Tagebuch Indien 2009

Auroville, 09.02.09

Zwei Tage Reise hinter mir, die wie am Schnürchen klappte. Ich wurde von Mensch zu Mensch, von Helfenden zu Helfenden weitergereicht, ohne die ich nicht einmal in Basel in den Zug hätte einsteigen können. Und diese Kette hat bis nach Südindien gehalten, tadellos, absolut verlässlich. In Deutschland lag das wohl am perfekten Organisationsgrad der Deutschen Bahn. Im Zug zwischen Mannheim und Frankfurt sah ich an meinem Platz sogar eine kleine digitale Anzeige aufleuchten: „Basel, 1 Rollstuhlfahrer“.

In Indien war es dann wohl eher Gottes Hilfe, die die Kette nicht abreissen liess – und auch ein wenig der Zufall … Den Koffer fand ich recht schnell; der Trac (ein Rollstuhlzuggerät, Foto siehe weiter unten) war indessen nirgends zu sehen. Und natürlich gab es keinen Sondergepäckschalter. Die Kommunikation mit einer Gruppe von indischen Flughafenangestellten und Beamten, die an einem Durchgang standen, wo ich die Fluggepäck-Anlieferung vermutete – diese Kommunikation klappte nicht wirklich. Ich begann schon etwas ärgerlich zu werden, aufgeregt war ich sowieso. Der Ärger stammte daher, dass mich zwei Helfende eher in meiner Bewegungsfreiheit einschränkten; jedenfalls gaben sie es nicht auf, mich schieben zu wollen, obschon ich das, wenn es denn nicht sein muss, nicht ausstehen kann (was sie natürlich nicht wussten). Schliesslich fand ich den Trac. Er stand auf einem Gepäckwagen, der sich in einer wilden Ansammlung anderer, allerdings leerer Gepäckwagen befand.

Die Abholung durch Ananda am Ausgang des Flughafens, der von einer riesigen Menge von Wartenden geradezu belagert wurde, klappte bestens. Das Plakätchen mit der Aufschrift „Walter“ sah ich ziemlich früh, als ich die Menge erblickte. Und kurze Zeit später zogen die ersten Eindrücke Indiens schemenhaft an mir vorbei. Denn es war Mitternacht längst vorbei, als wir Richtung Pondicherry fuhren.

In Ananda habe ich einen offenen, intelligenten und umsichtigen Menschen gefunden, mit dem sogleich ein intensives Gespräch begann und mit dem ich mir vorstellen könnte, die geplante grössere Reise durch Südindien zu unternehmen.

11.02.09

Nun bin ich zwei Tage hier in dieser doch recht anderen Welt. Ich bin zwar noch am Ankommen, aber es ist mir sehr wohl. Das Guesthouse Sharnga besteht aus einer Vielzahl kleiner, eingeschossiger Häuschen, die mit Büschen, Hängepflanzen, kleineren und grösseren Bäumen völlig zugewachsen sind, ganz nach meinem Geschmack üppig überwuchert, so dass man sie selbst aus naher Distanz kaum erkennen kann. Die Häuschen sind zum Teil wild und unsystematisch aneinandergebaut und erweitert. Meines hat zwei grosse Räume und ein WC mit Dusche. Die Fenster sind nicht aus Glas, sondern aus Fliegengitter und Plastik, so dass es auch im Innern schön luftig ist. Überhaupt ist es von der Hitze her ein grosser Vorteil, dass es über den Häuschen gleich mehrere Blätterdächer gibt: ein guter Teil der Sonnenkraft wird aufgehalten, und hier unten sind die Temperaturen sehr angenehm. Ein weiterer Vorteil bietet der dichte Pflanzenbewuchs: Die Häuschen sind architektonisch nicht gerade das, was ich als schön bezeichnen würde: meistens betonierte Quader, einzelne mit Satteldach. Aussen sind sie verputzt, innen zum Teil mit Holz oder Bastmatten ausgekleidet. Die Hauseingänge sind dann allerdings schöner gestaltet. Ein Vordach auf zwei kräftigen, aber durch ihre Gestaltung schlank wirkenden Säulen gibt ihnen etwas Tempelartiges.

Kleiner „Tempel“ im Wald: mein Zuhause im Sharnga, Auroville


Für die Versorgung der Gäste sind hauptsächlich Tamilinnen zuständig, bunt gekleidete schlanke Frauen. Ihre aufrechte Körperhaltung drückt Würde aus. Diese ist gepaart mit viel Freundlichkeit und einer erstaunlichen Offenheit. Die meisten gehen barfuss und haben einen Ring an einer Zehe. Es gibt auch einige Tamilenmänner hier. Sie sind fürs technische und den Wachdienst zuständig. Auch sie sind meist schlank, tragen aber allesamt Schläppchen. Bernhard und Kripa sowie Eva sind für das Organisatorische zuständig, meines Wissens alles Europäer (Kripa ist in Auroville geboren).

13.02.09

Auroville und seinem Geist komme ich nur langsam näher. Seit Tagen bewege ich mich zwar auf seinen staubigen Strassen, doch Auroville gibt sich dort natürlich nicht preis. Die einzelnen Siedlungen und Studienzentren sind weit zerstreut auf einem Gebiet, das einen, wenn man zu Fuss unterwegs ist, riesig erscheint. Ein verdichtetes Zentrum gibt es nicht, dafür eine Vielzahl von – wie soll ich es nennen? – Weilern, Häuserensembles, wo man, wenn man noch niemanden kennt, nicht einfach neugierigen Blicks einzutreten wagt. Einzelne solche Fixpunkte habe ich trotzdem schon kennengelernt:

Als erstes die Town Hall, so etwas wie das Verwaltungszentrum von Auroville, auch als „Forschungszentrum für urbane Entwicklung“ bezeichnet, wo man einen Besucherpass erhalten und eine Art Konto eröffnen kann. Auf dem Gebiet der Stadt kannst du mit diesem Pass (inkl. Konto) alle Zahlungen tätigen, die dann deinem Konto abgebucht werden. Das entspricht der Forderung der „Mutter“ (Mira Alfassa), dass es auf dem Stadtgebiet kein Geld geben soll.

Abgesehen davon, dass es etwas Reizvolles hat, kein Geld bei sich haben zu müssen, wenn man in Auroville unterwegs ist, stellen sich mir da doch einige Fragen, wie: Ist die Kontokarte nicht einfach eine Art Bankkarte, und das Geld fliesst einfach im Hintergrund und nicht über den Tisch? Die Geldfrage ist auch in Auroville nicht wirklich gelöst, und das geben die Aurovillianer auch gerne zu. Diese Geldfrage ist weltweit nicht gelöst und drängt aktuell vehement nach einer Lösung. Aber Auroville hat, wie mir auf den ersten Blick scheint, auch keine Lösung. (Näheres zum Thema auf der Auroville-eigenen Homepage: http://www.auroville.org/economy/ – allerdings auf Englisch)

Trotzdem habe ich in der Town Hall ein Konto eröffnet. Dieses Gebäude ist übrigens recht gut rollstuhlgängig, indem die verschiedenen Ebenen mit zum Teil langen und darum nicht allzu steilen Rampen erschlossen sind. Es befinden sich dort die Financial Services inkl. die Auroville Fundation, Übersetzungs-, Kommunikations- und der Grafische Dienst sowie das Büro für internationale Beziehungen.

Unterwegs auf den staubigen Strassen von Auroville

14.02.09

Um das Visitor‘s Center kommt man nicht herum, wenn man den Matrimandir besuchen will. Es ist architektonisch recht ansprechend, enthält einige Läden, auch einen Buchladen – und es gibt dort ein rollstuhlgängiges WC.

* * *

Die Tage fliessen träge dahin und sind doch zu kurz. Ich lese viel, hauptsächlich in einem sehr spannenden Buch über Sri Aurobindo und die Mutter, über ihren Werdegang und ihre je eigene Suche nach dem Geistigen in ihnen selbst und in der Welt. Beide sind diesen Weg mit einer Konsequenz gegangen, wie ich sie nur bewundern kann: Sri Aurobindo den Yoga-Weg, die Mutter den okkulten Weg in Anlehnung an den Yoga. Aber beide sind den Weg mit einer bedingungslosen Forschergesinnung, mit Forschermut gegangen und haben ihn mit wissenschaftlicher Akribie verfolgt, und das lange bevor sie sich getroffen haben. Ferner habe ich einen ersten Durchgang durch das Kapitel über die Psychologie des integralen Yoga, eine Art „integralyogische Menschen- und Weltkunde“, gemacht. Die vielen neuen Begriffe über die Seins- und Bewusstseinsebenen erfordern mindestens einen zweiten Durchgang durch dieses Kapitel, um die Zusammenhänge nur einigermassen zu verstehen. Natürlich lese ich all dies vor dem Hintergrund der Anthroposophie. Ihre Kenntnis ist mir eine grosse Verständnishilfe, ohne dass ich jetzt beide Anschauungen in Übereinstimmung bringen oder bereits wesentliche Unterschiede erkennen könnte.

* * *

Auch bin ich viel auf den staubigen Strassen von Auroville unterwegs, lerne so das physische Auroville kennen. Das Zentrum bildet der Matrimandir, eine aus vergoldeten flachen Schalen gebildete, in der Senkrechten etwas zusammengedrückte Kugel, die kein Tempel sein will und doch von vielen wie ein Tempel verehrt wird. Gedacht ist er als Ort der Ruhe und der Konzentration, wo alle Menschen, unabhängig ihrer Religion, Zugang haben sollen und die Verbindung zum „Supramentalen Geist“ suchen können. Ein Mitgast im Sharnga verglich den Rummel um den Matrimandir, der nicht einfach so zugänglich ist, mit Disneyworld. Und so unrecht hat er nicht – zumindest von aussen betrachtet. Allerdings wollen ihn halt auch viele Menschen sehen, und das allein mahnt schon an Disneyworld.

