Schuld und Sühne des «Buchhalters von Auschwitz»

Zeitungslektüre im ICE Berlin–Basel: Oskar Gröning wird am 15. Juli 2015 in Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord an 300’000 Juden zu vier Jahren Haft verurteilt. Der heute 93-Jährige war Verwalter des Geldes und der Wertsachen, die den Deportierten im Konzentrationslager Auschwitz abgenommen wurden. Er wird als «Buchhalter von Auschwitz» in die Geschichte eingehen. Wie weit geht Verantwortung? Was genau ist Schuld? – Überlegungen anlässlich der Geschichte von Oskar Gröning.

Auf meiner kurzen Reise nach Berlin im vergangenen Monat ist mir die bewegte Vergangenheit dieser Stadt auf Schritt und Tritt begegnet – und mit ihr die Vergangenheit Deutschlands. Gleich mehrere Male besuchte ich die Ausstellung «Topographie des Terrors», in der die Strukturen und die wichtigsten Vertreter des Naziregimes charakterisiert, aber auch der Aufstieg der Nazis, die rasante Gleichschaltung der Bevölkerung und die erbarmungslose Beseitigung zunächst der Gegner, später aller Menschen, die nicht den menschenverachtenden Idealen der Nazis entsprachen, aufgezeigt werden. Wie war es möglich, dass in so kurzer Zeit so viele Menschen sich von einer so zerstörerischen, abstrusen Ideologie verblenden liessen und sich ihr unterwarfen – mehr noch: sie mittrugen? Und worin liegt die Schuld der Mitläufer?

Mit dieser Frage im Bewusstsein wurde ich auf die Geschichte von Oskar Gröning aufmerksam, der – 93-jährig – im voraussichtlich letzten Prozess in Deutschland gegen NS-Täter, in ebendiesen Tagen, als ich in Berlin war, zu vier Jahren Haft verurteilt wurde. Er kann einem Leid tun, der alte, gebrechliche Mann, der sich nur noch auf einen Rollator gestützt fortbewegen kann, und als «Buchhalter von Auschwitz» in die Geschichte eingehen wird. Er ist einer jener verblendeten Deutschen, die zum Mittäter wurden, ohne ein wirkliches Monster zu sein, in denen zeitweise sogar der verstörende Ruf des Gewissens hallte, die dieses Gewissen aber in entscheidenden Momenten verstummen liessen, sei es aus Angst, sei es weil sie sich daraus einen Vorteil erhofften.

Auf dem Weg nach oben

Die Biografie Oskar Grönings ähnelt wohl der Biografie vieler Deutscher, die kurz nach dem Ersten Weltkrieg geboren wurden: der Vater Kriegsinvalide, die Mutter stirbt, als er vier Jahre alt war, Eintritt zunächst in die Hitlerjugend, später in die NSDAP – durchaus aus Überzeugung. Als Siebzehnjähriger macht er eine Banklehre und tritt nach Kriegsbeginn 1940 aus Patriotismus der Waffen-SS bei, wo er zunächst seiner Ausbildung entsprechend in einer Besoldungsstelle der SS-Verwaltung tätig ist.

Im Jahr 1942 wird ihm eine «Sonderaufgabe» zugewiesen, von der er laut eigenen Angaben zunächst nicht weiss, worum es sich handelt, und in deren Zusammenhang er eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen muss. Er wird im Konzentrationslager Auschwitz mit der Aufgabe betraut, das Geld und die Wertgegenstände zu verwalten, die den Deportierten abgenommen werden.

Wertgegenstände der Häftlinge wurden in der Effektenkammer des KZ gelagert. Nach der Sortierung des Geldes in die verschiedenen Währungen sicherte er die Devisen in einem Tresor und verbrachte diese in gewissen Abständen in das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt nach Berlin.[1]

Natürlich muss ihm schnell klar geworden sein, was in Auschwitz geschieht. Die Vernichtungsmaschinerie rattert ja in unmittelbarer Nähe. Doch es regt sich in ihm zunächst kein Widerstand. Zu sehr vertraut er den Vorgesetzten – und dem «Führer».

