Die Sucht nach schnellen Antworten in der Krise

Prognosen und schnelle Antworten schiessen ins Kraut. Und die Antworten kommen oft, bevor das Problem wirklich erkannt ist. Vielleicht wäre es an der Zeit, mit den Fragen zu leben, die unsere Zeit aufwirft, und statt schnellen Antworten gemeinsam herauszufinden, was für eine Zukunft wir wollen. Dies schlägt die junge spanische Philosophin Sira Abenoza in einer Kolumne vor. – Übersetzung aus dem Spanischen von Walter B.

Die schlimmste Krise seit der Grossen Depression. Länder schotten sich ab und errichten Barrieren. Nationalismus und das Streben nach Autarkie blühen auf. Unsere Bewegungsfreiheit wird beschnitten und wir werden überwacht. Auf einmal leben wir in Kontrollgesellschaften. Gesundheitspässe werden eingeführt und unsere Rechte eingeschränkt. Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Niedergang und Hoffnungslosigkeit greifen um sich. Milliardenschwere Hilfsfonds werden eingerichtet. Am Horizont taucht der Grosse Bruder auf: Bitte geben Sie acht! Noch mehr Virus. Und noch mehr Einbussen. Noch weniger Bewegungsfreiheit – bis hin zur Ausgangssperre. Noch mehr Arbeitslosigkeit.

Seit Wochen überbieten sich in den Medien die Experten mit ihrer Sicht auf die Dinge: wohin unsere Welt in der Post-Corona-Zeit steuert und wie unser Leben in der neuen Normalität aussehen wird. In den Massenmedien wird ihnen Platz eingeräumt für Ausführungen und Erklärungen am Laufmeter. Und die Experten versuchen sich in Hypothesen, sondern Schlagzeilen ab – und stürzen uns allzu oft in eine grössere Depression.

Das ist unser aller Laster: Wir hören den Experten gerne zu, wenn sie uns erklären, wie die Dinge laufen, und wechseln von der Couch oder vom Auto aus zur Not den Kanal. Wenn wir damit einverstanden sind, schauen wir es uns an – und bleiben in der Show. Und was uns nicht behagt, lehnen wir ab – und zappen weiter. In einem so ungewissen Szenario wie dem heutigen vervielfältigt sich der Wunsch, Antworten zu finden: Bitte, liebe Gelehrte, sagt uns, wie unser Leben morgen sein wird, wie nächste Woche und wie in den kommenden Jahren! Wir malen uns aus, dass uns ihre Antworten, wenn auch nur ansatzweise, in der sich immer schneller drehenden Welt die Angst nehmen und dass wir dann ohne viel Umschweife weitergehen können.

Falsche Lösungen als verpasste Chancen

Bei allem Verständnis für diese Haltung scheint mir das Vorgehen falsch. Die Krise verstärkt unsere Tendenz, nach einer Lösung zu suchen, bevor wir das Problem verstanden haben – eine Gewohnheit, die von verschiedenen Autoren beschrieben und von Beratern und Therapeuten behandelt wird. War es im Buch «Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus» oder einem anderen? Dem Vernehmen nach sei es für Männer wichtig, alles sofort in den Griff zu bekommen, während Frauen oft einfach wünschten, sich auszutauschen und angehört zu werden. Ich weiss nicht, ob es eine Geschlechterfrage ist oder eine des Menschseins. Aber ich weiss, dass Lösungen, die gefunden werden, bevor das Problem erkannt ist, in der Regel ein Irrtum sind, das heisst eine verpasste Chance.

Es gibt unzählige Beispiele für falsche Lösungen oder auch ungeeignete Hilfeleistungen. Etwa im Zusammenhang mit den syrischen Flüchtlingen: Unter Aufbietung des guten Willens aller Welt begannen NGOs, Unternehmen wie auch einzelne Bürgerinnen und Bürger Teddybären und Zehntausende Paar Schuhe für Kinder und Erwachsene zu schicken. Die ganzen Plüschtiere und Schuhe landeten letztlich als Abfall in der Landschaft, als die Flüchtlinge wegzogen. Denn es war nicht das, was sie in dieser Zeit brauchten.

