Eine unverfängliche Beobachtung

Das wunderschöne Gesicht einer jungen Frau hatte ich Gelegenheit, genau und über längere Zeit, aber unverfänglich zu beobachten. Durch eine Fensterfront sah ich sie draussen mit Freunden in einem Boulevardkaffee sitzen. Sie war in ein Gespräch vertieft, während ich drinnen in einer Zeitung blätterte. Ihr ausdruckstarkes Gesicht und das ungekünstelte Mienenspiel weckte in mir eine Art Freude des Heimkommens, gerade so, wie wenn in der Fremde unverhofft die eigene Muttersprache erklingt. Ich nahm als stiller, berührter Beobachter am Gespräch teil. Die Worte zu vernehmen, war völlig überflüssig. Neben der Tatsache, dass mich dieses schöne Gesicht faszinierte – bis dahin, dass ich mich ein bisschen in diese offene Seelenlandschaft verliebte –, war es die Freude des inneren Gleichklangs mit all diesen Gesichtsausdrücken und -gesten, die mich berührte. Ich meinte darin eigene Gefühle und Impulse des Gemüts wiederzuerkennen. Wie viel gemein haben doch meine eigenen Seelenregungen mit denen einer wildfremden jungen Frau! Es war, als spräche sich ihre Seele in mir aus, als spräche meine Seele in ihr.

Comments

  1. Hallo BS,

    tatsächlih so be-kommt es Einem wie mir vor. B/beim Studieren dieser nahe-zu bei-nahe gereimten Illusion.
    So das bei Seit‘. Halt‘ das/die un-ver-fäng-liche B/be-o-bachtung für absolut ge-lun-g’n. Hat schon etwas von gerade-zu ja p/Poesie…nur wo ist das verfänglich in Ihr…der P o e s i e??? Das braucht’s irgend-wie! Ich glaub‘ d#ran, da-ran, da-her-an…!!

    texter

    • Hallo Texter (C.c. Elste)

      Habe ich deinen Kommentar richtig entziffert? Du findest den Text zwar poetisch, aber dir fehlt das Verfängliche daran, also wohl die konkrete und handfeste Annäherung an das Objekt der Beobachtung … Ansonsten der Text nur eine „nahe-zu bei-nahe gereimte(n) Illusion“ ist.

      Nun, das stille Beobachten ist mir inzwischen lieb geworden, deutlich lieber als in der Welt herumzutrampeln wie ein Elefant und mich aufzuplustern. Und dass der Gleichklang zweier Seelen, die sich nicht persönlich kennen, grundsätzlich eine Illusion sei, wage ich zu bezweifeln.

      Doch vielleicht meinst du auch etwas ganz anderes. Bloss ist dein Kommentar so schwer verständlich. Schön wäre es, wenn du dir nächstes Mal etwas mehr Mühe geben könntest. Stell dir einfach vor, du erzähltest deinen Kommentar einem Freund. Und das schreibst du dann auf.

      Mit freundlichem Gruss – Walter

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