirkt haben, so wie all die Notablen, die hier bestattet sind. Die einen Tafeln sind üppig in ihrer Bildsprache, die anderen schlicht, nur mit einer Inschrift versehen. Doch jede einzelne steht für ein Leben, das die Geschichte unserer Stadt geprägt hat.

Im kleineren Kreuzgang ganz hinten gibt es Fenster mit Blick auf den Rhein. Mein Lieblingsplatz. Dort bin ich aufgehoben in der Innigkeit des Kreuzgangs und habe zugleich einen fürstlichen Blick auf den Rhein und das profane Kleinbasel.

Und wenn ich schliesslich wieder auf die Strasse hinaustrete, so dauert es manchmal nur Sekunden, manchmal aber auch Stunden, bis das Alltags-Ich wieder Oberhand gewinnt.


Der «Stadtwanderer» erscheint monatlich als Kolumne in der «ProgrammZeitung».

Bild: Kreuzgang Basler Münster von Lautergold, CC-Lizenz via flickr

Einladung zum Stammtisch Behindertengleichstellung

1. Stammtisch

«100 Tage ohne Fachstelle für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung»

Mittwoch, 13. April 18:00 – 20:00 Uhr

in der Garage der Firma Settelen AG, Türkheimerstrasse 17, 4055 Basel

Chateau_Settelen

Kommen Sie und diskutieren Sie mit!

Diskutieren Sie mit Entscheidungsträgern aus der Verwaltung sowie mit Urs Müller-Walz, Alt-Grossrat BastA!, Patrick Hafner Grossrat SVP, Sarah Wyss Grossrätin SP / AK-Mitglied, Otto Schmid Grossrat SP / AK-Mitglied, Sibylle und Michael Birkenmeier (Theaterkabarett Birkenmeier), Dr. Noortje Vriends (ehemalige Leiterin Fachstelle Förderung und Integration der Volksschule Basel-Stadt, Inés Mateos Expertin für Bildung und Diversität / AK-Mitglied, Xaver Pfister Theologe / AK-Mitglied, Brian McGowan Rollstuhlfahrer Ehemaliger Leiter Fachstelle Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen der Stadt Bern / AK-Mitglied, Maria Müller Rollstuhlfahrerin Kommunikationsdesignerin / AK-Mitglied, Sonja Häsler Rollstuhlfahrerin (2011 Weltmeisterin Rollstuhl-Badminton), Pina Dolce blinde Künstlerin, Traude Loebert Fachfrau für Schriftgutverwaltung.

Kommen Sie und feiern Sie mit uns die Geburt des «Stammtisch Behindertengleichstellung»!

Menschen mit und ohne Behinderung, betroffene Eltern,
PolitikerInnen und Unternehmende nehmen Stellung zur Schliessung der
Fachstelle für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Moderation: Linda Muscheidt Burri,
Kommunikation+coaching
Der Anlass ist barrierefrei
Eintritt frei, Kollekte.

Wer etwas sagen möchte, meldet sich durch Handerheben. Der Stammtisch ist kein Podium,
sondern ein moderiertes Forum, eine moderierte Vollversammlung.

Der Stammtisch Behindertengleichstellung ist Austausch von Menschen
mit und ohne Behinderung und sammelt alle Anliegen, die
Gleichstellung und Nachteilsausgleich einfordern.

Der Stammtisch Behindertengleichstellung wird eine Plattform für
verschiedene Aktionen und Begegnungen zwischen Menschen mit
und ohne Behinderung.

Der Stammtisch Behindertengleichstellung verfolgt mit dem Aktionskomitee
die Ziele der abgeschafften Fachstelle und wird sich bei Verwaltung,
Politik und in der Öffentlichkeit unbequem und lautstark
dafür einsetzen.

Alle Informationen zum Aktionskomitee und zum Stammtisch auf
der Homepage www.ak-behindertengleichstellung.ch

Stadtwanderer: Die Ermitage bei Arlesheim

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Als Stadtwanderer bin ich nicht selten auf dem Land unterwegs. Das ist kein Widerspruch und hat auch mit Fahnenflucht nichts zu tun. Vielmehr geht es gar nicht anders, wenn man als Wandervogel in der kleinräumigen Nordwestschweiz gern mal richtig flott ausschreiten möchte.

Nicht selten verschlägt es mich bei solcher Gelegenheit in die Ermitage zu Arlesheim. Doch durch dieses liebliche Tal am Rande des Dorfs wandert man nicht. Man schreitet nicht aus. Vielleicht spaziert man, oder schlendert, flaniert von mir aus. Oder man durchschreitet den Landschaftsgarten in Form einer Gehmeditation. Aber durchwandern? Wäre das nicht grad so, als wenn man Kaviar mit dem Suppenlöffel essen würde? Man übersähe all die kleinen Bedeutsamkeiten, die den Zauber der Ermitage ausmachen: das schmale Bächlein, das sich kaum sichtbar durchs Gras windet und doch den mittleren, grössten Teich am Leben erhält – immerhin! Oder man überhört das Rascheln der Spitzmaus, die nach langem Schlaf im Unterholz nach dem Frühling schnuppert.

Ich verlangsame also unwillkürlich meinen Schritt, wie ich mich der Ermitage nähere. Müde und durchscheinend liegt das kleine Tal vor mir – wie eine Patientin auf dem Weg zur Genesung. Der Winter hat tiefe Spuren hinterlassen, die der Frühling noch nicht übermalen konnte. Grau noch immer die Bäume, braun das restliche Pflanzenkleid. Von Romantik keine Spur. Eher ist da ein Lauschen, ein Verharren in Erwartung, das an diesem Vorfrühlingsmorgen alle Laute dämpft.

Am liebsten ist mir der hinterste, oberste Weiher, der etwas versteckt unter alten Eichen und Weiden daliegt. Hier ist das Tal besonders eng und drum der Platz ganz schön feucht. Überall Moos. Die Wasseroberfläche ist undurchdringlich, das Wasser dunkel, wie wenn es verwunschen wär – ideal, um seine Träume und sein Sehnen hineintropfen zu lassen. Bald wird der Frühling kommen und die Träume mitnehmen und übers Jahr verteilen. Auch die Romantik kehrt dann wieder zurück, eine Romantik übrigens, die in der Ermitage jeweils hart am Kitsch vorbeischrammt.


Der «Stadtwanderer» erscheint monatlich als Kolumne in der «ProgrammZeitung».

Bild: Der hinterste Weiher in der Ermitage, Walter B

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