Matrimandir, das Zentrum von Auroville

15.02.09

Indem ich im Buch „Sri Aurobindo und Mutter“ von Kireet Joshi lese, dringe ich in eine unglaubliche Welt von geistigen Ereignissen und Zusammenhängen ein. Meine eigenen Bemühungen und Erkenntnisse erscheinen mir geradezu stümperhaft angesichts der überaus grossen Komplexität und der Notwendigkeit, sich mit diesen geistigen Zusammenhängen zu verbinden, damit die Erde mitsamt ihren Bewohnern aus dem Griff des Materialismus befreit werden können. Und es wächst in mir das Bedürfnis und die Einsicht in die Notwendigkeit, diese Bemühungen auszuweiten und vermehrt die Verbindung zur geistigen Welt zu suchen. Dass das eher der anthroposophische Erkenntnisweg ist als der Yogaweg, wie er hier in Auroville gepflegt wird, steht ganz klar vor meinen Augen. Trotzdem kann ich erkenntnismässig von diesem einiges gewinnen. Verlockend ist es, auch bezüglich Erfahrung (übersinnlicher Art) in den Yoga einzutauchen. Mein Herz lechzt geradezu nach solchen Erfahrungen, habe ich mich bis jetzt doch vornehmlich mit dem Erkennen und Verstehen des Übersinnlichen befasst (im Yoga mit Mental bezeichnet).

Es ist mir bewusst, dass es nicht förderlich ist, nach übersinnlichen Erfahrungen zu lechzen. Jegliche Erwartung in diese Richtung führt in die Irre, da damit notgedrungen falsche Vorstellungen über das Übersinnliche verbunden sind. Ferner muss ich in mir den Boden für solche Erfahrungen vorbereiten, und da stehe ich trotz aller vergangenen, eher unsystematischen Bemühungen erst ganz am Anfang. Der anthroposophische Schulungsweg erscheint mir nüchterner, vielleicht auch trockener als der Yogaweg, bestimmt aber ist der eine nicht einfacher und leichter als der andere. Beide erfordern besondere Anstrengungen und Beharrlichkeit. Und beide sind fruchtbar. Eine Frage ist mir noch, wie bedingungslos die Hingabe sein muss: Während sich der anthroposophische Weg mit meinem bisherigen Leben sehr wohl verbinden lässt – verknüpft allerdings mit einigen grundlegenden Änderungen meiner Gewohnheiten –, scheint mir der Yogaweg auf ein grundsätzlich anderes Leben abzuzielen. Allerdings wird wohl der anthroposophische Weg, konsequent ergriffen, nicht weniger umwälzend sein. Vielleicht ist es das, was mich bisher davon abgehalten hat, bin ich doch mit meinem Leben wie es ist, recht zufrieden und sehe ich doch – subjektiv betrachtet – keine Notwendigkeit, es grundlegend zu ändern. Doch dies ist zweifellos mein Ego, das sich nicht aus der Trägheit und Behaglichkeit des sinnlichen Seins aufschrecken lassen möchte. Ich habe mich gut eingerichtet in meinem Leben, vieles Äusserliche und selbst vieles Innerliche ist in einer gewissen Harmonie, in einem Gleichgewicht. Und trotzdem bezahle ich dafür einen Preis: Anpassung an die Umstände – manchmal wider besseres Wissen, Investition eines guten Teils der Lebenskräfte in die Bewältigung des Lebensalltags, Verblassen meiner Werte (nicht aber deren Verrat), Erschöpfen meiner Lebendigkeit.

17.02.09

Heute mit Christel, einer französischen Newcomerin (das ist jemand, der sich neu in Auroville niederlassen möchte und eine Art Probezeit absolviert), einzelne Orte in Auroville besucht, eine Art private Einführungstour: zunächst Aquadyn, wo Wasser dynamisiert wird mit Strom (!), Mantren und platonischen Körpern; dann Buddhas Garden (da werde ich zurückkehren). Später eine Art Erd-Forschungszentrum mit Erdproben aus der ganzen Welt besucht, wo mit der Herstellung von ungebrannten Erdziegeln experimentiert wird und der statisch korrekte Bau von Gewölben mit solchen Ziegeln gelehrt wird. Schliesslich noch der Besuch einer Werkstatt für verschiedene, hauptsächlich dekorative Artikel mit natürlichen Materialien. Wieder bin ich Auroville einen Schritt näher gekommen.

18.02.09

Gute Erfahrungen mit Gedankenruhe und Meditation: Es gibt ganz vereinzelte und kurze Augenblicke, in denen Ruhe einkehrt in die sonst geradezu überwältigende Geschwätzigkeit meiner Gedanken. Immer wieder und fast unbemerkt schleichen sich Gedanken ein und beenden die Augenblicke der Stille. Wenn ich nicht genug aufmerksam bin, übernimmt dieses innere Stimmengewirr – einen inneren Dialog kann ich darin in den meisten Fällen nicht erkennen – wieder die Herrschaft. Immer und immer wieder von neuem muss ich für Ruhe sorgen. Und die Kraft, die dafür notwendig ist, hängt in hohem Masse davon ab, wie aufregend, in Beschlag nehmend der jeweilige Tag und seine Ereignisse sind. In den kurzen Augenblicken der Gedankenruhe ist es aber wie ein Absinken in einen unbekannten Raum – ja, ich erlebe es wie ein Absinken, nicht wie ein Aufsteigen –, wie ein Freiwerden, ohne noch genau zu wissen, wovon ich denn eigentlich frei werde – ausser natürlich vordergründig vom inneren Stimmengewirr –, und natürlich auch ohne wirklich zu wissen, in was für einen Raum ich in den Augenblicken der Ruhe versinke. Ich bin entschlossen, den Weg, den ich eingeschlagen habe, weiter zu gehen, was auch beinhaltet, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, und zwar bis ich einen vollständigen Durchgang mit den anthroposophischen Nebenübungen gemacht habe, was Mitte Juli dieses Jahres der Fall sein wird. Daneben möchte ich auch regelmässige Körperübungen machen, zwar eher spielerisch und was mit meinem Körper eben möglich ist, auf dem Bett liegend und sitzend. Dabei möchte ich eine gewisse Harmonie der Bewegungen anstreben, abgesehen davon, dass die Übungen diese Muskeln in Bewegung bringen sollen, die im Alltag weniger gebraucht werden.

Motiv: Den Körper nicht links liegen lassen, sondern als Werkzeug des Geistes anerkennen, nicht nur theoretisch, sondern auch im Tun. Alles in allem ergibt das ein ziemlich anspruchsvolles Programm, das hier in Auroville und in den Ferien doch recht einfach zu bewerkstelligen ist, seine Bewährungsprobe aber erst im Arbeitsalltag erhält. Ziel ist es, in dieser freien Zeit möglichst viel davon zu „implementieren“ und zu einer gewissen Routine und Gewohnheit zu führen.

20.02.09

Banyan-Baum beim Matrimandir besucht: Friedliche Stille erlebt, auch innerlich. Der Banyan hat etwas ausgesprochen Wesenhaftes und wird auch verehrt wie eine Gottheit, von aussen leicht misszuverstehen als Götzenanbetung. Das kann allerdings von aussen nicht wirklich beurteilt werden, sondern ist einzig eine Frage der inneren Haltung.

Banyan-Baum, ein weiteres Zentrum von Auroville

21.02.09

Nun beginne ich Auroville zu spüren, es einzuatmen – zusammen mit dem rötlichen Staub entlang den grösseren Strassen. Es ist ein friedlicher Fleck, fast ein Paradies, experimentierfreudig und unfertig. Die Menschen sind friedfertig, überall begegnet dir ein Lächeln auch von jungen Frauen. Ich spüre viel Wohlwollen, viel Interesse auch, hauptsächlich allerdings von den Einheimischen, den Tamileninnen und Tamilen. Sie bilden überhaupt in ihrer Mehrzahl eine eigene soziale Schicht im Gegensatz zu den „Internationalen“, den Residents und den Gästen. Hauptsächlich sind jene zudienend tätig, während sich die Residents um das Organisatorische, die Realisierung von Projekten kümmern. Das ist vielleicht ein natürlicher Prozess, denn die Tamilen kommen aus einem völlig anderen Hintergrund (sozial, Bildung, Lebensziele usw.) als die Westler, und es ist nicht so, dass die Einheimischen keine Chancen haben aufzusteigen, im Gegenteil: Sie werden gefördert, zum Beispiel, indem alle Kinder die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen. Ich glaube und hoffe nicht, dass es in Auroville einen unterschwelligen Rassismus gibt; trotzdem sind die Rassenunterschiede eine Tatsache.