Tatsächlich sind es die Entwicklungsländer leid, Lösungen vorgesetzt zu bekommen, die ihre Probleme nicht lösen, weil sie in den Büros der Ersten Welt ausgeklügelt wurden. Im Rahmen von humanitären Programmen oder aus sozialer Verantwortung haben viele Unternehmen Millionenprojekte auf die Beine gestellt, welche die wirklichen Probleme der vermeintlichen Nutzniesser nicht lösten: Es wurden Schulen gebaut, in die nie SchülerInnen einzogen, Wälder angepflanzt, wo sie fehl am Platz waren, unbequeme Schuhe, wacklige Tische und toxische Spielzeuge verteilt.

Man dachte für andere, statt die anderen zu fragen, was sie brauchen.

Vielleicht ist das der springende Punkt. Vielleicht sollten wir aufhören zu meinen, naheliegende Antworten seien die richtigen. Wir werfen uns wohlfeilen Antworten und schnellen Lösungen in die Arme, weil uns das ein (falsches) Gefühl von Sicherheit gibt.

«Die Fragen selbst liebhaben»

Doch was würde geschehen, wenn wir für einmal nicht voreilig nach Antworten und Prognosen rufen würden? Wie, wenn wir für einmal dem Impuls widerstehen würden und tun, was Rainer Maria Rilke einem jungen Dichter empfohlen hat: «… Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen, und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben …»?

Vieles geschieht zurzeit, das wir nicht verstehen und das uns erstaunen lässt, das uns beunruhigt, ja in Angst versetzt. Wie, wenn wir statt nach schnellen Lösungen zu suchen, das Geschehen zunächst eingehend betrachten, dessen Vorgänge, Umstände, Erscheinungsformen und Hintergründe studieren würden, um die ganze Tragweite auszuloten und die Einzelheiten zu verstehen?

Nebst all den Verheerungen, die der Schwarze Donnerstag des Jahres 1929 und der Zweite Weltkrieg zur Folge hatten, führten sie auch zum Ausbau des Wohlfahrtsstaates und zur Anerkennung neuer Menschenrechte. Wenn dies nach all den Tragödien möglich war, so wohl weniger weil Experten in den Medien Prognosen abgaben, wie furchtbar die Zukunft sein würde. Wenn die Zukunft besser wurde als die Vergangenheit, so eher weil es BürgerInnen, PolitikerInnen und DenkerInnen gab, die sich vorstellten, wie die Welt sein sollte, und dann handelten. Wollen wir von ihnen lernen, so ist heute vielleicht nicht die Zeit der Antworten, sondern die Zeit, die Fragen zu lieben, alle Fragen, die uns in den Sinn kommen. Es ist vor allem an der Zeit, darüber nachzudenken und sich vorzustellen, welche Welt wir uns für morgen wünschen.

Umwälzungen, besonders diese hin zum Guten, die uns zu mehr Rechten und Wohlbefinden verhelfen, ergeben sich nicht aus einer passiven Haltung, indem wir etwa vom Sofa aus die Experten fragen, was wohl als Nächstes kommen wird. Sie geschehen, indem wir uns aktiv und einfallsreich mit dem verbinden, was ist, mit dem, was auf uns zukommt, und mit denen, die leiden. Umbrüche geschehen aus dem Wunsch heraus, darüber nachzudenken, wie die Welt sein soll, und was wir dazu beisteuern können. In den Medien, in Thinktanks, als Politiker, Wissenschaftler, letztlich als Bürgerinnen und Bürger können wir dazu beitragen, dass die Welt so wird, wie wir es uns wünschen. Lasst uns Hauptdarsteller sein, nicht Zuschauer!

Widmen wir doch die zig Zoom-Stunden dem gemeinsamen Ausloten, was wir brauchen und was wir wünschen! Wenn wir unserer Vorstellungskraft Flügel verleihen, wenn wir aus dem mentalen Gefängnis ausbrechen, wenn wir, statt uns zu beklagen, kraftvoll uns etwas besseres vorstellen – und dabei unsere Gegner einbeziehen, damit wir eine Welt haben, die alle einschliesst –, dann erreichen wir vielleicht, dass die Zukunft besser wird als vorhergesagt.


Der Text von Sira Abenoza ist im Original auf eldiario.es erschienen.

