Geldsegen für den IWF – nicht einmal Brosamen für die syrischen Flüchtlinge

Die beiden Nachrichten wurden im Radio gleich hintereinander verlesen: Der IWF erhält Gelder im Wert von 430 Milliarden Dollar (= 430’000’000’000 $) zugesagt, um, wie es so schön heisst, die Brandmauer gegen die Finanzkrise zu stärken. Das ist mehr als Christine Lagarde, die Direktorin des IWF, erwartet hatte. Gleichzeitig beklagen die Hilfswerke, allen voran das UNHCR, dass bis jetzt nicht einmal zwanzig Prozent der zugesagten 66 Millionen Dollar (= 66’000’000 $) Hilfsgelder für die syrischen Flüchtlinge zur Verfügung gestellt wurden. Diese Gelder würden dringend benötigt, um die Flüchtlinge in Syrien und den Nachbarländern mit dem Nötigsten zu versorgen.

«Natürlich darf man die beiden Themen inhaltlich nicht miteinander verknüpfen», höre ich es von überall her rufen. Bei den Geldern für den IWF handle es sich um verzinsliche Kredite, bei der Hilfe an die syrischen Flüchtlinge um A-fonds-perdu-Beiträge, also um Schenkungsgelder aus humanitären Erwägungen. Und mit der finanziellen Stärkung des IWF soll ein finanzielles Desaster in Europa, ja, weltweit verhindert werden, was vielen Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen zugute kommen wird. Von der Überlebenshilfe an die syrischen Flüchtlinge profitiere maximal eine Million, vielleicht zwei Millionen Menschen.

Die Schweiz hat 10 Milliarden Dollar (= 10’000’000’000 $) an Hilfsgeldern zugesagt – für den IWF. Sie erhofft sich damit auch, dass ihre Stimmrechtsquote im IWF gestärkt wird. Diese 10 Milliarden Dollar sind gut 151-mal mehr, als für die dringendste Hilfe an die syrischen Flüchtlinge benötigt wird.

Auch wenn das eine Thema mit dem anderen wenig zu tun hat: Es kommt in diesen beiden Nachrichten, die im Radio gleich hintereinander verlesen wurden, doch deutlich zum Ausdruck, in was für einer Welt wir leben. Es ist eine Welt, in der die Wirtschaft den Vorrang vor allem anderen hat, auch vor dem Menschenleben.

Comments

  1. Immer wieder die Bestätigung, die Wirtschaft hat Vorrang vor den Menschen.Vor geraumer Zeit war hier auch ein offener Brief über die Tafeln zu lesen, der Autor hat darin sehr gut beschrieben, das diese Armut nur durch das Finanzsystem erschaffen wird. Wer nichts leisten kann bzw. nicht mehr kann, der wird fallen gelassen, das ist die Illusion vom sogennanten Sozialstaat. Jeder der heute noch arbeiten geht, ist nur ein kleiner Hamster im Laufrad, der dafür sorgt das die Privilegierten weiterhin ihr Leben im Luxus verbringen.

    Gerade wenn zwei solcher Meldungen hintereinander verlesen werden, kommt einem das schon vor wie eine Verhöhnung der Flüchtlinge. Passend dazu auch die Formel 1. Einige Aussagen von den Fahrern in Bahrain, sind echt unter aller Kanone. Immer schön die elitäre Gesellschaft bespaßen, während draußen die Bevölkerung von Polizei und Militär niedergeknüppelt wird.Das gibt einem schwer zu denken…

  2. So ist es !

    Aber es ist noch schlimmer – in Äthiopien will ein Unternehmer mit saudischem Geld das größte Reisanbaugebiet der Welt anlegen. In der letzten Stufe sollen nahezu 80 Prozent des Reisbedarfs der Welt dort produziert werden.

    Spätestens jetzt sollten sich alle gut meinenden Spender gegen den Hunger doch fragen, von wem sie seit Jahrzehnten verarscht werden.

    Einer ist das IWF bzw. die Länder im IWF, die dieses Instrument der Rekolonialisierung steuern – die USA und ihr europäischer Tattenschwanz!

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