* * *

Das Schwierigste ist, das Richtige und als notwendig Erkannte in Bezug auf das spirituelle Leben zu verwirklichen und in den Alltag zu bringen. Das ist harte Knochenarbeit. Immer und immer wieder muss ich umfallen und straucheln, und es ist mir klar, dass ich erst am Anfang stehe. Schnelle Erfolge sind keine in Sicht. Und dabei sind hier in Auroville die Umstände noch sehr günstig: Ich habe viel Zeit, mich um mein inneres Leben zu kümmern, und die Übungen, das Lesen und die Meditationen schränken das äussere Leben kaum ein (wenn denn überhaupt von Einschränkungen gesprochen werden kann). Die Schwierigkeiten im Schweizer Alltag kenne ich ja schon zur Genüge. Dennoch, kleine Fortschritte kann ich durchaus sehen. So fällt es mir zum Beispiel inzwischen deutlich leichter, konzentrierte Gedanken auch über längere Zeit zu haben. Zuweilen fällt mir deutlich auf, wie die Gedanken zappeln, ungeführt und rein assoziativ im normalen „Denken“. Und ich empfinde es als Wohltat, wenn es mir gelingt, einen ruhigeren, zusammenhängenden Gedankenstrom zu erzeugen, was oft äusserste Konzentration erfordert. Das ist wohl die Vorstufe zur Gedankenruhe, die mir nur für kurze Augenblicke gelingt. Die Willensübung, die ich allerdings erst vor zehn Tagen begonnen habe, fällt mir sehr schwer. Hier sind besondere Anstrengungen nötig, um weiterzukommen. Doch vielleicht ist es falsch, bei den Übungen auf den (schnellen) Erfolg zu schielen. Vielleicht sollte ich mehr Vertrauen haben, dass sich der Erfolg einstellen wird, wenn ich mich redlich bemühe. Vielleicht sollte ich den Fortschritt auch eher als eine Gnade anschauen denn als ein Zweck des Übens. Doch für harte Knochenarbeit muss man schon irgendwoher Motivation holen.

Auf die Meditationen freue ich mich richtiggehend, am Abend hauptsächlich darauf, mein Bewusstsein aus dem Alltag zu heben. Die Konzentration fällt mir allerdings auch hier schwer. Morgens hat die Meditation eine andere Qualität. Hier muss ich das Bewusstsein zügeln, weil es in den Tag galoppieren möchte. Abends ist die Müdigkeit eher das Problem und die Übersättigung des Bewusstseins durch das Tagesgeschehen. Gute Erfahrungen mache ich mit der Tagesrückschau. Der Tag rundet sich damit besser ab, und im Gegensatz zu früheren Erfahrungen bereitet sie mich gut für den Schlaf vor. Früher habe ich sie als weckend empfunden.

23.02.09

Gestern war ich in Pondicherry, zusammen mit Alan, einem anderen Gast im Sharnga. Die Stadt ist lärmig, chaotisch, und die Luft ist schlecht, zumindest in den Hauptstrassen. Einiges erinnert mich an Hanoi: der französische Kolonialstil im entsprechenden Quartier, die Vielgestaltigkeit der kleinen Läden entlang der Strassen, der chaotische und lärmige Verkehr. Und überall ein Gewusel von Menschen, die ihren Geschäften nachgehen – oder schlicht irgendwie überleben wollen.

Einzelne Male wurde ich von Bettlern und auch von einer Bettlerin mit Kind angesprochen. Interessanterweise sprechen sie immer mich an und nicht meinen Begleiter. Wir sind ganz schön ins Schwitzen gekommen in Pondi und haben sehr bald einen Park aufgesucht mit schattenspendenden Bäumen und später in einem Restaurant, Teil eines recht gediegenen Hotels, Zuflucht genommen. Wir haben nur einen kurzen Blick in den Sri Aurobindo-Ashram werfen können, da gerade „Mutters“ Geburtstag war (am Vortag) und sehr viele Menschen dort waren. Vielleicht ergibt sich nochmals die Gelegenheit, den Ashram zu besuchen, am liebsten dieses Mal mit einem kundigen Begleiter. Am Nachmittag haben wir uns mit zwei jungen Frauen, Gästen vom Sharnga, zum Essen getroffen, und zwar in einem Restaurant der gehobenen Klasse, auch dieses Teil eines besseren Hotels: der Eingang bewacht von einem Wächter mit Metalldetektor. Das Essen war sehr, sehr gut, doch habe ich mich die ganze Zeit nach der Einfachheit in Auroville gesehnt. Das Mondäne ist nicht meine Welt, wenn es auch in dieser indischen Umgebung ab und zu als Zuflucht mit dem von Europa her gewohnten Komfort (und meist für mich zugänglichen Toiletten) durchaus hilfreich ist.

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Abends wieder zurück in Auroville und im Cinema Paradiso in der Town Hall einen berührenden Film über Auroville und seine Bewohner gesehen. Alan war auch dabei. Eindrücklich hauptsächlich die Aufnahmen und Interviews aus den Anfangszeiten vor etwa vierzig Jahren: Mit welchem Feuer und mit welcher gemeinschaftlichen Kraft damals das Projekt Auroville in die Tat umgesetzt wurde! Bis in den Gesichtsausdruck und hauptsächlich im Blick der beteiligten Menschen – darunter viele Hippies – war dieses innere Feuer deutlich erkennbar. In gemeinschaftlicher Handarbeit – schwerere Baumaschinen gab es keine – wurde damals in kurzen Zeit viel erreicht. Mit einzelnen dieser Aufnahmen wurden die Aurovillianer von heute konfrontiert und über das Heute und Damals befragt. Deutlich erkennbar war, dass das Feuer schwächer geworden ist, so wie ja auch die Menschen von damals älter geworden sind. Wie kann es auch anders sein? Ein solches Feuer kann nicht über wirklich lange Zeit aufrecht erhalten werden. Es muss sich verändern, so wie auch ein Mensch nicht ewig jugendlich bleiben kann. Aber muss sich ein solcher Impuls abflachen? Wie muss er sich – nach der Pionierphase – verwandeln, damit das ursprünglich Gemeinte realisierbar bleibt und nicht nach und nach einfach verschwindet, gerade so als hätte es die Idee nie gegeben? Vielen Ideen und Impulsen droht ein solches Schicksal, und es sind jeweils ähnliche Entwicklungsstadien zu beobachten. Während ich den Film anschaute, kam in mir ein deutliches Sehnen, an diesem Projekt teilzuhaben.

Nach dem Film Yuval getroffen, der mich möglicherweise mit einem Tamilen bekannt machen wird, der selbst eine Körperbehinderung hat und in den umgebenden Dörfern Projekte der Selbsthilfe mit Körperbehinderten unterhält.

25.02.09

Gestern Vormittag nach langem Warten tatsächlich den Tamilen getroffen, dessen für meine Ohren ungewohnten und komplizierten Namen ich dummerweise nicht behalten konnte. Nicht vergessen habe ich indessen sein Auftreten und seine Ausstrahlung. Auf allen Vieren kam er ins „Le Café“ in Pondi, die Beine eher nachschleifend denn als Hilfe benutzend. Allerdings war er sehr beweglich und viel selbständiger, als wenn er im Rollstuhl gesessen wäre. Er kam in Begleitung, einem jungen Tamilen, der ihn auf einem normalen Motorrad hergebracht hatte. Äusserst lebendig und in einem schnellen, mir schlecht verständlichen Englisch erzählte er von seinen Projekten, die grundsätzlich auf Selbsthilfe angelegt sind und – wie mir scheint – mit sehr wenig Geld vieles erreichen. Freiwillige, die geschult werden, gehen in die einzelnen Dörfer und klären Körperbehinderte und deren Familien sowie die Umgebung auf über Behinderung und über die Rechte von Behinderten. Ferner werden die Behinderten in Fertigkeiten geschult, die ihnen ermöglichen, eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen, wie zum Beispiel das Reparieren von Mobiltelefonen oder was auch immer in den Dörfern hilfreich ist. All das geschieht natürlich auf einer sehr anfänglichen, grundlegenden Stufe. Das Ziel ist, dass die Menschen mit Behinderung ihren Lebensunterhalt selber verdienen können. Des Tamilen Haupttätigkeit ist die Rekrutierung, Ausbildung und Organisation der Freiwilligen. Ferner hat er, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, einen Internetshop, der von jemand anderem geführt ist. Sein Projekt ist das einzige Selbsthilfeprojekt für und von Behinderten in Tamil Nadu. Gleichzeitig ist er auch Chairman des Dachs der Organisationen der Behindertenhilfe in Tamil Nadu. Auf Fragen antwortet er schnell und immer mit einem Lächeln. Gleichzeitig gestikuliert er lebhaft mit seinen erstaunlicherweise recht feingliedrigen Händen. Er muss sehr intelligent sein und hat eine schöne Ausstrahlung.

* * *

Die Tage fliessen dahin in einer durchaus gewollten Einförmigkeit und Ruhe. Ich lese viel, mache meine Übungen und Meditationen und bin auch viel in Auroville unterwegs. Am schwierigsten empfinde ich die gemeinsamen Abendessen im Guesthouse, ohne genau zu wissen weshalb. Vielleicht weil ich mich gedrängt fühle, mich zu unterhalten und das doch so schlecht kann – zumindest in der Gruppe. Vielen ist die Unterhaltung ein natürliches Bedürfnis, und sie gelingt wie von selbst. Ich erlebe sie als Anstrengung, nicht zuletzt wegen meinem mangelhaften Englisch, und würde sie oft am liebsten sein lassen. Es ist wie eine Scheu, die ich manchmal überspiele, indem ich besonders interessant erscheinen möchte. Beim Gespräch mit einzelnen Menschen ist das völlig anders. Da suche ich meinerseits oft das Gespräch und kann mich darin verlieren. Es ist nicht Menschenscheu, die mich zu diesem Verhalten veranlasst, sondern eine Art Gruppenscheu. Woher die stammen mag? Ich erlebe in der Gruppe tatsächlich ein Minderwertigkeitsgefühl, wie ich es gegenüber einzelnen Menschen nicht erlebe.

