Was ist

Ich sitze am Schreibtisch, wie immer ein bisschen schräg. Rund um mich Bücher, Musiknoten, einzelne Blätter – und was sonst so auf einen Schreibtisch gehört: Bleistifte, Kugelschreiber, Füller in einem Becher, viele von ihnen seit Jahren nicht mehr gebraucht – und wohl auch nicht mehr brauchbar. Ein Kerzenständer, die Kerze fast heruntergebrannt. Dann gibt es auf dem Pult noch einen Zettelkasten mit einer Reserve an Klebezetteln. Ob die noch kleben? Und schliesslich der kleine Altar, bestehend aus einer handgemalten Karte, eine grosse Sonne in einem noch grösseren Himmel darstellend. An die Karte angelehnt ein Wollezwerg, wie ihn die Anthroposophen lieben, und ein paar Halbedelsteine, teils geschliffen, teils roh, zum Beispiel ein Lapislazuli. Auf diesem rohen Lapislazuli-Bruchstück steht ein kleiner Engel aus Ton. Die ganze Pultszenerie ist beleuchtet von einer Arbeitsleuchte, denn es ist zwar noch nicht spät, aber doch schon dunkel.

Ferner ist da mein Inneres, das die kleine, beleuchtete Welt betrachtet, etwas zweifelnd, auch ein bisschen unzufrieden. Vielleicht weil es sich nach einer grösseren Welt sehnt, nach erhabenen Gedanken – und Taten. Statt sich über ein Blatt Papier zu beugen und zwischendurch die gemalte Sonne anzuschauen, wünscht sich mein Inneres die tiefe Verbeugung vor dem Wesentlichen – oder dass es von der Sonne verbrannt werde.

Foto (CC-Lizenz): hdhkay, Quelle: piqs.de

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