Sport ist Mord. Und Behindertensport ist …

Sport ist Mord. Und Behindertensport ist Mord an Behinderten. So einfach ist das. Oder etwa nicht? Warum soll für den Behindertensport nicht gelten, was für den Sport der Normalos erwiesenermassen zutrifft? Hier wie dort müssen sich die Leistungen immer wieder überbieten. Schneller, stärker, weiter ist die Losung – bei Behinderten wie bei Nichtbehinderten. Und nie darf die fatale Spirale zu tanzen aufhören. Sie dreht sich immer weiter – bis es eben Leben kostet. Die Geschichte des Sports ist voller Beispiele dafür.

Hochleistungssport, und von dem sprechen wir hier, basiert auf gnadenloser Konkurrenz, durch die der Gegner ausgeschaltet oder zumindest überboten wird. Natürlich zeigt man sich – hat man mal gewonnen – wieder versöhnlich, umarmt den Gegner sportlich oder schüttelt ihm wohlwollend die Hand. Solche Gesten verhindern, dass der Sport vollends ins Zwielicht gerät und seinen trotz allem noch erstaunlich guten Ruf ganz verliert.

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Bild: Marathon de Paris 2010 (Sandra Graf, Schweiz, auf ihrem Siegeslauf des Frauenmarathons), von Siobhán Silke, CC-Lizenz via flikr

Hochleistungssport muss auch immer wieder für neue Rekorde sorgen. Ohne dies würde das Interesse daran schnell erlahmen. Der ganze Zirkus würde sich totlaufen. Gibt es etwas Langweiligeres als Menschen zuzusehen, zum Beispiel Rollifahrern, die auf der Tartanbahn ihre schweisstreibenden Runden drehen, ohne dass dabei nicht zumindest entfernt die Möglichkeit besteht, dass ein neuer Rekord aufgestellt wird? Das wäre nur noch langweilig, öde, zumindest für die ZuschauerInnen. Sport ohne Zehntelssekunden ist wie eine Suppe ohne Salz: fade und kaum geniessbar.

Und diese Zehntelssekunden haben natürlich längst auch im Behindertensport Einzug gehalten. Der hat deutlich zum Normalsport aufgeschlossen. Er führt nicht mehr ein Schattendasein, sondern ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wurde gleichsam normalisiert. Ein Zeichen dafür ist das Dopingproblem. Gratuliere!

Dabei war der Behindertensport ursprünglich mal ein eher therapeutisches Projekt, ein durchaus vertretbares Mittel der Rehabilitation, insbesondere von Querschnittgelähmten. Die therapeutische Botschaft war: Auch nach einem Unfall geht das Leben weiter. Und es macht auch weiterhin Spass, unter anderem dank dem Sport. Das Argument hat bei vielen jungen Unfallopfern verfangen – und der Sport so seine heilende Wirkung entfaltet. So weit, so gut. Was kann man schon dagegen haben?

Doch der Sport ist inzwischen zu einer Art Religion geworden – für die Behinderten ebenso wie für die Normalos. Blind glaubt man an seine erlösende Kraft. Sportfans sind die modernen Gläubigen, die bedingungslos für ihre Mannschaft, ihre Glaubensgemeinschaft eintreten, und letztlich auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Und Kritiker des Sports werden als Ketzer betrachtet, als Spielverderber und Nestbeschmutzer. Das könnte auch dem Verfasser dieser Zeilen blühen …

Dabei möchte er nur zu bedenken geben, dass sich mit der «Normalisierung» des Behindertensports auch das Leistungsprimat – was sage ich? –, das Hochleistungsprimat endgültig in der Behindertenwelt breit gemacht hat. Leistungsstarke Behinderte sind gute Behinderte. Alle, die ihre Behinderung überkompensieren und besondere, hervorragende Leistungen erbringen, sei es im Sport, sei es beruflich, sei es wo immer, all die Behinderten werden bewundert und auf den Schild gehoben. Die sind Vorbilder – auch für die Normalos. Und die andern Behinderten? Die gehen vor lauter Euphorie vergessen.