27.02.09

Bald ist die Hälfte meines Aufenthaltes in Auroville vorbei. Die Zeit vergeht schnell. Und sie stellt für mich ein vielschichtiges Erlebnis dar. Da ist zunächst Auroville, die utopische Stadt, der ich durch Begegnungen und Veranstaltungen immer näher komme, ihre Widersprüche und unverbrauchten Ambitionen immer besser kennenlerne. Da ist Indien, dem ich am Rande von Auroville, in den Dörfern (und in Pondicherry) begegne – natürlich auch in seiner bedrückenden Armut, seiner Schmutzigkeit, seinem Chaos. Aber auch das mystische Indien, der Bilderreichtum seiner Götter – der für mich zuweilen fast etwas Comicartiges hat mit den überzeichneten Figuren, die sich in einem meist dramatischen Geschehen befinden –, auch das uralte Indien begegnet mir.

Üppige Bilder, wohin man schaut


Da ist weiter das innere Abenteuer, in dem ich mich befinde, mit den Seelenübungen, die immer mehr zu meinem Alltag gehören, und den Meditationen, die mir ganz subtil neue Seelenräume eröffnen – und manchmal überhaupt nicht gelingen. Und da ist schliesslich das soziale Abenteuer, das sich dadurch ergibt, dass ich alleine unterwegs bin – eine Herausforderung auch das, der ich manchmal ausweiche und manchmal genüge. Dieses vielschichtige Abenteuer berührt mich ausserordentlich, ergreift mich ganz, verwandelt mich.

28.02.09

Dhansu, ein Wächter in der Nähe des Matrimandir, hat mich gestern zu einem Vishnu-Tempel ausserhalb von Kottakarai an der äussersten Peripherie von Auroville geführt. Hier ist das Land offener, und es gibt mehrere Tempel und einzelne Reisfelder. Eine recht grosse, von einer Mauer umfriedete Fläche bildet der Tempelbezirk. Vor dem Eingang in den inneren Tempelbereich haben drei Frauen ihre Tischchen aufgestellt und verkaufen für ein paar Rupien Blumengirlanden, Wachslämpchen sowie Bananen und Kokosnüsse. Nach dem Kauf einiger dieser Devotionalien sind wir über mehrere Stufen in den inneren Bezirk und in den Tempel gelangt. Die Wände und die Decke sind vollständig mit reliefartigem Messing ausgeschlagen, wirklich vollständig, und es war sehr, sehr warm. Der Priester, ein fester Mann mit entblösstem Oberkörper nahm die Devotionalien entgegen und legte sie auf ein Messingtablett, auf dessen Rand eine Flamme loderte. Nachdem er mich nach Frau und Kindern gefragt hatte, ging er mit dem Tablett singend durch eine Kammer in das eigentliche Heiligtum und legte dort meine Darreichungen über und vor eine Art Statue oder aufrechten, bemalten Stein, an dem ich nichts Figürliches erkennen konnte. Heute weiss ich, dass es eine Stele, ein Lingam war, der Krishna repräsentiert.

Nach einer Weile brachte er mir die derart gesegneten Sachen zurück, hing mir die Girlande aus Jasminblüten um, spaltete die Kokosnuss auf – die Milch schüttete er in einen grossen Messingtopf – und machte mir mit einem weissen und einem roten, ziemlich fetten Pulver ein Zeichen oberhalb der Nasenwurzel. Die Früchte händigte er mir aus, ebenso ein wenig von beiden Pulvern, in Zeitungspapier verpackt. Derart gestärkt ging es auf den Rückweg.

Fast noch mehr beeindruckt hat mich, mit welcher Ängstlichkeit sich Dhansu, mein Begleiter, um mich gekümmert hat. „I have fear“, hat er auf dem Weg immer wieder gesagt und ist meistens mit seinem Fahrrad fast in der Mitte der Strasse gefahren, damit mir ja niemand zu nahe käme. Auf der Treppe kippte diese Ängstlichkeit beinahe in Entsetzen um, und ich spürte hinter mir ein schlotterndes, keuchendes Männlein. Nachdem ich ihn derart kennengelernt habe, dünkt mich sein Gesichtsausdruck sprechend, indem sich darin gewissermassen das Entsetzen, die Angst bereits eingegraben hat. Das Weiss seiner Augen ist stark bräunlich verfärbt, und offenbar hat er auch, vor allem nachts, Sehprobleme.

* * *

Heute Morgen um vier Uhr aufgestanden, um an der Geburtstagszeremonie von Auroville im Amphitheater teilzunehmen. Etwa vierhundert Teilnehmende hatten sich noch in der Nacht versammelt, um in meditativer Stimmung, aber unter Ausschluss von religiösen Ritualen die Morgendämmerung zu erleben. Dazu brannte ein Feuer in Mitten einer grossen Rosette, einem Mandala aus weissen Blüten. Der ganze innere Bereich um die Urne war mit weissen Blüten geschmückt. Später ertönten Originalaufnahmen der Mutter, hinterlegt mit süsslicher Musik, danach auch die Charta von Auroville, von ihr in französischer Sprache gelesen. Hinzu kamen Übersetzungen ins Englisch, Hindi und Tamilisch. Das Erlebnis war sehr schön und stimmungsvoll, auch weil so viele unterschiedliche Menschen aus der ganzen Welt versammelt waren.

Stimmungsbild vor Sonnenaufgang an der Feier zum Geburtstag von Auroville

01.03.09

Gestern Nachmittag an einem kleinen „Eco-friendly Ralley“ teilgenommen und Aurovillianer kennengelernt, die in Sachen erneuerbarer Energien aktiv sind, zum Beispiel indem sie Elektromotorräder bauen, die vom Design her zwar nicht ganz auf der Höhe der Zeit erscheinen, aber eine respektable Leistung erbringen und auch zahlbar sind. An einzelnen Orten von Auroville, zum Beispiel bei der Solarküche, hat es öffentlich zugängliche Ladestationen, die mit Solarstrom gespiesen werden. Natürlich habe ich sehr viel Interesse und Bewunderung für meinen Trac erhalten. Den wollte ich dort ja auch vorführen …

Die Offenheit und das herzliche Interesse für den anderen sind wirklich einmalig hier in Auroville – vor allem, weil beides hier so gehäuft auftritt. Hinzu kommt der immer noch deutliche und vielenorts spürbare Impuls, vorwärts zu streben – und zwar nicht in einem auf das Materielle reduzierten Sinn – und neue Horizonte zu entdecken. Dies und noch einiges mehr führen dazu, dass ich von diesem Entwurf einer neuen Menschlichkeit mit spirituellem Einschlag sehr angetan bin und manchmal mit dem Gedanken kokettiere, daran teilzunehmen. An Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten würde es nicht fehlen. Die zukunftsoffene Atmosphäre hat etwas Ermutigendes, Befreiendes.

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Auf dem inneren Weg habe ich das Gefühl still zu stehen (aber nicht des Rückschritts): Die Konzentration in den Meditationen gelingt mir nur unzureichend, und zwar unabhängig der äusseren Atmosphäre, die manchmal sehr belebt und aufdringlich sein kann. Trotzdem freue ich mich jeweils auf die Meditation. Und einzelne Male – bisher waren das zwei, drei Momente – gelingt mir die Konzentration unvermutet und ohne Einschränkung. Sie ist dann auch recht mühelos über ein paar wenige Minuten zu halten. Andere Male scheint das ganz und gar unmöglich. Die Alltagsgedanken, das innere Geplapper drängen sich dann so vehement ins Bewusstsein – oder schleichen sich unerkannt ein –, dass ich dem wie chancenlos gegenüberstehe. So ist das ein Auf und Ab, und ein Aufwärtstrend ist kaum erkennbar. Doch hier muss ich Geduld üben und Vertrauen, habe ich doch erst vor zwei Wochen damit angefangen. Etwas weiter fortgeschritten bin ich mit den Nebenübungen. Die Gedankenübung ist mir – als Übung, nicht als kontinuierlich ausgeübte Gedankenkontrolle – schon fast zur Gewohnheit geworden. Ich kann sie bereits mit Erfolg auf umfassendere Themen als „nur“ die Stecknadel und dergleichen anwenden. Auch bei der Willensübung habe ich kleine Fortschritte erzielt. Dadurch dass ich mir immer zur selben Zeit dieselben Handlungen vornehme, kann ich sie immer genauer verwirklichen. Doch das ist nur der Anfang. Denn durch die Regelmässigkeit und die Wiederholung der stets gleichen Handlungen werden diese natürlich zur Gewohnheit und verlieren den Charakter eines freien Willensimpulses. Zwischendurch während den Meditationen, aber auch sonst in stillen Augenblicken, entstehen innere Bilder, wie ich sie bisher nicht gehabt habe. Es sind inhaltlich verworren ineinanderfliessende, aber deutlich erkennbare Phantasiegebilde – mit deutlicherer Formhaftigkeit, als ich sie bisher kenne –, denen ich allerdings nicht allzu grosse Bedeutung zumesse. Sie können nicht willentlich hervorgezaubert, sehr wohl aber zum Verschwinden gebracht werden.