Der Gedanke, im falschen Boot zu sitzen, ist mir nicht gekommen.[2]

Pflichtbewusst erfüllt er sein Amt als Säckelwart, schätzt die Kameradschaft unter den SS-Leuten, ebenso die Annehmlichkeiten, die der Dienst mit sich bringt. Er dient dem Vaterland und ist auf dem Weg nach oben.

Zeit der Anpassung, Zeit des Duckmäusertums [Read more…]

Ende der Politik! Ende der Demokratie!

Nicht dass der Gedanke ganz neu wäre. Und vielleicht wäre statt eines Ausrufezeichens vorläufig ein Fragezeichen zu setzen. Doch Franco «Bifo» Berardi bringt es in einem Gespräch mit Aureliana Sorrento in der WoZ auf den Punkt:

Klar, sagt Franco «Bifo» Berardi, ein Aktivist sei er immer noch – aber kein politischer. Denn die Politik, die gebe es nicht mehr. Politik sei für ihn die Fähigkeit des menschlichen Willens, die gesellschaftlichen und technologischen Prozesse zu lenken – und diese Fähigkeit sei längst zugrunde gegangen. Die Demokratie? Eine Fiktion. «In einer Zeit, in der das Finanzwesen alles entscheidet, sprechen unsere Politiker nur aus Heuchelei noch von Demokratie», sagt Berardi. «Die Institutionen der Demokratie sind übrig geblieben, ihre Rituale. Wir halten Wahlen ab, so wie manche Urvölker Regentänze aufführten. Hatten ihre Tänze Einfluss auf den Gang der Wolken?

Das ist kein Auszug aus einem dystopisches Science-Fiction-Roman, sondern die ernüchternde Erkenntnis eines langen Lebens als Schriftsteller, Philosoph und Aktivist. Klar: Sie ist spitz formuliert. Und klar: Die Aussage stammt von einem dezent linken Denker. Doch trifft sie eine Empfindung, die quer durch die Gesellschaft reicht: das Gefühl, dass wichtige gesellschaftliche Entscheidungen weder auf demokratischem Weg noch als Folge eines politischen Prozesses gefällt werden, sondern vermeintlichen Sachzwängen unterworfen und der Gestaltungsmacht der Betroffenen und deren VertreterInnen entzogen sind. Daher wohl die verbreitete Politikverdrossenheit.

Wenn wir uns mit dieser Entwicklung nicht abfinden wollen, müssen Wirtschaft und insbesondere Finanzindustrie wieder Teil einer redlichen gesellschaftlichen Auseinandersetzung werden – und zwar im Sinne eines Dialogs aller Betroffener und nicht eines Diktats seitens der Wirtschaft. Eine Illusion?

Tagebucheintrag Berlin, 14. Juli 2015

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Der dritte Tag in Berlin. So richtig warm werde ich nicht mit dieser Stadt. Obschon: Hier in Neukölln an der Herbrichtstrasse, wo ich im Hüttenpalast übernachte, einem kleinen, nicht allzu teuren Hotel, gibt es viele junge Menschen, StudentInnen, AussteigerInnen, BerufsaktivistInnen und nicht weniger AusländerInnen. Das ganze Quartier – ja, was ich bis jetzt gesehen habe, die ganze Stadt – ist mit Sprayereien übersät. Die Gegend wirkt leicht heruntergekommenen, jedenfalls wenn man den Anblick von Schweizer Städten gewohnt ist, hat aber einen durchaus sympathischen, menschenfreundlichen und freilassenden Charme. Es ist jener Charme, der Platz lässt, im Kleinen ein etwas anderes, sogenannt alternatives Leben zu führen, als das was einem die Gesellschaft ungefragt, aber mit aller Kraft anempfiehlt. Entsprechend viele kleine Läden, Kinderhorte, Kleinstunternehmungen, Bücherläden, Quartiersekretariate und soziale Anlaufstellen sind hier anzutreffen. Und es gibt viele, viele Kneipen – nicht bloss an jeder Ecke, auch dazwischen hat es Platz für zwei, drei dieser kleinen Lokale, wo tagsüber jeweils nur einzelne Leute sitzen, von denen man nicht sicher weiss, ob es Gäste sind oder die Besitzer selbst. Abends und nachts füllen sich die Kneipen mit Geselligkeit und Trinkerlaune. Abends breitet sich übers Quartier eine schöne, nicht allzu plakative Lebendigkeit, die man durchaus behaglich nennen kann.