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PS: Ich persönlich konnte nie, aber auch gar nie mit Sport etwas anfangen. Mein Körper hat sich jeweils innig geweigert, so barbarisch repetitive und sinnlose Bewegungsmuster auszuführen, wie sie im Training eben anfallen. Innert Kürze ist er wie natürlich in eine fast schon lethargisch zu nennende Behaglichkeit zurückgeglitten. Andere nennen das wohl Faulheit. Vielleicht bin ich deshalb zum Sportverächter, ja -ketzer geworden. Man möge einem armen Sünder vergeben.

Interview mit Antonio Orejudo über den Tod von García Márquez

Ein Interview der etwas anderen Art: Statt in den Chor der allgemeinen Bestürzung über den Tod von Gabriel García Márquez einzustimmen, nimmt Antonio Orejudo, der spanische Schriftsteller und Literaturkritiker, – bei aller Achtung gegenüber dem kolumbianischen Schriftsteller – den gesellschaftlichen Umgang mit Literatur und den Literaturbetrieb auf die Schippe. Übersetzung: Walter B.

Hat Ihnen García Márquez gefallen?
Ja, mich dünkt er ein ausserordentlicher Erzähler. Ich erinnere mich an das Staunen, mit dem ich «Hundert Jahre Einsamkeit» gelesen habe, und an die Angst, mit der ich das Buch sehr viel später erneut las, denn ich fürchtete, der Text könnte schlecht gealtert sein. Doch ich war überrascht, wie er all seine Kraft behalten hat. Nur wenige Bücher halten einer zweiten Lektüre stand, geschweige denn einer dritten oder vierten. Allerdings ist das die Nagelprobe, um herauszufinden, ob wir ein gutes Buch vor uns haben. Wenn ein Roman nicht imstande ist, die Zeit zu überdauern: Weg damit! Es ist mir klar, dass es cooler ist, ein anderes Buch von García Márquez als gerade «Hundert Jahre Einsamkeit» zu empfehlen. Mir hätte es jedenfalls gefallen, dieses Buch zu schreiben.

Die Bestürzung, die sein Tod hervorgerufen hat, ist überraschend.
Mich dünkt das eher lächerlich als überraschend. Der Schmerz, den die Familienangehörigen und Freunde der physischen Person Don Gabriel García Márquez wegen dessen Todes erleiden müssen, ist nichts als logisch. Aber die hysterischen Bekundungen des Bedauerns von einigen Verlegern und Lektoren … – was soll ich sagen? – lässt mich fremdschämen.

Finden Sie sie nicht aufrichtig?
Es ist offenbar eine Überreaktion, ein pawlowscher Reflex auf den Reiz der Medien. Leider hatte ich nicht das Glück, Don Gabriel persönlich kennen zu lernen. Deshalb kann ich wegen seines Todes nicht mehr empfinden als bei irgend jemandem, den ich in der Schule gelesen habe. Was mich tatsächlich schmerzt: dass er nun zu schreiben aufgehört hat. Aber damit hat er schon vor einiger Zeit aufgehört. Der Schriftsteller ist schon vor Jahren gestorben. Bedauern empfand ich bereits, als ich wusste oder ahnte, dass ich nie wieder einen Roman lesen würde, der von ihm geschrieben war. Übrigens frage ich mich, wie viele von denen, die den Tod des Schriftstellers wie Klageweiber betrauert haben, seine Werke aus dem Internet heruntergeladen haben, ohne etwas dafür zu bezahlen.

Ach, das mussten Sie jetzt mal loswerden! Finden Sie, das ist hier der beste Augenblick, um sich über das Herunterladen von geschützten Werken auszulassen? Wir halten schliesslich noch so etwas wie Totenwache.
Gewiss! Das dünkt mich ein sehr guter Augenblick. Ich finde es eine bodenlose Heuchelei, das Werk von García Márquez zu lesen, ohne ihm für seine Arbeit etwas zu zahlen, und dann seinen Tod zu beweinen. Die beste Art, einen Schriftsteller zu feiern, sein Leben und sein Schreiben zu feiern, ist, seine Werke zu lesen und dafür auch zu bezahlen – nicht indem man über seinen Tod greint.