02.03.09

Heute Morgen den Matrimandir besucht. Auf einer weissen Sänfte wurde ich von vier Männern in den zentralen Meditationsraum („the inner chamber“) getragen – durch das surreal wirkende Innere des Matrimandir. Ich habe eine Art Ehrerbietung erfahren wie noch nie in meinem Leben. Die runde (vieleckige) Meditationshalle misst etwa zwanzig Meter im Durchmesser, vielleicht auch mehr, und ist ganz in Weiss gehalten respektive crèmefarben. Darüber eine Kuppel, durch die am Zenit ein durch eine Glaslinse gebündelter Sonnenstrahl senkrecht herunterfällt. Auf einem Metallgestell mit Davidssternsymbolen am Boden steht eine Glaskugel (Ø = 70 cm), die diesen Sonnenstrahl auffängt beziehungsweise weiter nach unten leitet, durch den ganzen Baukörper des Matrimandir hindurch, also durch die ganze leicht abgeflachte Kugel, die die Aussenhülle darstellt. Unter dieser Kugel befindet sich eine Art Teich, leicht trichterförmig gebaut und mit Lotusblütenblätter aus Marmor belegt, die wie Dachziegel angeordnet sind. Und über diese Lotusblätter gleitet von der Peripherie her eine dünne Schicht Wasser bis zum Zentrum. Dort steht wieder eine, aber deutlich kleinere Glaskugel, auf die der Sonnenstrahl letztlich trifft.

Der zentrale Meditationsraum ist angenehm kühl, und es herrscht trotz der etwa fünfzig Meditierenden (oder gerade deswegen), eine hochkonzentrierte Stille. Der Aufenthalt an diesem Ort hat mich in hohem Masse beseelt. Erfüllt mit einer grossen Freude kam ich wieder hinaus, verändert und gestärkt. Es ist, wie wenn an mich ein Ruf gegangen wäre – und zwar ganz konkret –, dem Göttlichen zu dienen, das Schöne, Wahre und Gute zu befördern, wo immer ich kann. Ein besonderes Erlebnis bei völlig klarem Bewusstsein …

03.03.09

Kurz vor der zehntägigen Reise durch Südindien einen ruhigen Tag vor mir. „Kleines“ Reisegepäck vorbereiten, Häuschen leeräumen, um vier Uhr Besuch einer Aurovillanerin, die mit mir sprechen möchte (über ?), abends erhalte ich massgefertigte leichte Schuhe für die Reise (…), da meine Schuhe aus der Schweiz zu warm sind. Am liebsten würde ich barfuss auf die Reise gehen, doch vielleicht werde ich ganz froh um einen leichten Schutz sein. Ich bin gespannt auf meine bevorstehende Südindienreise mit Bubalans Bruder Chaimuthi.

Thanjavur, 04.03.09

Erster Tag unterwegs in Südindien. Abends Hotel in Thanjavur. Wir sind sehr viel und ziemlich hektisch Auto gefahren. Der erste Tempel war der spannendste: voller Leben, unzählige Nischen und Kammern mit Göttern, teilweise in endlosen Reihen und mit aufsteigenden Nummern bezeichnet, wohl damit man weiss, welches welcher ist, denn die relativ kleinen Statuen sehen alle gleich aus. Unvermittelt stand ich vor einem grossen Schrein, der wie eine Theaterbühne wirkte, zunächst mit mehreren Blechtoren verschlossen. Davor stand in Erwartung eine Menge Menschen, rufend, singend, vor sich hin betend. Etwas entfernt schlugen zwei Männer – einer davon hatte eindeutig mongoloide Gesichtszüge – grosse Glocken, sodass sie bestimmt im Lauf ihres Lebens einen Gehörschaden davon tragen. Etwas näher betätigte eine Frau eine Art Rassel mit kleineren Glocken. Das alles fand in einem recht dunklen Säulenlabyrinth statt, uralt und voller Stufen, also auf verschiedenen Ebenen. Dann wurden die Blechtore geöffnet und gaben den Blick auf Shiva frei. Zunächst war da eine breite Kammer, in der die recht jungen Priester (Mönche?) hantierten, dahinter die kleinere Kammer mit der Statue von Shiva. Etwas weiter vorne trat ein breiter Strahl gleissend wirkenden Sonnenlichts herein. Als der Schrein sich öffnete, wurden die Leute aufgeregter und hoben die indisch gefalteten Hände hoch über den Kopf. Mir wurde eine gut schmeckende, aber ziemlich scharfe Reiskugel gereicht.

Es gab auch ruhigere Gänge in diesem Labyrinth, die zur inneren Stille einluden. Die ganze Atmosphäre war sehr beeindruckend, ist aber schwer zu beschreiben. Da ist zunächst das unglaubliche Alter der dunklen Hallen und Gänge. Die sind aber vollen Lebens; darunter viele junge Mönche. Das alles ist begleitet von einem Duftgemisch aus Weihrauch und anderem Räucherwerk – und Gammelgestank. Danach zwei weitere Tempel besucht, die eher musealen Charakter hatten. Doch bei allen dreien: Wo immer Oberfläche ist, ob draussen oder im Innern, ist auch Bild, Darstellung.

Wo immer Oberfläche ist, ist auch Bild – Überbau des Tempels in Chivandaram


Danach eine kleine Hausseidenweberei besucht und einen Sari aus Seide für Judith gekauft. Herstellungszeit: einen Monat, davon eine Woche zum Einrichten des Webstuhls – wohlgemerkt: bei 7-Tage-Woche. Preis: 3’600 Rupien, was etwa 58 Euro entspricht, nicht ganz neunzig Franken.

* * *

Auf der Reise ist es ungleich schwieriger, das innere Leben in derselben Intensität wie in den letzten drei Wochen aufrecht zu erhalten. Die zweite Nebenübung (Willenstat) ist heute nur mangelhaft gelungen. Es braucht eine besondere Anstrengung, damit nicht der alte Schlendrian Einzug hält.

Thanjavur, 05.03.09

Real India – schön und hässlich zugleich! Das dunkle Indien mit seiner weit verbreiteten Armut und seinem bedrückenden Elend ist Sklave der materiellen Versorgung: Nahrung, Unterkunft und Arbeit. Das heisst, ein guter Teil der Menschen lebt in prekären Verhältnissen bis hin zur bittersten Armut und muss den Hauptteil seines Strebens dem Nahrungserwerb opfern. Das dunkle Indien ist anstrengend. Sein Chaos, sein Lärm, sein Gestank – alles dringt in mich ein, berührt, ja beeinträchtigt mich. Es fällt mir schwer, mich davon abzugrenzen. Ich möchte das eigentlich auch nicht. Denn um mich von Indien ergreifen zu lassen, bin ich ja hier. Trotzdem, was mache ich mit den vielen Bettlern, mit der jungen Mutter am Strassenrand, die ihr Kind schlägt, und zwar kräftig? Was mache ich mit den vielen Menschen, die mir ihr Zeug verkaufen wollen, das ich doch nicht brauche? Heute habe ich mich geradezu gezwungen gefühlt, eine Statue zu kaufen. Sie ist bestimmt schön und auch wertvoll. Aber als ich aus dem Laden heraus kam, war ich nicht glücklich, sondern wütend – das erste Mal seit langem.

Dunkel erscheint mir Indien auch wegen seiner uralten Kultur und Religion. Es werden die alten Götter in alten Tempeln angebetet. Hätte ich Auroville nicht kennengelernt, ich hätte den Eindruck, Indien sei stehen geblieben. Nicht dass ich die westliche Moderne als besonders erstrebenswert empfinde – aber ich sehe ausserhalb von Auroville nur wenig Zukunftswille, eher eine Art Flucht in die Vergangenheit. Ich sehe allerdings hier auch ein Dilemma. Denn wo anders soll Indien mit seinem Prekariat in den Zeiten der Globalisierung auch hinstreben als in Richtung westlicher materieller Kultur?

Und das helle Indien – gibt es das auch? Da ist zunächst die aus der Not geborene Bescheidenheit der Menschen und ihre Freundlichkeit. Überall – auch ausserhalb von Auroville – begegnet dir ein Lächeln, wann immer du in die Gesichter schaust. Etwas Kindliches, dir Zugewandtes blickt aus diesen Gesichtern. Da ist auch das trotz seiner Grösse einigermassen funktionierende Indien, das seinen Menschen ein wenn auch prekäres Auskommen bietet. Bei der allgegenwärtigen Religiosität bin ich mir nicht mehr sicher, wie ich sie bewerten soll. Meine Vorstellung vom spirituellen Indien muss ich revidieren. Der Hinduismus in seiner weit verbreiteten Form ist in Bezug auf den spirituellen Gehalt wohl nicht anders als der Katholizismus oder jede andere institutionalisierte Religion. Trotzdem spricht aus ihm ein spiritueller Gehalt, eine Vielfalt an spirituellen Themen, die ihresgleichen sucht, aber nicht leicht erschlossen werden kann und für den heutigen Menschen eher okkult vorhanden ist.

Die Menschen Indiens – ein Bilderbogen

Thekaddy, 08.03.09

Die Nebenübungen gehen unter im Meer der vielen Eindrücke und Gespräche. Auch die Meditationen sind schwer durchzuführen. Sie fransen aus und gelingen nur unbefriedigend. Unterwegs sein ist dem inneren Leben eindeutig nicht förderlich. Abgesehen davon durchlebe ich eine spannende Zeit: Nach Thanjavur (2 Tage) ein Tag in der Nähe von Madurai (Teni, Alps Guest House) mit Besuch eines riesigen Tempels (vier grosse Tempelgebäude, alle eingerüstet und mit Palmwedeln zugedeckt). Vor Madurai noch Besuch eines Palastes mit Mittagessen auf Bananenblatt. Das ganze Dorf bestand mehr oder weniger aus Palästen. Nach Madurai, wo ich drei Hemden aus Seide nähen liess, lange Fahrt nach Thekaddy, dem ersten grösseren Ort in Kerala, in den Bergen gelegen. Hier blieben wir zwei Tage. Nach der ersten Nacht frühmorgens Bootsfahrt auf dem nahe gelegenen Stausee – war nicht sonderlich spannend, aber immerhin eine Bootsfahrt. Danach „lazy afternoon“ mit stundenlangen Gesprächen mit Altaf, einem Kaschmeri und Handicraft-Verkäufer. Wir sprachen über Gott und die Welt, über Spiritualität und Sufismus. Seine Verkäufe brachen dieses Jahr um sechzig Prozent ein … Danach liess ich Kinder auf dem Trac reiten, zunächst waren es ein paar wenige, danach wuchs die Schar mehr und mehr.