Trotzdem werde ich nicht wirklich warm mit Berlin. Vielleicht ist es der Nieselregen, die verhaltene Temperatur, die zwanzig Grad kaum übersteigt, vielleicht ist es auch das Bewusstsein, dass gegenwärtig von Berlin aus Europa-, ja, Weltpolitik gemacht wird, die nichts Gutes verheisst: Die EU und die mit ihr verflochtene Finanzindustrie hat die linken, ungehorsamen Griechen – zumindest ihre Syriza-Regierung – zur Vernunft gezwungen, so dass nach aussen die europäische Einheit gewahrt bleibt, ein Grexit zunächst vom Tisch ist, aber gleichzeitig die inneren, sozialen Verwerfungen zunehmen werden, nicht nur in Griechenland. Und eine treibende Kraft ist Frau Merkel, die vom Berliner Kanzleramt aus, ein paar U-Bahn-Kilometer von meiner Unterkunft entfernt, die Geschicke Europas massgeblich prägt.

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Was bleibt vier Jahre nach der Protestbewegung 15-M in Spanien?  

Was hat die Bewegung 15-M[1] über die Wochen der Proteste im Sommer 2011 hinaus bewirkt? In welchem Verhältnis steht sie zur neuen Partei Podemos, die aus ihr hervorgegangen ist und zurzeit in Spanien die politischen Karten neu mischt? – Ein Interview mit Amador Fernández-Savater, Journalist und Schriftsteller sowie Aktivist der ersten Stunde. Übersetzung: Walter B.

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In einem Text vom Januar 2012 hast du die Protestbewegung 15-M als «ein Klima» beschrieben. Was heisst das?

Ich glaube, jetzt sehe ich es etwas klarer als damals. Den Begriff hörte ich in einer Versammlung. Jemand sagte: «15-M ist ein Klima, in dem andere Dinge möglich werden.» Und dies schien mir ein angemessenes Bild, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass die Bewegung 15-M über das hinaus ging, was unter dem Etikett 15-M organisiert wurde.

Sechs Monate nach den Besetzungen öffentlicher Plätze sind Tausende in ihren Alltag zurückgekehrt. Aber sie sind durch die Erfahrung auf den Plätzen berührt und verändert worden. Und diese Veränderung nahmen sie mit. Die Metapher des Klimas würde dann eine Veränderung der Sichtweise bedeuten: Was, wenn wir aufhören würden, 15-M nur im Inneren dessen zu suchen, was man als die «Bewegung 15-M» mit all ihren Komissionen, Versammlungen und Koordinationsräumen bezeichnete? Was, wenn wir auch darüber hinaus blicken würden?

Ich glaube wirklich, dass die politischen Möglichkeiten, die sich durch die Besetzungen der öffentlichen Plätze auftaten, sich später jenseits des Etiketts 15-M erneuerten, etwa in den «Mareas»[2], den Bewegungen, die sich gegen den Abbau der öffentlichen Dienste stemmten, oder in der Plattform der Hypothekengeschädigten[3] und in vielen weiteren Erfahrungen, die nicht notwendigerweise sehr sichtbar und bekannt sein müssen.

Welche politischen Möglichkeiten eröffnete 15-M?

Die grundlegendste Erfahrung war nach meinem Dafürhalten, was wir die «Politik von jedermann, von jederfrau» nannten. Das heisst: In unseren westlichen «Demokratien» verstehen die Politiker ihre Politik gemeinhin als «fachgerechtes» Management der «unausweichlichen» Notwendigkeiten des globalen Kapitalismus. Die verheerenden Folgen dessen haben wir, als die Krise kam, mitbekommen. Die Bewegung 15-M hat sich hauptsächlich gegen diese Auffassung und Praxis der Politik gewehrt («Sie vertreten uns nicht.») und etwas anderes an ihre Stelle gesetzt: eine Politik, die allen offensteht, eine Politik als konkrete, praktische Frage an das gemeinschaftliche Leben.