Ich glaube nicht, dass García Márquez das Geld von den illegalen Downloads seines Werks wirklich brauchte.
Ich wusste gar nicht, dass Sie darüber befinden können, ob eine Vergütung ausreicht … Sie wären ein ausgezeichneter Präsident des Arbeitgeberverbands.

Warum so grimmig? Wären Sie denn gerne der Tote gewesen?
Natürlich nicht. Ich will nicht sterben. Aber dieser Zirkus behagt mir überhaupt nicht. Der Wirbel stört mich, den der Tod eines Schriftstellers verursacht – ausgerechnet in einer Welt, in der die Literatur nur mehr eine überflüssige Kunst darstellt.

Und wem oder was geben Sie dafür die Schuld?
In erster Linie den Zeitungen, die nun alle Nachrufe auf García Márquez abdrucken, die sie seit Jahren im Kühlschrank gehortet haben. Und zweitens beruhigen wir doch nur unser schlechtes Gewissen als schlechte Leser, indem wir den Tod der Schriftsteller beweinen. Als Motto für die nächste öffentlich finanzierte Lesekampagne schlage ich vor: Liebe Leserinnen, liebe Leser, lesen Sie mehr und weinen Sie weniger!

Oder glauben Sie womöglich, dass die Bestürzung über den Tod von García Márquez eine Verschwörung der Zeitungen ist?
Ich habe nicht von einer Verschwörung gesprochen. Was ich sage, ist, dass die Zeitungen, die Medien im allgemeinen, begierig nach Ereignissen sind, weil sie davon leben. Deshalb werden diese zwischendurch, wenn es gerade keine Ereignisse gibt, erfunden. Aber der Tod eines berühmten Schriftstellers ist keine Erfindung. Er geschieht und ist eine einzigartige Gelegenheit, Seite um Seite mit Nekrophilem zu füllen. Die Zeitungen bewundern den Tod, aber auch die extremen Publikationen oder Verkäufe oder den Literaturpreis. All dies sind Nachrichten. Eine andere Sache ist das Lesen, diese einsame Aufgabe, die zuweilen anstrengend ist und keine unmittelbare Wirkung hat. Diesen Mumpitz interessiert in den Zeitungen immer weniger.

Der Tod ist also eine Möglichkeit, ein Geschäft zu machen. Merken Sie das erst jetzt?
Nein, das wusste ich schon vorher. Ich sage es Ihnen jetzt, weil Sie mich danach gefragt haben. Der Tod ist fabelhaft für die Lebenden. Weil nun – Achtung! – überarbeitete Ausgaben von García Márquez erscheinen werden, Gesamtausgaben, bisher Unveröffentlichtes, Briefe und Manuskripte, die in der Truhe lagen – womöglich bis es zum Familienstreit kommt. Ein Schriftsteller ist ein Schwein: Er bringt seinen vollen Nutzen erst, wenn er tot ist. Vom Schnörrchen bis zum Schwänzchen – alles ist Gabo.[1]


Anmerkungen:

[1] Dieser Kalauer lässt sich kaum angemessen ins Deutsche übersetzen. Das Original lautet: Desde el morro hasta el rabo, todo es Gabo. Unter Gabo, dem Kosenamen für Gabriel, ist García Márquez in Lateinamerika weitherum bekannt.

