Indien-Tagebuchauszug 04.03.2009

Im Februar und März 2009 war ich sechs Wochen in Südindien: ein äusseres wie inneres Abenteuer, aus dem ich gestärkt und verändert zurückkehrte. Während dieser Zeit entstand ein Reisetagebuch, das hier einsehbar ist – leicht überarbeitet und mit Fotos versehen, die mir zu einem guten Teil von Laurent Quere zur Verfügung gestellt wurden. Herzlichen Dank!

Einzelne Ausschnitte des Tagebuchs werden in lockerer Folge als Schmankerl auf der Hauptseite veröffentlicht:

Thanjavur, 04.03.09

Erster Tag unterwegs in Südindien. Abends Hotel in Thanjavur. Wir sind sehr viel und ziemlich hektisch Auto gefahren. Der erste Tempel war der spannendste: voller Leben, unzählige Nischen und Kammern mit Göttern, teilweise in endlosen Reihen und mit aufsteigenden Nummern bezeichnet, wohl damit man weiss, welches welcher ist, denn die relativ kleinen Statuen sehen alle gleich aus. Unvermittelt stand ich vor einem grossen Schrein, der wie eine Theaterbühne wirkte, zunächst mit mehreren Blechtoren verschlossen. Davor stand in Erwartung eine Menge Menschen, rufend, singend, vor sich hin betend. Etwas entfernt schlugen zwei Männer – einer davon hatte eindeutig mongoloide Gesichtszüge – grosse Glocken, sodass sie bestimmt im Lauf ihres Lebens einen Gehörschaden davon tragen. Etwas näher betätigte eine Frau eine Art Rassel mit kleineren Glocken. Das alles fand in einem recht dunklen Säulenlabyrinth statt, uralt und voller Stufen, also auf verschiedenen Ebenen. Dann wurden die Blechtore geöffnet und gaben den Blick auf Shiva frei. Zunächst war da eine breite Kammer, in der die recht jungen Priester (Mönche?) hantierten, dahinter die kleinere Kammer mit der Statue von Shiva. Etwas weiter vorne trat ein breiter Strahl gleissend wirkenden Sonnenlichts herein. Als der Schrein sich öffnete, wurden die Leute aufgeregter und hoben die indisch gefalteten Hände hoch über den Kopf. Mir wurde eine gut schmeckende, aber ziemlich scharfe Reiskugel gereicht.

Es gab auch ruhigere Gänge in diesem Labyrinth, die zur inneren Stille einluden. Die ganze Atmosphäre war sehr beeindruckend, ist aber schwer zu beschreiben. Da ist zunächst das unglaubliche Alter der dunklen Hallen und Gänge. Die sind aber vollen Lebens; darunter viele junge Mönche. Das alles ist begleitet von einem Duftgemisch aus Weihrauch und anderem Räucherwerk – und Gammelgestank. Danach zwei weitere Tempel besucht, die eher musealen Charakter hatten. Doch bei allen dreien: Wo immer Oberfläche ist, ob draussen oder im Innern, ist auch Bild, Darstellung.

Wo immer Oberfläche ist, ist auch Bild – Überbau des Tempels in Chivandaram


Danach eine kleine Hausseidenweberei besucht und einen Sari aus Seide für Judith gekauft. Herstellungszeit: einen Monat, davon eine Woche zum Einrichten des Webstuhls – wohlgemerkt: bei 7-Tage-Woche. Preis: 3’600 Rupien, was etwa 58 Euro entspricht, nicht ganz neunzig Franken.

* * *

Auf der Reise ist es ungleich schwieriger, das innere Leben in derselben Intensität wie in den letzten drei Wochen aufrecht zu erhalten. Die zweite Nebenübung (Willenstat) ist heute nur mangelhaft gelungen. Es braucht eine besondere Anstrengung, damit nicht der alte Schlendrian Einzug hält.

Hier geht es zum Tagebuch: https://walbei.wordpress.com/tagebuch-indien-2009/ – oder einfach oben im Kopfbereich des Blogs auf die Seite “Tagebuch Indien 2009″ klicken.

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