In welchem Sinne siehst du jetzt klarer bezüglich der Bewegung 15-M als «einem Klima»?

Das politische Potenzial von 15-M wurde ansteckend. Das Bild des Klimas wollte diesen «Subjektivierungsprozess»[4] symbolisieren. Was heisst das? Die Art und Weise, wie man die Welt sieht und wie man in ihr lebt, verwandelt sich. Die Wirklichkeit wird neu definiert. Es wird neu geklärt, was man hinzunehmen bereit ist und was nicht, was man sieht und was man nicht sieht, was möglich ist und was nicht, was wichtig und was uns gleichgültig ist. Und so weiter. Ein diffuses, expansives, «klimatisches» Phänomen stellte sich ein, das man in keine Struktur oder Organisation pressen konnte. Mich dünkt, andere Bezeichnungen für 15-M wie «soziale Bewegung», «Zivilgesellschaft», «soziale Mehrheit» usw. neutralisieren dieses ihr Potenzial und ihre Besonderheit.

In welchem Sinne?

Der Ausdruck «soziale Bewegung» verweist, zumindest in seiner gebräuchlichsten Form, auf Militante, ob einzeln oder in Gruppierungen. Doch 15-M war ein für alle offener Raum, in dem die Militanten, die dabei waren, nur ein Teil des Ganzen waren. Und jene, die den Takt bestimmen wollten, scheiterten bald.

Der Begriff «Zivilgesellschaft» deutet in seiner gängigen Form auf eine Gesamtheit von einzelnen Akteuren, die ihre eigenen Interessen verfolgen. Aber 15-M stellte die Frage nach dem Gemeinsamen ins Zentrum, nicht die Verteidigung der Interessen von «Teilen» der Gesellschaft, von bereits entstandenen Identitäten.

Und der Ausdruck «soziale Mehrheit» zielt auf ein quantitatives Phänomen und die öffentliche Meinung, während es in der Bewegung 15-M nicht auf der einen Seite Akteure und auf der anderen Zuschauer gab – auch keine «interaktiven» –, sondern eine gemeinsame und geteilte Betroffenheit unzähliger Personen, eine Betroffenheit in unterschiedlichster Intensität und Form.

Ich würde sagen, dass 15-M weder für militante Gruppen, noch für Teile der Gesellschaft stand oder eine öffentliche Meinung zum Ausdruck brachte, sondern ein offener und expansiver Raum der Politisierung des Lebens war.

War dieses Klima 15-M eine Antwort auf die Krise, auf die Korruption der Politiker, auf den Absturz der Mittelklasse?

Auf keinen Fall eine automatische Antwort auf die Ernsthaftigkeit der Lage und den Legitimitätsverlust der Mächtigen, wie es die Linke zuweilen denkt. Man frage die Italiener, die Franzosen oder die Engländer, die in etwa denselben «objektiven Bedingungen» unterworfen sind, ob es denn einen solchen Automatismus gibt.

Ich glaube, dass die Betroffenheit, mehr noch als das Interesse oder die Identität, der wichtigste Motor jeder Subjektivierung ist. Man empfindet ein Problem als gemeinsames Problem. Man spürt, dass etwas passiert, und es passiert dir. Und man spürt, dass man bezüglich dessen, was passiert, etwas tun muss, um es zu stoppen. Die Betroffenheit ist das Vorzimmer der Aktion. Es gibt nichts Selbstverständliches oder Automatisches in diesem Prozess.

Und wer fühlte sich betroffen? Wer sind die Indignados, die Empörten? [Read more…]

Kulturfest der Enthinderung

Das Festival Wildwuchs macht Behinderungen des Lebens zum Thema.

