Erste Tage in Auroville

Die ersten Stunden, die ersten Tage hier in Auroville fühlen sich wunderbar an – wie wenn ich nach Hause käme. 

Doch der Flug und die anschliessende Taxifahrt von Chennai nach Auroville hatten es in sich: Der Umstieg in Muscat, Oman – wir hatten bereits sechseinhalb Stunden Flug hinter uns – verlief chaotisch und  wäre fast gescheitert: Wir wurden angewiesen, in einem Wartebereich für Behinderte und Gebrechliche zu warten, die übliche Sonderroutine. Doch als der Zeitpunkt immer näher rückte, wo wir hätten einsteigen müssen, passierte einfach nichts. Endlich gelang es mir, einen der Verantwortlichen anzusprechen, die inzwischen wie aufgescheuchte Wespen herumschwirrten: «Just wait!» war ihre kurze Antwort. Zum Verzweifeln … Erst in letzter Minute wurden wir – eine gebrechliche ältere Dame, ein ebensolcher Herr und ich, je mit Begleiter – ins Flugzeug gebracht, das bereits voll besetzt war und auf den Abflug warteten. Solche Situationen liebe ich … Die letzten sechs freien Plätze für uns waren wild über alle Sitzreihen verstreut. Einige Passagiere mussten umplatziert werden, damit wir zusammen sitzen konnten. Wie Sardinen waren wir eingepfercht, und das fast vier Stunden lang. 

Ankunft in Chennai

Überraschend reibungslos hingegen verlief die Ankunft in Chennai. Sogar mein eigener Rollstuhl wurde hergebracht, so dass es mir erspart blieb, in eines der Ungetüme steigen zu müssen, die vom Flughafen gestellt werden. Das ist wichtiger, als sich die Leserin, der Leser vielleicht vorstellen können. In einem solchen Panzer von Flughafen-Rollstuhl verliere ich jegliche Autonomie und bin zu weitgehender Passivität verurteilt. Man fühlt sich ein bisschen wie ein Stück Dreck auf vier Rädern. Drum war ich sehr froh, dass ich direkt in meinen eigenen Rollstuhl steigen konnte. So fühlte ich mich ganz.  

Verstörend die ersten Eindrücke auf der Taxifahrt: Unzählige Bäume hatten den Zyklon Vardah nicht überlebt und lagen am Strassenrand. Tausende gefällte oder gekappte Bäume sahen wir auf der Fahrt entlang der Küste Richtung Süden. Das Laub hing noch frisch an den Ästen. Plakate und Fassadenverkleidungen, Bauabschrankungen und Blachendächer: alles zerfetzt, so dass die städtische Infrastruktur noch heruntergekommener wirkte als sonst schon. Anderseits – und das beelendete mich fast noch mehr – boomt Chennai wie viele andere indische Städte in einer fast schon beängstigenden Weise: Gigantische Gebäudekomplexe werden hochgezogen, laut unserem Taxifahrer alles «IT-Farms». Gleich daneben entstehen Wohnsilos für die Angestellten, die sich in der Bauart kaum unterscheiden. Das alte Indien geht vor die Hunde. Und es dünkt einen, die Menschen sind stolz drauf.

Bargeldfreies Auroville 

Erst nach einer Stunde Fahrt sieht man keine Sturmschäden mehr. Ab hier gibt es auch weniger Boomschäden. Je näher wir Pondicherry kommen, umso mehr erkenne ich «mein» Indien wieder und fühle mich bald schon zu Hause. Kommt Auroville in Sichtweite, geht mir richtig das Herz auf. Welcome back home!

Inzwischen sind wir bereits mehrere Tage hier. Tagsüber ist es angenehm warm, aber nicht heiss, und abends wird es für hiesige Verhältnisse kühl. Die Einheimischen nennen das einen eher kalten Winter. Für uns, Eric und mich, ist es der ideale Einstieg in Südindien, zumindest klimatisch. Frühsommerlich würde ich es nennen.

Bei der gesamtindischen Knappheit an Bargeld – ich berichtete darüber – ist es noch ganz praktisch, dass Auroville sowieso danach strebt, bargeldfrei zu funktionieren. Als Gast, der länger als ein paar Tage bleibt, kann man sich leicht eine Aurocard besorgen, eine Art Kreditkarte für Auroville, die man beim Financial Service via eigener Kreditkarte aufladen kann. Bei dieser Gelegenheit sind auch höchstens 2’000 Rupien in bar erhältlich. Das sind knapp dreissig Franken. Und die reichen hier weit.

Kuilapallayam erfahren

Heute den ganzen Tag unterwegs: hauptsächlich in Kuillapalayam, einem Tamilendorf nahe Auroville. Heute haben wir Kuilapallayam «erfahren». Hier einige Eindrücke:

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