Backwater, 09.03.09

Es ist warm und feucht, aber wunderschön auf den Backwaters von Kerala: ein riesiges System grösserer und kleinerer Flussarme, gesäumt von Palmen und andere dichten Pflanzen und einigen kleinen Häuschen, die zum Teil direkt ans Wasser gebaut sind. Es ist sehr ruhig. Ab und zu hört man zwar Autolärm von einer nahen Strasse oder von einem vorbeifahrenden Boot, sonst nur Vogel- und andere Tierstimmen – und einzelne Menschenstimmen. Das ist mit der ruhigen Stimmung und dem vielen Wasser sowie mit den dicht bewachsenen Ufern etwas vom Schönsten, was ich je gesehen habe. Wir befinden uns zu sechst auf einem sehr grossen Hausboot. Die Landschaft zieht langsam vorbei, und immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Hier könnte ich länger verweilen. Es ist einer der Höhepunkte meiner Reise.

Eines der vielen, vielen Hausboote auf den Backwater


Kochi, 11.03.09, frühmorgens

Am faszinierendsten sind jeweils die Zeiten, wenn ich alleine unterwegs bin. Dann komme ich Indien am nächsten. Vielfach sind es Gespräche, die in den üblichen Kategorien beginnen – Inder – Europäer, Einheimischer – Tourist, eher arm – eher reich –, aber mit etwas Glück bald eine Ebene erreichen, wo ein Austausch von Mensch zu Mensch möglich wird, angetrieben von einem gegenseitigen Interesse, das bar von jedem Egoismus ist. Gestern in Kochi war das möglich mit einem Strassenhändler, der mich zum Tee einlud; in Thekaddy war das mit Altaf möglich. (Beide hatten übrigens ihre Laufburschen, die jeweils den Tee holten.) Es ist wie ein kleines Wunder, wenn solche Gespräche möglich werden, und ich erfahre dabei einiges über ihr Leben – und über Indien. Kochi ist für mich aber auch spannend, weil es eine Hafenstadt und auf mehrere Inseln verteilt ist. Mehrere Hochseefrachter konnte ich beim Einlaufen beobachten, aber auch Fischkutter und kleinere Schiffe. Die Inseln sind mit dem Festland und untereinander, teils mit (Auto-)Fähren, teils mit Brücken verbunden. Kochi selber (eigentlich Fort Kochi) lebt vom Tourismus – der allerdings über etwa vier Monate wegen des Regens fast vollständig ausbleibt – und vom Fischfang.

Heute treten wir die Rückreise an, quer durch Südindien und ziemlich direkt Richtung Pondi. Ich bin unterwegs mit drei Französinnen und zwei Franzosen sowie den zwei Fahrern. Sie sind alle sehr angenehme Reisegefährten. Die eine, Fabienne, ist Aurovillianerin und ist bald ihr halbes Leben wegen des Berufs ihres Mannes in der ganzen Welt unterwegs, was man ihr mit ihrer bestimmten Art und ihrem weiten Horizont auch anmerkt.

Sharnga, 13.03.09

Die letzten drei Tage waren hauptsächlich der Rückreise, dem Weiterkommen gewidmet. Von Kochi ging es über tausend Kurven ins Gebirge nach Munnar. Eindrücklich sind die Teeplantagen, die ganze Hügelzüge bedecken. Wie ein saftig grüner Flickenteppich legen sie sich über die Landschaft. Da hauptsächlich die frischen Triebe von Hand gesammelt werden, sind die Teestöcke zu einzelnen „Flicken“ zusammengefasst, die umgehbar sind und auf etwa Hüfthöhe ein flaches Dach bilden, sodass jeder Bereich von Hand gut erreichbar ist. Trotz des schönen Anblicks konnte ich nicht vergessen, dass es eben doch grossflächige Plantagen sind – mit allen damit einhergehenden Folgen. Ebenso eindrücklich ist der Wald, der in tieferen Lagen immer üppiger wird und teilweise ehrwürdige Baumriesen beheimatet. In einer gewissen Höhe folgen Gummiplantagen mit ihren im unteren Bereich spiralig eingekerbten Borken. In Munnar selber habe ich von einer Anhöhe aus – ich war nicht der einzige – die erste Hälfte eines Fussballspiels beobachtet. Es war ein ziemlich grobes, nicht sehr schönes Spiel.

Teeplantagen in den Bergen um Munnar


Die Pflückerinnen an der Arbeit


Am nächsten Tag lange Fahrt nach Trichy, zunächst mit weiteren Kurven – etwas mehr als vorgesehen, da die geplante Strasse gesperrt war. Die Umfahrung war ein kleines Abenteuer, vor allem der letzte, steile Abstieg in die Ebene über eine schlechte Strasse mit 18 Spitzkehren (sie waren nummeriert).

Danach lange Weiterfahrt nach Trichy, wo wir im ersten und einzigen einigermassen rollstuhlgängigen Hotel der Reise übernachteten. Am nächsten Morgen haben wir zwei Tempel besucht, wobei der zweite sehr gross war. In diesem Tempel, der ein ganzes Quartier umfasste und aus sieben Tempelgebäuden bestand, hätte ich Tage verbringen mögen. Er war voller Leben: Da waren im äusseren Bereich eine Unzahl von Läden und Ständen mit Sachen des täglichen Bedarfs. Teilweise wurden sogar im Inneren der Tempelgebäude Dinge lautstark feilgeboten. Neben Meditierenden lagen Schlafende, es gab Bettler, Sadhus, ganze Schulklassen – und die sind jeweils riesig – und natürlich Betende, die ihre Riten abhielten, und Mönche. Bei einem Sadhu hielt ich mich eine Weile auf. Er betastete meine Füsse, nahm mir den Puls und murmelte etwas vor sich hin, das ich nicht verstand. Er strahlte eine zufriedene Ruhe aus. Ein Gespräch war nicht möglich.

Eine Begegnung der besonderen Art in Trichy

14.03.09

Das innere Leben hat wieder mehr Raum, den ich, teilweise zumindest, auch nutze. Mit den Erfahrungen der letzten Wochen gewinne ich einen Eindruck, wie anspruchsvoll und herausfordernd die Aufgabe ist, das innere Leben und die Meditation kontinuierlich zu pflegen. Es ist nicht so, dass mich diese Erfahrungen entmutigen. Trotzdem wird mir bewusst, dass ich dafür einen Freiraum im Alltag schaffen muss und dass mir dieser unbequeme Weg auch Opfer abverlangt. In den Ferien ist das eine Sache; doch wie sieht das aus, wenn ich wieder zurück im Alltag bin? Habe ich dann die Kraft und das Durchhaltevermögen, dran zu bleiben? Denn schnelle Erfolge darf ich keine erwarten, und ob die Kraft ausreicht zur Überwindung der Durststrecke bis zur gefestigten Überzeugung, dass dies der richtige und notwendige Weg ist, bleibt offen. Denn obwohl ich mich nun seit Jahren mit Anthroposophie und spirituellen Fragen beschäftige, sind bis jetzt handfeste spirituelle Erfahrungen ausgeblieben, was dem stillen, heimlichen Zweifel Raum auftut. Es ist weniger der Verstand, in dem die Zweifel aufkommen – die Wirklichkeit einer geistigen Welt ist ihm durchaus logisch –, sondern es sind andere Bereiche der Seele – vielleicht dort wo üblicherweise der Glaube auftritt –, wo mir die Gewissheit fehlt. Und diese stillen Zweifel demotivieren in einem gewissen Sinne die Bestrebungen des inneren Lebens. Hinzu kommt, dass mich das äussere Leben durchaus zu faszinieren vermag.

16.03.09

Inzwischen habe ich Dhansu, den Wächter, besser kennengelernt – und ihm einen Lasereingriff an seinen beiden Augen für 4’500 Rupien finanziert. Nach unserem Tempelbesuch wurde bald klar, dass er sich erhoffte, ich würde ihm eine Brille bezahlen, und ich war auch gerne bereit dazu, vorausgesetzt es stimmte, was er sagte. Und daran hatte ich keine wesentlichen Zweifel. Das war vor meiner Reise nach Kerala. Danach überraschte er mich mit der Mitteilung, dass er eine Laseroperation brauche, und zeigte mir entsprechende Dokumente. Eine gewisse Skepsis war durchaus da, denn ich hatte nicht im Sinn, blauäugig Geld auszugeben. Bei der Überprüfung der Tatsachen kam dann seine Geschichte an den Tag: Seit längerem Wittwer, lebt er in der Nähe seiner Schwester in Kottakarai, die für ihn den Haushalt besorgt. Als Wächter, der sieben Tage die Woche an einer kleinen Kreuzung steht oder sitzt und die Besucher des Matrimandir sicher über die Strasse lotst sowie Auskünfte erteilt, verdient er 3’200 Rupien pro Monat; das sind etwa 75 Franken. Tausend Rupien davon braucht er fürs Essen. Das Augenlicht bedeutet für ihn – mehr noch als das in Europa der Fall wäre – Leben, reines Leben. Denn als Alleinstehender hätte er niemanden, der sich um ihn kümmerte, zumal seine Geschwister – ausser die eine Schwester, die aber ihre eigene Familie hat – ziemlich weit weg leben. Und das wäre nach seinen Worten das Ende. – Also habe ich ihm die Star-Operation finanziert. Aus Dankbarkeit hat er mir – nach einer Geste gen Himmel – die Füsse berührt. Wie traurig das Leben in Armut sein kann! Und wie wenig ich hergeben muss, um daran etwas zu ändern!