Was uns zu Menschen macht

In einem kurzen, berührenden Text wendet sich Ignacio Escolar, der Gründer und Geschäftsleiter des spanischen Online-Portals eldiario.es, an seine Leserinnen und Leser. Er spricht ihnen Mut zu und beschwört die Gemeinschaft der Menschen in schwierigen Zeiten. Übersetzung aus dem Spanischen: Walter B.

Ignacio Escolar

«Heute Abend um acht Uhr werde ich wieder auf dem Balkon Beifall spenden, mit Tränen in den Augen und gerührt, wie Tausende Menschen, die täglich von ihren Häusern aus zeigen, dass wir in dieser Situation zueinander halten. Dass wir keine Angst haben, auch wenn wir uns Sorgen machen. Dass wir nicht alleine sind, obschon wir uns alleine fühlen. Dass die Solidarität stärker ist als der Egoismus. Dass wir unsere Dankbarkeit denen gegenüber bezeugen, die mit ihrem Leben spielen – für unser Leben. Dass wir als Gesellschaft obsiegen werden.

In den schwersten Krisen kommt alles Menschliche zum Vorschein: das Schlimmste wie das Beste. Etwa die Unvernunft jener, die zu ihrem Haus ans Meer fahren und so womöglich die Krankheit weiterverbreiten; oder der Egoismus anderer, die im Spital Gesichtsmasken stehlen; oder die Verantwortungslosigkeit jener, die zum Sport in die Bergen oder an den Strand fahren, als hätten wir Ferien. Aber sie sind in der Minderzahl. Es sind nur wenige. Denn die Mehrheit der SpanierInnen zeigt sich in vorbildlicher Weise verantwortlich.

Ich bin stolz auf meine Landsleute und auch auf meine KollegInnen von eldiario.es, wie sie sich verantwortlich zeigen, nun, da Information wichtiger ist denn je. Seit einer Woche arbeiten wir alle von zu Hause aus. Das sind sehr intensive Tage. Hinzu kommt eine andere Schwierigkeit: Mehrere Mitglieder der Redaktion in Madrid haben Corona-typische Symptome.

Ich bin einer von ihnen: trockener Husten, Kopfschmerzen, etwas Fieber. Am Samstag war es am schlimmsten. Heute geht es mir schon etwas besser. Nichts Schlimmes – auch in der Redaktion nicht.

Ich habe mich nicht testen lassen. Und ich bin nicht sicher, ob das bei Tausenden weiteren Corona-Infiszierten wirklich anders ist. Ich wollte nicht zum Arzt gehen, weil ich wusste, dass viele Menschen diesen viel nötiger haben als ich. Ich brauche auch keinen Arzt oder irgend einen Test, um zu wissen, was ich zu tun habe: zu Hause bleiben und nicht nach draussen gehen, nicht das Risiko eingehen, die Krankheit weiterzuverbreiten.

Das Schlimmste waren nicht die Symptome, die schon wieder abklingen. Am schlimmsten traf mich die Isolierung, das Gefühl, so weit weg von den anderen zu sein. Einer der besten Momente des Tages ist um 9.30 Uhr die Sitzung mit den Leiterinnen und Leitern der Redaktion von eldiario.es. Wir treffen uns per Videokonferenz, um unsere Berichterstattung abzustimmen. Wir sehen uns gegenseitig. Es ist ein Arbeitstreffen. Doch wir lachen auch, machen Spässe, und immer wieder kommen wir ins Stocken, weil ein Kind kichert oder ruft und so seinen Vater oder seine Mutter unterbricht und vom Arbeiten abhält.

Deshalb breche ich in Tränen aus, wenn ich dieses Video sehe, in dem uns das Pflegepersonal für den täglichen gemeinsamen Applaus dankt. Oder das andere von Charo ((Link)), eine Seniorin, welche die Ausgangssperre alleine durchlebt, in einem Haus, das geräumt werden soll, und für die all ihre NachbarInnen vom Innenhof aus ein Geburtstagslied singen.

