in|ad|ae|qu|at: Das Blog als Literaturzeitschrift 2.0

Nicht alle Blogs sind Journale, in denen die Persönlichkeit der Autorin, des Autors im Mittelpunkt steht. Es gibt auch solche, die verstehen sich als Plattform, wo sich die Werke anderer und ihre Schöpfer bestmöglich entfalten sollen. in|ad|ae|qu|at ist ein Beispiel dafür. Nicht die Selbstverwirklichung, sondern die Ermöglichung steht hier im Zentrum.

Vielleicht deshalb gestaltet sich der Zugang zu in|ad|ae|qu|at zunächst etwas sperrig: Man sucht – als Blogger fast schon gewohnheitsmässig – nach dem vermeintlich kantigen Blog-Ich, nach der Persönlichkeit, die hinter dem Weblog steckt – und findet stattdessen Texte, Bilder und Töne unterschiedlichster Herkunft, ein Sammelsurium zunächst, dessen Ordnung erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird – ebenso wie der dahinterliegende Gestaltungswille.

Freier Publikationsraum
Christiane Zintzen, die Betreiberin von in|ad|ae|qu|at, ist keine Unbekannte im Raum der deutschsprachigen Netzliteratur, ebenso wenig wie in der „Echtwelt“, wo sie als freie Kulturpublizistin tätig ist. Zusammen mit Hartmut Abendschein gibt sie seit 2008 Litblogs.net heraus, ein Netzwerk literarischer Blogs, das ich an anderer Stelle kurz besprochen habe. Ihre akademische Herkunft kann sie zwar nicht verleugnen – diese kommt zum Teil auch in ihrer Sprache zum Ausdruck –, trotzdem agiert sie mit in|ad|ae|qu|at nicht innerhalb eines institutionellen Rahmens, also der Uni, eines Verlags oder anderer Literaturinstitutionen, sondern versteht ihr Blog als freien Publikationsraum für zeitgenössische (Netz-)Literatur, zudem als Galerie, als akkustisches Theater und als Ort der Reflexion. in|ad|ae|qu|at ist also nichts weniger als eine veritable Literaturzeitschrift, allerdings in der Version 2.0, erweitert um die multimedialen Möglichkeiten des Webs (Video, Audio, Fotografie und Grafik) und bereichert um den unmittelbaren Austausch via Kommentar.

Unterschiedliche Gefässe
Trotzdem steht die Schreibe im Zentrum von in|ad|ae|qu|at, also die Literatur und ihr Betrieb, und zwar in Form der Medienbeobachtung und -empfehlung und – sehr wichtig – indem im „Salon Littéraire“ auf Einladung regelmässig Gasttexte publiziert werden, unkommentiert und für sich dastehend. Ein weiteres Gefäss ist die Rubrik „Tableau de Texte“, wo Neuerscheinungen in kommentierten „Vorabdrucken“ präsentiert werden. Ebenso findet auf in|ad|ae|qu|at Essayistisches Platz. So entstehen vielfältige Text- und Mediensammlungen, die auf Autorenseiten zusammengeführt werden, ergänzt mit biografischen und bibliografischen Angaben zu den Autoren und mit Links, was nichts anderes als ein kleines, aber gediegenes und immer wieder aktualisiertes Lexikon zeitgenössischer Literatur darstellt.

Netzliteratur als eigenständige Kunstgattung
Und dabei wird Netzliteratur durchaus als eigenständige Kunstgattung verstanden. Ihre Möglichkeiten werden ausgelotet, die Voraussetzungen ihrer Verbreitung erforscht. So ist es zum Beispiel grundlegend, dass die Texte sorgfältig verschlagwortet werden, damit sie im Netz überhaupt sinnvoll aufgefunden werden können.

in|ad|ae|qu|at ist insgesamt ein literarischer Tummelplatz für Anspruchsvolle, zugleich ein Ort des Forschens. Erstaunlich, was man mit einem Blog so alles anstellen kann!

Trackbacks

  1. […] Schweizers Walter Beutler , der unser in|ad|ae|qu|ates Bestreben , Literatur möglich zu machen , sehr fein beschreibt . So auch geschehen in einem Interview , das “Salon“- Autor Dieter Sperl jüngst in den […]

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