17.03.09

Heute früh um etwa vier Uhr aufgewacht mit dem deutlichen Impuls, dem kräftigen Wunsch, mich vermehrt sein zu lassen, ganz im Sinn von Silesius‘ Ausspruch: „Herr, nimm mir mit und gib mich ganz zu eigen Dir!“ All die kleineren und grösseren Egoismen und Selbstbezogenheiten, die mir mehr und mehr bewusst werden, sind weder nötig noch hilfreich. Sie trennen mich vom Eigentlichen, Wirklichen und können bedenkenlos über Bord geworfen werden. Und mit den kleineren und grösseren Selbstbezogenheiten gehen auch die kleineren und grösseren Ängste über Bord. Und das ist eine süsse Verlockung: angstfrei Leben, auch im Subtilen – da es in Wirklichkeit nichts zu verlieren gibt … Wie schön das sein muss, wie befreiend! Das Erstaunliche war, wie unmittelbar aus dem Schlaf dieser Impuls kam. Das Aufwachen geschah durch eben diesen Impuls, und er war sogleich stark anwesend. Damit verbunden war auch der Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören.

18.03.09

Gestern den Sri Aurobindo-Ashram in Pondy besucht: Eine ruhige Insel im sonst lauten und chaotischen Pondi. Erstaunt und – ich gebe es zu – etwas befremdet, haben mich die vielen Gesten und Handlungen der Devotion und Verehrung. Darunter waren eine Art Liegestütze vor dem (leeren) Totenbett der Mutter. Selbst ältere Frauen legten sich davor flach auf den Boden. Für das europäische Verständnis doch ziemlich befremdlich! Laut Auskunft von Susmita, die mich durch den Ashram führte, haben Sri Aurobindo und die Mutter eine solche Verehrung auch nicht gewollt. Trotzdem würde der europäischen (westlichen) Seele etwas mehr Verehrungskraft bestimmt gut tun. Der Ashram strahlt eine friedliche, in die Tiefe des Inneren führende Kraft aus. Auf dem Totenschrein von Sri Aurobindo und Mutter sind eine Vielzahl von Blumen zu einem Mandala ausgelegt. Die Menschen meditieren sitzend in einiger Entfernung und knien am Schrein, diesen mit dem Kopf berührend.

21.03.09

Ich nehme Abschied von Auroville und seinen Menschen. Und er fällt mir nicht leicht, denn mein Herz hat sich hier bereits ein Stück weit niedergelassen – und ich weiss nicht, ob und wann ich zurückkehren werde. Es sind hauptsächlich die Menschen, die vielen warmen Begegnungen mit ihnen und ihr verwesentlichtes Darinnenstehen im alltäglichen Leben, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es ist aber auch die liebliche Landschaft in und um Auroville, es sind die üppige Natur, die grosszügige Sonne, das Eingebettetsein ins tropische Indien, die vielen Blumen, die mich Auroville nicht vergessen lassen. Hinzu kommt natürlich die Ausrichtung auf das Spirituelle und das Streben, das Ego zu überwinden und sich als eins mit der Welt und den Menschen zu begreifen. Und dies ist nicht bloss frommer Wunsch und Absicht, sondern wird auch gelebt – von den einen mehr, den anderen weniger – und ist auch im Alltag spürbar. In Auroville ist ein Tor zu einer lichteren, wahrhaftigeren Zukunft offen. Und eine solche Offenheit im Kollektiven, Gesellschaftlichen ist in der westlichen Welt kaum mehr sichtbar, obschon im Einzelnen durchaus vorhanden.

Drei Menschen in Auroville möchte ich noch besonders hervorheben. Da ist einerseits Goupy, von dem ich von verschiedenen Seiten seit Beginn meines Aufenthaltes hier nur das Beste gehört habe und den ich gestern kennenlernen durfte. Er ist ein Meister der Massage und eine wunderbare Persönlichkeit: Das freundliche, etwas knorrige Männlein – bestimmt über sechzig, aber noch sehr beweglich – strahlt Freundlichkeit und Bescheidenheit in einem Mass aus, wie ich es noch nie erlebt habe. Dabei ist er ein wirklicher Meister seines Faches und hat meinen Körper innert einer guten Stunde mit seiner Massage zu einem grossen Frieden und dem Gefühl des Eins-Seins mit sich selbst gebracht. Er hat meinen Körper derart gewürdigt, ihn mit solcher Achtung, mit solchem Zuspruch behandelt, wie ich es selbst bisher nicht zustande gebracht habe. Er gab mir ein paar wenige Körperübungen mit und liess sie mich ausführen, um zu sehen, „ob der Körper sie akzeptiert“. Als ich ihn nach der Massage fragte, wie viel ich ihm schuldete, sagte er, er verlange nichts, die „Mutter“ sorge für ihn. Ich könne geben, was ich wolle. Zum Abschied umarmte er mich. Es war deutlich spürbar, dass er im Geistigen zuhause war und sein Ego losgelassen hatte. Da war zwar eine starke Persönlichkeit, aber nichts Selbstbezogenes.

Goupy, der Meister der Körperarbeit (Foto: Susmita)


Berührt haben mich die einfachen Lebensverhältnisse von Dhansu, der in einer einfachen Hütte aus Palmwedeln in Kottakarai lebt. Zwar sind wegen meiner fehlenden Tamilischkenntnisse keine tieferen Gespräche möglich. Trotzdem ist eine gewisse Nähe entstanden, und ich habe Einblick in einfachste, ärmliche, aber nicht elende Lebensverhältnisse bekommen. Laut Dhansus Aussage hat er manchmal Ratten in der Hütte oder Schlangen. Wie wenig Schutz sie während der Monsunzeit bietet, kann ich mir in etwa vorstellen.

Und da ist schliesslich Njal, der Ökofreak, der ursprünglich aus Norddeutschland stammt und seit achtzehn Jahren in Auroville lebt. Bei seinen Cashew-Bäumen hat er einen Informations- und Bücherstand aufgebaut, um während einer gewissen Zeit des Jahres jeweils nachmittags gegen den Einsatz von Pestiziden und für den biologischen Anbau zu kämpfen und zu informieren. Hauptsächlich die Villagers, also die Einheimischen hat er dabei im Visier. Auf einem grösseren Transparent auf Tuch informiert er über die jährlichen Erträge bei seinen Cashews – natürlich ohne Einsatz von Düngern und Pestiziden. Und schon allein die Zahlen sind überzeugend. Er kann sich ins Zeug reden und prangert jeden Missstand der heutigen Welt an. Er führt ein möglichst bescheidenes Leben im Einklang mit der Natur. In jungen Jahren lebte er vier Jahre in den Wäldern Kanadas. Man kann ihn als Ökofreak bezeichnen, aber er selber lebt bestimmt weitgehend, was er predigt. Er ist ein aufmüpfiger Aurovillianer und prangert gewisse moderne Entwicklungen in Auroville an. Er sagt, auch hier in Auroville müsse man aufpassen, dass der indische Staat – auf Empfehlung von Auroville – einen nicht die Aufenthaltsberechtigung entziehe. Wie weit das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist mir auch Njal ans Herz gewachsen, und ich habe an seinem Infostand manche Stunde im Gespräch verbracht. Und es kamen immer interessante Menschen zu Besuch. Überhaupt ist Auroville voller Charakterköpfe aus der ganzen Welt. Und es liesse sich über deren Leben Bücher über Bücher schreiben. Weshalb habe ich Auroville nicht früher kennengelernt?

26.03.09

Zusammenfassender Rückblick auf meine Indienreise

Vor drei Tagen bin ich in die Schweiz zurückgekehrt. Die Reise war recht anstrengend und lang: zunächst mit Ananda im Auto durch das abendliche Südindien nach Chennai. Entlang der Hauptstrasse in den Städten und Orten sind viele Menschen unterwegs; es ist voller Leben. Es ist mir bewusst, dass dies die letzten Eindrücke von „real India“ sind, und ich sauge sie begierig in mich auf. Der Verkehr ist wie immer chaotisch und anstrengend. Im Flughafen beim Einchecken läuft nicht alles so, wie ich es mir wünsche. So kann ich meinen eigenen Rollstuhl nicht bis zum Einsteigen behalten – aus sicherheitstechnischen Gründen, wie es heisst. Danach werde ich in einem schweren, unhandlichen Rollstuhl in der Wartehalle wie ein Gepäcksstück abgestellt mit der Aufforderung, mich nicht vom Fleck zu bewegen, bis ich abgeholt werde. Zwischendurch gehe ich eine Zigarette rauchen am einzigen Ort, wo das Rauchen erlaubt ist: ein schmutziges, erbärmliches Kämmerchen mit schwächlicher Entlüftung, wo die Raucher wie Büsser auf unbequemen Stühlen sitzen und wo man sich ernsthaft fragt, ob man das Rauchen nicht ein für alle Mal aufgeben will.