Ich nehme an, es ist das, was uns zu Menschen macht: die Notwendigkeit, uns aufeinander zu beziehen, uns gesellschaftlich zusammenzuschliessen, Solidarität mit den Nächsten zu leben. Deshalb weine ich jeden Abend um acht. Weil dieser Applaus uns daran erinnert, dass wir nicht nur Individuen sind, dass wir nicht alleine sind, dass wir das gemeinsam durchstehen werden.»


Hier geht es zum Original des Textes auf eldiario.es.

Erhöhtes Sterberisiko für MigrantInnen auf der zentralen Mittelmeerroute

Laut einem Bericht der Internationalen Organisation für Migrationn (IOM) sind die absoluten Zahlen der dokumentierten Toten und Vermissten auf der zentralen Mittelmeerroute zwar zurückgegangen. Trotzdem ist das Sterberisiko entlang dieser Route deutlich gestiegen. Den Bericht gelesen hat Icíar Gutiérrez. Übersetzung aus dem Spanischen: Walter B.

Da sie es leid waren, weiter zu warten, entschieden sie sich, den Rio Bravo zu durchqueren, um in die USA zu gelangen. Das Bild der leblosen Körper von Óscar Ramírez und seiner 23 Monate alten Tochter Valeria[1] ist zu einem weiteren Symbol für die Tragödie an den Grenzen geworden. Ihre Namen reihen sich ein in eine Liste von Tausenden Migrantinnen und Migranten, die auf der Suche nach einem besseren Leben ihr Leben veloren haben. Allerdings haben nicht alle einen Namen, die auf der Liste stehen. Ihre Körper wurden entweder nicht aufgefunden, ihre sterblichen Überreste nicht identifiziert, oder sie erscheinen gar nicht in den Erhebungen zu den Todesfällen.

Seit 2014 sind laut einem Bericht des Global Migration Data Analysis Centre der Internationalen Organisation für Migration (IOM) vom Juni 2019 weltweit mehr als 32’000 Personen bei ihrem Versuch zu emigrieren ums Leben gekommen oder verschwunden. Fast 1’600 davon, insgesamt 1’593, waren Minderjährige.

Hohe Dunkelziffer

Die Unterorganisation der Vereinten Nationen gibt allerdings zu bedenken, dass «diese Zahlen wahrscheinlich sehr viel tiefer sind als die tatsächliche Anzahl der Toten», da es viele Todesfälle und Verschwundene gebe, von denen man nie erfährt, da viele Leichen nie gefunden oder identifiziert werden. «Das hat verschiedene Gründe: zum einen weil die Todesfälle in entlegenen Regionen geschehen, zum anderen weil die lokalen Behörden die Erhebung solcher Daten nicht so wichtig nehmen oder ihnen dafür die nötigen Mittel fehlen», stellt die IOM fest.

Die Fachorganisation macht darauf aufmerksam, wie notwendig es ist, die Erhebung der Daten über die Todesfälle und das Verschwinden solcher Personen zu verbessern, insbesondere von Minderjährigen, auf welche die IOM ihr besonderes Augenmerk legt. «Das Verschwinden oder der Tod von Mädchen und Jungen auf ihrem Weg in die Emigration muss uns allen Sorge bereiten», betont Ann Singelton, die Mitherausgeberin des Berichts. «Es ist dringend nötig, eine empirisch fundierte Politik und entsprechende Programme zu entwerfen und umzusetzen, damit diese Todesfälle verhindert und Migrantenbuben und ‑mädchen geschützt werden können», betont die leitende Forscherin der Universität Bristol.

Betrachtet man die verschiedenen Regionen, so bleiben die Migrationswege über das Mittelmeer die tödlichsten. Zwischen 2014 und 2018 starben mehr als 17’900 Personen bei ihrem Versuch, dieses irregulär zu überqueren. Nach den Angaben der IOM blieben in diesen letzten vier Jahren die sterblichen Überreste von fast 12’000 ertrunkenen MigrantInnen ungeborgen.

