Indien-Tagebuchauszug 28.02.2009

Im Februar und März 2009 war ich sechs Wochen in Südindien: ein äusseres wie inneres Abenteuer, aus dem ich gestärkt und verändert zurückkehrte. Während dieser Zeit entstand ein Reisetagebuch, das hier einsehbar ist – leicht überarbeitet und mit Fotos versehen, die mir zu einem guten Teil von Laurent Quere zur Verfügung gestellt wurden. Herzlichen Dank!

Einzelne Ausschnitte des Tagebuchs werden in lockerer Folge als Schmankerl auf der Hauptseite veröffentlicht:

Dhansu, ein Wächter in der Nähe des Matrimandir, hat mich gestern zu einem Vishnu-Tempel ausserhalb von Kottakarai an der äussersten Peripherie von Auroville geführt. Hier ist das Land offener, und es gibt mehrere Tempel und einzelne Reisfelder. Eine recht grosse, von einer Mauer umfriedete Fläche bildet der Tempelbezirk. Vor dem Eingang in den inneren Tempelbereich haben drei Frauen ihre Tischchen aufgestellt und verkaufen für ein paar Rupien Blumengirlanden, Wachslämpchen sowie Bananen und Kokosnüsse. Nach dem Kauf einiger dieser Devotionalien sind wir über mehrere Stufen in den inneren Bezirk und in den Tempel gelangt. Die Wände und die Decke sind vollständig mit reliefartigem Messing ausgeschlagen, wirklich vollständig, und es war sehr, sehr warm. Der Priester, ein fester Mann mit entblösstem Oberkörper nahm die Devotionalien entgegen und legte sie auf ein Messingtablett, auf dessen Rand eine Flamme loderte. Nachdem er mich nach Frau und Kindern gefragt hatte, ging er mit dem Tablett singend durch eine Kammer in das eigentliche Heiligtum und legte dort meine Darreichungen über und vor eine Art Statue oder aufrechten, bemalten Stein, an dem ich nichts Figürliches erkennen konnte. Heute weiss ich, dass es eine Stele, ein Lingam war, der Krishna repräsentiert.

Nach einer Weile brachte er mir die derart gesegneten Sachen zurück, hing mir die Girlande aus Jasminblüten um, spaltete die Kokosnuss auf – die Milch schüttete er in einen grossen Messingtopf – und machte mir mit einem weissen und einem roten, ziemlich fetten Pulver ein Zeichen oberhalb der Nasenwurzel. Die Früchte händigte er mir aus, ebenso ein wenig von beiden Pulvern, in Zeitungspapier verpackt. Derart gestärkt ging es auf den Rückweg.

Fast noch mehr beeindruckt hat mich, mit welcher Ängstlichkeit sich Dhansu, mein Begleiter, um mich gekümmert hat. „I have fear“, hat er auf dem Weg immer wieder gesagt und ist meistens mit seinem Fahrrad fast in der Mitte der Strasse gefahren, damit mir ja niemand zu nahe käme. Auf der Treppe kippte diese Ängstlichkeit beinahe in Entsetzen um, und ich spürte hinter mir ein schlotterndes, keuchendes Männlein. Nachdem ich ihn derart kennengelernt habe, dünkt mich sein Gesichtsausdruck sprechend, indem sich darin gewissermassen das Entsetzen, die Angst bereits eingegraben hat. Das Weiss seiner Augen ist stark bräunlich verfärbt, und offenbar hat er auch, vor allem nachts, Sehprobleme.

* * *

Heute Morgen um vier Uhr aufgestanden, um an der Geburtstagszeremonie von Auroville im Amphitheater teilzunehmen. Etwa vierhundert Teilnehmende hatten sich noch in der Nacht versammelt, um in meditativer Stimmung, aber unter Ausschluss von religiösen Ritualen die Morgendämmerung zu erleben. Dazu brannte ein Feuer in Mitten einer grossen Rosette, einem Mandala aus weissen Blüten. Der ganze innere Bereich um die Urne war mit weissen Blüten geschmückt. Später ertönten Originalaufnahmen der Mutter, hinterlegt mit süsslicher Musik, danach auch die Charta von Auroville, von ihr in französischer Sprache gelesen. Hinzu kamen Übersetzungen ins Englisch, Hindi und Tamilisch. Das Erlebnis war sehr schön und stimmungsvoll, auch weil so viele unterschiedliche Menschen aus der ganzen Welt versammelt waren.

Stimmungsbild vor Sonnenaufgang an der Feier zum Geburtstag von Auroville

Hier geht es zum Tagebuch: https://walbei.wordpress.com/tagebuch-indien-2009/ – oder einfach oben im Kopfbereich des Blogs auf die Seite “Tagebuch Indien 2009″ klicken.

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