Die griechische Tragödie – eine Farce?

Fast schon demonstrativ wird in Griechenland die Demokratie zu Grabe getragen. Ausgerechnet in Griechenland, dem angeblichen Geburtsort der Demokratie! Man braucht kein Zeichendeuter zu sein, um die Zeichen der Zeit zu erkennen: Demokratie ist ein Auslaufmodell und droht auf der Müllhalde der Geschichte zu landen – nicht nur in Griechenland. Doch dort wird sie vorgeführt wie ein unartiges Kind, das zur Raison gebracht werden muss. Das ist recht eigentlich eine Blossstellung des demokratischen Prinzips, nach dem die Menschen, die von einem politischen Entscheid betroffen sind, auch an diesem Entscheid mitbeteiligt sein sollen.

Von nun an braucht man die Demokratie nicht mehr zu manipulieren. Keine Stimmen müssen mehr gekauft, keine teuren Propagandamaschinen in Gang gesetzt werden. Es reicht, die Demokratie zu verbieten, sie zu denunzieren als nicht der Sache angemessen. Man braucht nur die Märkte auf sie los zu lassen, die offenkundig einzigen freien «Wesen» auf diesem Planeten.

Natürlich – das Spiel der Demokratie wird weiterhin gespielt werden, auch in Griechenland. Es wird Wahlen geben. Das Parlament wird – gerade in schwierigen Zeiten – öfters tagen. Und dem Volk wird dann und wann – und nach Möglichkeit – auch weiterhin das Gefühl vermittelt, es hätte was zu sagen. Doch die Protagonisten werden – Marionetten gleich – einen Tanz der Demokratie aufführen, dessen Choreografie andernorts entworfen wird. Wenn es für viele Menschen in ihrem griechischen Alltag nicht eine Tragödie wäre, müsste man das Geschehen eine Farce nennen.

Nachtrag
Was in Griechenland geschieht, ist kein grundsätzlich neues Phänomen. Schliesslich hintertreibt das Wirtschaftsgeschehen schon längst demokratische Bestrebungen. Neu hingegen ist – zumindest in westlichen Ländern –, dass die Demokratie vor aller Augen und unverblümt in den Senkel gestellt wird. Und es ist wohl gerade dies, was die jungen Menschen in Europa und neuerdings auch in den Vereinigten Staaten empört und auf Strassen und öffentliche Plätze treibt.

Ein Trümmerhaufen: Die Akropolis – und die Demokratie? (Foto via Flickr: Leolisa81, CC-Lizenz)

Comments

  1. Danke für die anregenden Zeilen. Die Polis, der Schoss der Demoktie hat funktioniert, weil die Grösse des „Staates“ übersichtlich und die Kontrolle gegeben war. Wurde die moderen Demokratie in Griechenland nicht von den Griechen selbst unterlaufen? Aufgebläher Beamtenstab, Steuerhinterziehung, Aussaugen des Sozialstaates… Offensichtlich hat die Kontrolle versagt! Einig gehe ich mit dem Autor, dass im Moment in Griechenland nicht viel von Demokratie zu spüren ist, doch ist das in der aktuellen Situation überhaupt möglich?

    • Wie ist das genau mit der Kontrolle? Muss die Demokratie unter Kontrolle stehen? Und durch wen? Ermöglicht nicht eine gut organisierte Demokratie mit Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen gerade die Kontrolle von Auswüchsen, wie du sie oben benennst und wie sie zweifellos in Griechenland, aber natürlich auch andernorts bestehen? Dass die GriechInnen selber Schuld sind, ist meines Erachtens nur ein Teil der Wahrheit. Denn die Demokratie ist in vielen, um nicht zu sagen, in allen westlichen Ländern auf dem Rückzug. Ein wichtiger Grund: Ein zentraler Bereich des sozialen Lebens – die Wirtschaft und hauptsächlich die Finanzindustrie – ist der (demokratischen) Mitbestimmung und Kontrolle völlig entzogen. Das muss sich ändern.

    • Gesundheitsapostel says:

      Was sind die Aufgaben von „Politik“? Gesagt wird uns, dass die „Politik“ in wirtschaftlich schwachen Zeiten Maßnahmen ergreifen soll, die neue Wirtschaftskraft generieren und somit den Wohlstand erhalten oder neuen Wohlstand zu schaffen und sich zurückzunehmen, wenn der Wirtschaftsmotor brummt.
      In meinen Augen ist das, um es mit einem rheinischen Begriff zu sagen, schlichtweg „Kokolores“!
      Die „Politik“ hat meines Erachtens per Gesetzgebung die Aufgabe, die Wirtschaft unter Kontrolle zu halten, um Auswüchse zu verhindern, die wir gerade jetzt erleben! Renten-und Lohnkürzungen, Anstieg prekärer Arbeit wie Zeitarbeit und 400€-Jobs, Massenarbeitslosigkeit… Anstatt den Banken und Großkonzernen auf die Finger zu hauen, beschlossen und beschließen die Politiker Maßnahmen, die nur dazu dienen, die arbeitende Bevölkerung zu gängeln und zu verarmen (Einführung des Euro, Hartz-4, Agenda 2010, Hedgefonds, Bankenrettung, usw.).Bürokratieabbau wird propagiert, genauso wie der „Schlanke Staat“. Alles Maßnahmen, die den Großkonzernen und Banken in den Kram passen, weil der Staat damit seine Kontrollfunktion aufgibt, die Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert! Alles per Gestez! Die „Großen“ entziehen sich der Kontrolle und die „Kleinen“ werden getrietzt! Somit hat die gesamte „Politik“ sich zum „Schoßhündchen“ der Wirtschaft gemacht! Um solche Auswüchse zu verhindern, bedarf es aber eines starken Staates, mit unabhängigen Kontrollorganen, die sich gegenseitig auf die Finger schauen. Das ist nicht mit wenig Bürokratie und einem „Schlanken Staat“ zu machen! Allerdings haben wir in Europa, besonders in Brüssel, einen Apparat an Beamten, die keine Funktion ausüben, außer den banken und Konzernen nach dem Maul zu reden! Das heißt, erste Aufgabe muß lauten: Zerschlagt die Konzerne und Banken! Mit deren Macht und Geld wird die „Politik“ gekauft!!!!!!

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