Zeitenschmelze

Sonntagmorgenstimmung. Die Glocken läuten ins Schreibzimmer. Noch ist der Himmel bedeckt. Er wird aber lichter. Wieder Sonntag! Schon wieder! Früher – viel früher – waren es die Sekunden, die bei jedem Ticken der Uhr vergingen. Dann die Minuten, die Stunden, die Tage. Und heute sind es die Wochen, die verfliegen so wie die Sekunden früher. Eine Zumutung, diese Zeitenschmelze! Und ich sitze daneben und sehe die Wochen vorbeiziehen. Es wird mir schwindlig dabei. Obschon sie voller grösserer und kleinerer Aufgaben sind, bleiben sie doch seltsam leer und ohne einen prägenden, mich verändernden Eindruck.

Ist vielleicht auch etwas viel verlangt von diesen Wochen, die halt einfach vorbei ziehen, wie sie es schon immer getan haben und auch bis in alle Ewigkeit tun werden. Wenn irgend etwas prägend sein soll, dann bin es entweder ich selbst, der meinem Leben seinen Stempel aufdrückt. Oder dann ist es das Schicksal, das den Fluss der Wochen bremst und dafür sorgt, dass das Ticken der Uhr wieder mit Sekunden hinterlegt ist.

«Time» von Stephen Edmonds, CC-Lizenz via flickr

 

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Comments

  1. Das sind wunderschöne, philosophische Zeilen zum Phänomen Zeit und zum passenden Bild.
    Marcel Proust kommt mir dabei in den Sinn mit seiner Suche nach der verlorenen Zeit.
    „Zeitenschmelze“ ist ein adäquates Wort dafür.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

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