Das Original des Textes ist auf dem Blog Autoentrevistas Antonio Orejudo bei eldiario.es erschienen. Hier veröffentlicht der Romancier und Literaturkritiker Interviews – mit sich selbst …

Hier geht es zu seinem Blog (aufs Bild klicken!):

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«Die integrieren auf Teufel komm raus»

Ich habe ein Herz und viel Verständnis für unsere Lehrerinnen und Lehrer. Ihrem breiten Wissen und der eher intellektuellen, kulturaffinen Lebensart gehört mein Herz. Mein Verständnis gehört ihnen, weil ich weiss, wie schwer der Lehrerberuf inzwischen ist, wird er doch an höchst exponierter Stelle ausgeübt. Alle wollen etwas von den LehrerInnen – und vor allem: Alle wollen etwas ganz anderes: die Kinder und Jugendlichen, dass sie möglichst schlank über die Runden kommen – und trotzdem Erfolg haben; die Eltern, dass ihre Kinder und Jugendlichen zu Höchstleistungen angehalten werden – und Erfolg haben; die bürgerlichen Politiker wollen, dass die Kinder zu guten Bürgern heranwachsen und die Wirtschaftsführer wünschen sich gute KonsumentInnen – und Arbeitskräfte. Alle zusammen möchten die armen Lehrer für ihre eigenen Zwecke einspannen. Hinzu kommen die vielen Reformvorhaben, die ja letztlich auch von den Lehrern geschultert werden müssen: HarmoS, Lehrplan 21 und und und … Ich habe also viel Verständnis, wenn ein Lehrer mal die Kontrolle verliert und ins Lamentieren gerät. Ich bin der Letzte, der über klagende Lehrer klagt.

Doch letzthin wurde dieses mein Verständnis auf eine harte Probe gestellt, um nicht zu sagen überstrapaziert. Das kam so: Ein Bekannter – von Beruf Lehrer – beklagte sich darüber, dass nun auch an seiner Schule Integrationsklassen eingeführt würden. «Die integrieren auf Teufel komm raus», sagte er zu mir. «Was ist das Problem?» fragte ich vielleicht etwas scharf zurück. «Das Problem ist, dass wir nicht mehr können, dass wir immer mehr aufgebürdet bekommen und dass einmal genug ist, einfach genug. Wir können nicht alle Probleme dieser Gesellschaft lösen. Schon ohne explizit behinderte Kinder sind wir halbe Heilpädagogen geworden. Und überhaupt will der Staat mit seiner Integrationswut doch nur Geld sparen.» Ich beherrschte mich. «Lass uns zusammen etwas trinken», versuchte ich die Lage zu beruhigen. Er setzte sich, stiess einen deutlich hörbaren Seufzer aus und bestellte ein Mineralwasser mit Zitrone.

Die Integration Behinderter ist und bleibt ein Generationenprojekt. Und die schulische Integration spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Bevor er wieder loslegen konnte, ergriff ich das Wort. «Bist du dir eigentlich bewusst, wie wichtig es für uns Behinderte ist, gesellschaftlich nicht ausgeschlossen zu sein? Integration ist nicht ein Accessoire, das uns Betroffenen etwas mehr Lebensqualität beschert. Gesellschaftliche Integration ist nicht nice to have. Sie ist lebensnotwendig. Und weisst du eigentlich, wie weit wir von einer wirklichen Integration noch entfernt sind? Meilenweit! Die Integration Behinderter ist und bleibt ein Generationenprojekt. Und die schulische Integration spielt dabei eine Schlüsselrolle. Ohne sie wird es noch viele Generationen dauern, bis wir selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft sind. Also nimm dich zusammen und mache deinen Job ganz! Oder lass es ganz bleiben!» Das hätte ich wohl so nicht äussern dürfen. Ohne etwas zu sagen, stürzte er davon und liess mich sitzen und sein Mineral stehen. Seither habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ob er seinen Beruf inzwischen gewechselt hat, weiss ich nicht.

PS: Die Handlung der Geschichte ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit heute lebenden Personen oder aktuellen Vorgängen sind rein zufällig und unbeabsichtigt.

Neulich an der Gerbergasse

Ein Relikt aus alten Zeiten, als die Behinderten noch unselbständig waren – und der öffentliche Raum noch nicht barrierefrei … 😉

(Foto: Magdalena Rauch)

Launisches zum 1. August: Nationalfeiertag CH

Um es gleich vorwegzunehmen: Nationalfeiertage waren mir immer suspekt. Zu viele Mythen, zu schlechter Gesang und zu banale Reden haben zu dieser meiner Einstellung geführt. Und die Gewissheit, dass wir Menschen durch eine Unzahl von «Rahmenbedingungen» definiert – und schubladisiert – werden können, aber die Zugehörigkeit zu einer Nation dafür heute schlicht nichts mehr taugt. – Eine feierliche, aber durchaus launische Betrachtung.