Dann endlich das Boarding. Seit meiner Abreise in Auroville sind gut fünf Stunden vergangen. Neben mir sitzt ein indisches Paar mit einem kleinen Kind. Die recht beleibte Mutter versucht bald verzweifelt, auf den drei Sitzen, die ihr, ihrem Kind und dem Mann zur Verfügung stehen, eine Position zu finden, wo sie schlafen kann. Selbst den Boden würde sie nicht verschmähen, doch wegen ihrer Leibesfülle hat sie keine Chance, dort Platz zu finden. Nach einigem Hin und Her fand ich einen anderen Sitzplatz, so dass der Familie nun eine ganze Sitzreihe zur Verfügung stand. Ans Schlafen war während der gut zehnstündigen Flugzeit nicht zu denken. Die Auskunft in Frankfurt und das Auschecken war problemlos. Nach gut drei Stunden fuhr mein Zug nach Basel, wo ich von Alberto abgeholt wurde.

Ein eigenartiges Gefühl der Fremdheit überkam mich. Alles war so anders. Als ich in Frankfurt eine Trillerpfeife hörte, meinte ich einen kurzen Augenblick, Dhansu vor mir zu haben, dem die Trillerpfeife eine gewisse Autorität verlieh. Und als in Arlesheim ein Lastwagen vorbei fuhr, war ich ganz erstaunt, dass dabei keine Staub- und Rauchwolke aufflog.

Indien und vor allem Auroville werde ich nicht so schnell vergessen. Die äusserst bescheidenen Lebensverhältnisse der meisten Menschen in einem doch recht chaotischen und belastenden Umfeld, hauptsächlich in den Städten, gepaart mit der feuchten Hitze – all dies geht einher mit einer fast kindlich-freundlichen Ausstrahlung der Menschen, die meistens ein Lächeln und Interesse für dich übrig haben. Wenn ich das mit unseren Verhältnissen in Europa vergleiche, wo die materiellen Lebensverhältnisse nahezu optimal sind, aber – im Vergleich – eine menschliche Kälte herrscht und sich kaum mehr jemand um den Nächsten kümmert.

Diese Erfahrung, die ich ja schon in Vietnam machte, war in Indien sehr viel eindrücklicher und tiefergehend und lässt mich nicht mehr los. Was sind die Ursachen dieser sozialen Kälte? Und ist diese eine notwendige Begleiterscheinung der Entwicklung, so wie in Indien das soziale Miteinander notwendig ist, um unter diesen Umständen ein einigermassen würdiges Leben führen zu können? Und wie steht es mit meiner eigenen sozialen Wärme? Wie kann ich sie in einer angemessenen Form leben? Wie finde ich das Gleichgewicht zwischen Sozialem und Eigensein?

Auroville als spirituell orientierte Modellstadt hat mir tiefen Eindruck gemacht – trotz der Unzulänglichkeiten und Widersprüche, die ich auch sehen kann. Auroville stellt nach meinen Erfahrungen immer noch einen offenen Raum dar, wo lebenslange individuelle Entwicklung gefördert wird und wo im Sozialen wie auch Gesellschaftlichen experimentiert werden kann, wie das woanders wohl selten anzutreffen ist. Ich bin mir allerdings bewusst, dass ich in dieser kurzen Zeit als Gast kaum tieferen Einblick in die tatsächliche Offenheit der Strukturen gewinnen konnte und nicht wirklich weiss, wie freiheitlich und wie förderlich für die individuelle und soziale Entwicklung das Umfeld Auroville ist, und ob ich der Wirklichkeit nicht mein eigenes Idealbild überstülpe. Jedenfalls möchte ich zurückkehren und wirklichkeitsgemässe Antworten auf diese und ähnliche Fragen erhalten. Dass ich in Auroville leben und persönlich an diesem Experiment teilnehmen möchte, ist nicht wirklich ein Thema. Ich fühle mich zu stark mit der Schweiz verbunden und möchte, wenn schon, ähnliche Ziele hier anstreben.

Unvergesslich auch der Banyan-Baum. Mit seiner einzigartigen Wuchsform stellt er in der Pflanzenwelt eine Besonderheit dar: Einzelne Äste des Baumes wachsen nicht dem Licht entgegen, sondern bilden eine Art hängende Luftwurzel, die – sobald sie den Boden erreicht hat – einen weiteren Stamm des Baumes zu bilden beginnt. Das Besondere dieser „Luftwurzel“ ist nun, dass sie sich mit anderen „Luftwurzeln“, einem Ast desselben Baumes oder gar dem Hauptstamm in einer Art verbinden können, wie ich es sonst aus der Pflanzenwelt nicht kenne. Sie wachsen ineinander, verschmelzen geradezu, so dass zunächst die Einzelteile noch gut zu unterscheiden sind, mit der Zeit aber ein einheitlicher Stamm – oder beim Hauptstamm eine Art Brettwurzel – entsteht. So hat zum Beispiel der Banyan-Baum beim Matrimandir über zwanzig Stämme, was ihm ermöglicht, weit ausladende Äste zu bilden, die zum Teil mehrfach von Nebenstämmen abgestützt sind. Dieser Baum bildet das geografische – und manche sagen, auch das spirituelle – Zentrum von Auroville. Unter ihm habe ich manche Stunden der Stille und Sammlung verbracht. Oft ist dabei die Empfindung entstanden, als ob dieser Baum eine ganze Welt überdachen würde.

Der Banyan-Baum im Zentrum von Auroville (Foto: Zolivier)

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Bildnachweis: Sofern nicht anders vermerkt, stammen die Bilder von Laurent Quere.

Comments

  1. Hallo Walter,
    ich freue mich um jede Zeile die Du schreibst, nicht nur das ich weiß, es geht Dir gut, auch die Erfahrungen die Du durch Dein Abenteuer Indien, Du auf diese Weise mitteilst sind einfach schön und wichtig. Ich freue mich in diesem Sinne, das es Internet gibt und Du nicht alleine bist. Ich denke viele Leser sind mit Dir.
    mach weiter so! Richtig schön Deine Berichte und besonders liebe ich Deine Fotos.
    Alles Gute
    Angelika Barcelona-Spain

  2. Lieber Walter, Ihr Reisebericht hat mich wieder ein Stück näher an das Leben in Auroville herangeführt. Vielen Dank dafür. Ich werde im Dezember 2012 für sechs Wochen nach Auroville reisen und bereite mich nach und nach auf den Aufenthalt dort vor. Alles Gute. Herzliche Grüße. Peter Jamin.

  3. Hallo Walter

    Bin beeindruckt, inspiriert und angeregt. Welch ein berührender, wahrhaftiger, vielschichtiger und differenzierter Bericht in herrlich farbiger Sprache. Vielen Dank! Zusammen mit den aussagekräftigen Fotos hat es mir genau den Eindruck vermittelt, den ich als Erlebensbericht zum von mir neu entdeckten Auroville gesucht habe🙂

    Als kleines Dankeschön nachfolgend der Links zu dem vor zwei Monaten erschienen Video Part Two „The children of Auroville“ – ein wunderbares Werk. Voller Ehrlichkeit und wunderschöner Menschen, die aus dem Projekt gewachsenen sind. Falls du es noch nicht entdeckt hast, bin ich sicher, dass du es lieben wirst!

    Herzlichen Dank und liebe Grüsse
    Juanita Maria Schalekamp

    entdeckt über die Homepage, News vom September 2011 http://www.auroville.org/journals&media/avtoday/avtoday_current.htm

    • Herzlichen Dank, Juanita, für deinen schönen Zuspruch! Hat mich sehr gefreut. Ja, Auroville war sehr impulsierend und hat mein Leben verändert, auch wenn die Zeit dort immer mehr zur Erinnerung wird – und die Idee, dorthin zurückzukehren, immer mehr zum Traum …

      Den Video werde ich mir bei Gelegenheit gerne anschauen.

  4. S. Harish Murugan says:

    Thank you for your interesting subject. I can read German, so I had understand the most.
    It’s written from somebody with a peacefull and spiritual heart and with eyes for beautifull things in life. It’s more a beautifull message.
    I had really enjoyed your experiences.

    • Thank you, S. Harish Murugan, for your heartening feedback. The South of India and Auroville was a important discovery for me, an eye-opening experience.

  5. Jeannette says:

    lieber walter
    ich bin an der arbeit und wollte nur kurz in deine seite reinschauen, bin aber viel länger hängen geblieben… längst habe ich nicht alles gelesen, doch einige zeilen haben mich tief angerührt. deine bemühungen und erfahrungen mit der spiritualität, der mediation. du drückst vieles so gut aus, das ich auch kenne: das unsägliche gedankenkreisen, die mühe, bei sich zu bleiben und sich auf etwas innerlich richtig konzentrieren zu können. die schönen erfahrungen, die man mit yoga oder körperarbeit generell machen kann. es ist eine reise! wir alle sind auf dieser reise, manchmal etwas intensiver, meistens lassen wir uns vom alltaggeschehen ablenken. wie du gesagt hast, der preis für die bequemlichkeit und für das sich zu hause fühlen im alltag ist hoch: schwindende begeisterung und innere anteilnahme, das erschöpfen der lebendigkeit. ich spüre das auch sehr deutlich und leide darunter. es ist nicht was ich möchte. schön, deine texte zu lesen. ich werde sicher nach meinen ferien dein tagebuch wieder besuchen, auch die bilder sind wunderschön. werde versuchen, etwas davon in meinen alltag mitzunehmen.
    liebe grüsse jeannette

    • Liebe Jeannette
      Herzlichen Dank für deinen Zuspruch! Es ist wirklich ein Ringen darum, das richtige Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde zu finden, also nicht an der Erde kleben zu bleiben, aber auch nicht in den Himmel abzuhauen …
      Schöne Ferien!
      Walter

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