Alle zwei Jahre herrscht in Basel und Umgebung Wildwuchs – genauer das Festival Wildwuchs. Mit seinen über 40 Produktionen aus Theater, Tanz, Musik, Film, Performance und bildender Kunst bespielt es so unterschiedliche Plätze wie das Kasernenareal und das Männerwohnheim Rheinblick, das Roxy Birsfelden und die Kreativwerkstatt des Bürgerspitals Basel sowie weitere Schauplätze in und um Basel. Im Zentrum stehen körperlich-seelisch-geistige Behinderungen aller Art sowie Flucht und Migration.

Die Idee dahinter: Das Festival «für alle» bietet eine künstlerische Plattform für Themen und Produktionen jenseits des gewöhnlichen, auf Meisterschaft und Perfektion getrimmten Kulturbetriebs. Auch das Sperrige ist willkommen, das Bruchstückhafte, Vorläufige. Statt es auszugrenzen, wird ihm eine Bühne geboten, damit es hervortreten kann, ganz im Sinne der Inklusion, die davon ausgeht, dass erst die Vielfalt – und deren Anerkennung – eine menschliche Gemeinschaft lebendig und stark macht. Das Wildwuchs-Festival will hier Brücken bauen und «kulturelle Zugehörigkeit trotz Verschiedenheit» ermöglichen. Wer nun glaubt, unter einer so offenen Anlage müsse die künstlerische Qualität leiden, kann das gerne am diesjährigen Festival überprüfen. Das Organisationskomitee rund um die künstlerische Leiterin Gunda Zeeb möchte das Gegenteil beweisen.

Verwirrende Vielfalt

Es beginnt mit einem Schwerpunkt zu Flucht und Migration im Theater Roxy. Übers ganze Haus verteilt und während zweier Tage wird dazu ein Feuerwerk mit Bühnenproduktionen und Performances gezündet. Zum Beispiel: Wie fühlt es sich an, wenn man Asyl braucht? Fünf Sans Papiers geben dazu Antworten in Form des Live-Hörspiels «Homeradio wildwuX: Zimmer Frei!». Für einmal müssen sie sich nicht verstecken, sondern zeigen sich, treten auf die Bühne. Mehr noch: Sie sind es, die für einmal die Fragen stellen und entscheiden, wer aufgenommen wird und wer nicht. Denn sie haben in ihrer Wohngemeinschaft ein Zimmer zu vergeben. Das Bühnen-Hör-Stück über Rollentausch und Perspektivenwechsel entstand in Zusammenarbeit mit Radio X, welches das Hörspiel auch ausstrahlen wird.

1-0230 H-A3 - 44Danach verschiebt sich der Schwerpunkt des Festivals zum Thema Be- und Verhinderung – und vom Roxy hin zur Kaserne Basel. Da lässt z.B. der Club Ritalin (s. Abb.) eine energiegeladene Open Air-Performance rund um das Thema ADHS krachen. Das im Volksmund «Zappelphilipp» genannte Syndrom wird mit Hilfe von Tanz, Performance, Sprache und Klangkunst auf seinen Gehalt abgeklopft, und siehe da: ADHS ist die wahre Natur des Menschen, verbindet die Problemjugendlichen mit den Multitasking-erprobten Eliten unseres Landes. Mit solch provokativen Thesen im Hintergrund wird – gleichsam im Hyperaktivitätsmodus – gemeinsam mit dem Publikum ein ADHS-orientiertes Training absolviert. Und am Schluss ist die Frage unausweichlich: Wer ist hier eigentlich gestört: die Betroffenen oder die Gesellschaft – oder alle? Der Club Ritalin entlässt uns ohne Antwort, aber um einige Erfahrungen reicher.

So bunt wie die Themen, so bunt sind auch die Formate zu deren Darstellung. Neben Bühnenproduktionen gibt es Publikumsinterventionen, Podiumsgespräche, eine rollende Wandzeitung, Gesprächsinstallationen etc. … Eine Vielfalt, die geradezu verwirrt. Wildwuchs eben!

Wildwuchs-Festival: Do 4. bis So 14.6, diverse Orte, www.wildwuchs.ch

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Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe der «ProgrammZeitung» erschienen.

 

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