Zunächst zum Mythos: Viele Feiertagsredner beziehen sich auf das Rütli, einer Wiese ob dem Vierwaldstättersee, auf der im Jahr 1291 – angeblich – die drei Ureidgenossen sich verschworen, um die Herrschaft der Habsburger ein für allemal los zu werden. Das ist eine Legende, der Friedrich Schiller mit seinem Drama Wilhelm Tell erst so richtig zum Durchbruch verhalf – natürlich in künstlerischer Art und Weise. Genau genommen basiert unser Nationalstolz also auf einem künstlerischen Werk. – Immerhin!

Die Schweiz war mal ein freiheitlich-fortschrittliches Projekt
Doch weshalb beziehen sich so wenige Festtagsredner auf die Gründung der modernen Schweiz im Jahre 1848? Liberal-progressive Kräfte hatten im Sonderbundskrieg über die katholisch-konservativen Ewiggestrigen gesiegt und in der Folge den Bundesstaat gegründet. Liberal war damals noch kein Schimpfwort – und der Katholizismus eine gesellschaftlich relevante Kraft … Die Schweiz war also einst – vor lächerlichen 150 Jahren – ein freiheitlich-fortschrittliches Projekt. Was ist davon übrig geblieben? Ein von der Geschichte verwöhntes Volk, das sich mehr und mehr einigelt und seinen Wohlstand partout nicht teilen will. Das mit Zähnen verteidigte Bankgeheimnis spricht dazu Bände.

Das führt mich zum Thema des schlechten Gesangs, eines entscheidenden Grundes für meinen Abscheu vor Nationalfeiertagen: Beim Strammstehen lässt sich erwiesenermassen schlecht singen. Wenn der Hintern zusammengekniffen, der Bauch eingezogen und die Brust gebläht ist, kommt einfach kein guter Ton raus. Und überhaupt: Bei Nationalhymnen sträuben sich mir die Nackenhaare –nicht nur beim Schweizer Gesang. Die Inbrunst siegt regelmässig über das musikalische Feingefühl. Einzige Ausnahme: N’kosi Sikeleli Africa, die Nationalhymne von Südafrika. Doch bestimmt ist dieser wunderbare Gesang inzwischen national so aufgeladen, dass auch hier jegliche Musikalität verflogen ist. Musik und Nationalität gehen einfach nicht zusammen. Es sind entgegengesetzte Pole – ohne dass ich das jetzt genauer erklären kann.

Sprache und Nationalgefühl
Auch gute Sprache und Nationalgefühl sind sich fremd. Vielleicht fällt bei Überflutung mit Nationalstolz ein Teil des Gehirns aus. Denn das Nationale lässt sich nur mit Worthülsen und rhetorischen Taschenspielertricks beschwören. Es ist nun mal ein Konzept von vorgestern. Und wo versucht wird, ihm womöglich gar mit Blut-und-Boden-Romantik neues Leben einzuhauchen – eine wieder auflebende Mode, die man überwunden glaubte –, wird es gruselig und unappetitlich.

Nein, Nationalfeiertage waren mir immer suspekt. Zu viele Geister der Vergangenheit lauern auf ihre Rückkehr. Und viel zu viele Menschen, die einen Teil unserer modernen, multikulturellen Gesellschaft ausmachen, sind bei dieser Beschwörung der Gemeinschaft und des Zusammenhalts nicht mitgemeint. Ich widme diese kleine Feiertagsbetrachtung deshalb allen Menschen in der Schweiz ohne Schweizer Pass – und ganz besonders jenen, die ohne jegliche Papiere bei uns leben.

Mal sehen, welches Feuerwerk ich mir anschauen gehe …

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Bild (CC-Lizenz): twicepix via flickr

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