Achtsamkeitsmeditation

Seit bald einem Jahr meditiere ich nun regelmässig und mit nur wenigen Ausnahmen. Es handelt sich um die sogenannte Achtsamkeitsmeditation, die Jon Kabat-Zinn im klinischen Bereich eingeführt und wissenschaftlich erforscht hat.

Jeweils morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem Einschlafen «sitze» ich etwa zwanzig Minuten. Hinzu kommen – allerdings mit häufigeren Ausnahmen – täglich eine lange Sitzmeditation von etwa 45 Minuten und wechselweise am anderen Tag ein «Bodyscan», ein systematisches Durchwandern meines Körpers mit meiner möglichst ungeteilten Aufmerksamkeit (Achtsamkeit).

Mir diese Zeit zu nehmen, ist zuweilen anstrengend, eine Frage der Disziplin – aber nicht nur. Es ist oft auch ein Vergnügen, eine Freude, ein wohltuender Zustand der Sammlung, wie ich ihn bis jetzt in dieser ausgeprägten Form nicht gekannt habe. Und dabei verbringe ich den Grossteil der Zeit, die für die Meditation vorgesehen ist, mit «Denken», also «laufendem» Verstand. Immer wieder bin ich erstaunt, wie beharrlich er sich meldet, und oft genug merke ich es lange nicht, dass ich am «Nachdenken» bin. (Die Anführungszeichen bei Denken und Nachdenken weisen darauf hin, dass im Alltag nur ein doch recht wirrer Abklatsch dieser an sich wertvollen menschlichen Fähigkeiten stattfindet, eine Art Irrlichtelieren der Gedanken.) Manchmal muss ich diese Gedankenmühle richtiggehend niederringen, allerdings nicht indem ich sie bekämpfe, sondern indem ich mir immer wieder bewusst werde, dass ich jetzt «nachdenke».

Das ist ein Üben, das durchaus seine Wirkung hat: Vor allem während der langen Sitzmeditation komme ich regelmässig in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit, begleitet von einer inneren Stille und einer Gegenwärtigkeit, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Es ist ein vielversprechender Anfang, eine Ahnung davon, was noch alles möglich ist. Es ist der scheue Blick in eine neue Welt, von der ich schon lange weiss, dass es sie gibt, in der ich nun aber erste Erfahrungen mache.

Bild: «Tropfen», von brainseller via Flickr (cc-Lizenz)

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