«Es gibt viele Herausforderungen bei der Dokumentation der Todesfälle und Vermissten unter den MigrantInnen, die das Mittelmeer überqueren», schreiben die AutorInnen des Berichts. «Auf den Meeresrouten findet man oft keine Leichen. (…) Die einzigen verfügbaren Informationen stammen häufig von den überlebenden MigrantInnen. Allerdings können diese Angaben schwanken und sind schwierig zu überprüfen», unterstreicht die internationale Organisation, die in diesem Zusammenhang darauf hinweist, dass die von den NGOs gesammelten Angaben eine wertvolle Informationsquelle darstellen, wo offizielle Quellen begrenzt sind. Diese Woche hat die Gruppe «Caminando Fronteras» angeprangert, dass nur ein Viertel der sterblichen Überreste der 1’020 MigrantInnen geborgen wurden, die im Laufe des Jahres 2018 und der ersten vier Monate dieses Jahres bei ihrem Versuch, irregulär nach Spanien zu gelangen, umgekommen sind.

In Amerika wurde an der Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten seit 2014 eine steigende Zahl von Toten verzeichnet – bei einer Gesamtzahl von 1’907 Toten und Vermissten in den letzten fünf Jahren. In Asien rechnet man mit fast 2’200 Personen, die im Südosten des Kontinents umgekommen sind, davon mindestens 1’723 moslemische Rohingyas, die in Myanmar verfolgt werden. Der Mittlere Osten verzeichnet in diesem Zeitraum 421 Tote, die Mehrzahl, nämlich 145, im Jahr 2018.

Das Mittelmeer ist am gefährlichsten

Die IOM betont, dass zwischen 2017 und 2018 die Zahl der dokumentierten Toten und Vermissten weltweit von 6’280 auf 4’734 gesunken ist. Der Hauptgrund für diesen Rückgang liegt bei der geringeren Anzahl von Migrantinnen und Migranten, die über die zentrale Mittelmeerroute die italienischen Küsten zu erreichen versucht. Gemäss den Angaben sank diese Zahl von 144’000 im Jahr 2017 auf weniger als 46’000 im 2018.

Trotzdem gibt die Organisation – ebenso wie andere Organisationen der UNO, zum Beispiel das UNHCR (Hochkommissariat für Flüchtlinge) – zu bedenken, dass das Sterberisiko, die Todesrate entlang dieser Route im 2018 zugenommen hat, also dem Jahr, als Italien seine Häfen für Seenot-Rettungsschiffe geschlossen hat. «Selbst die zurückhaltendsten Schätzungen gehen davon aus, dass eine von 35 Personen, die das Zentrale Mittelmeer überquerten, im 2018 umgekommen ist, verglichen mit einer von 50 im Jahr 2017», heisst es.

Anderseits richtet die IOM ihre besondere Aufmerksamkeit auf die Zunahme der dokumentierten Todesfälle entlang der Route des westlichen Mittelmeers, die nach Spanien führt. Diese Zahl schoss im letzten Jahr in die Höhe, von 224 im Jahr 2017 auf 811 im 2018, und zwar in dem Masse wie auch die Anzahl Personen stieg, welche diesen Weg übers Mittelmeer nahmen, um nach Europa zu gelangen.

Bessere Erhebung der Todesfälle und Vermissten

Im Bericht wird daran erinnert, dass es «oft schwierig ist, Angaben über vermisste MigrantInnen, aufgeschlüsselt nach ihrem Alter, zu bekommen». Die IOM möchte ihre Erhebungen zu den Todesfällen und den Vermissten unter MigrantInnen, darunter jene von Minderjährigen, auf globaler Ebene ausbauen, «mit dem Ziel, gerade aus jenen Quellen und Regionen, aus denen bisher ziemlich spärlich Informationen flossen, vermehrt Daten zu erhalten».

Als eine der Massnahmen, um die Datenerhebungen zu verbessern, werden die lokalen, regionalen und nationalen Behörden aufgefordert, «die Angaben über Todesopfer auf den Migrationswegen zu vereinheitlichen und öffentlich zu machen». «Die nationalen Regierungen können mehr tun, um Todesfälle zu verhindern und jene zu registrieren, die geschehen», unterstreicht die Fachorganisation.

Ebenso empfiehlt sie, die neuen Technologien zu nutzen, um die Erhebung der Fallzahlen zu verbessern, und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die Zusammenarbeit mit den Organisationen der Zivilgesellschaft sowie den Verwandten der vermissten MigrantInnen. «Diese können eine Quelle von Informationen sein, die sich erst noch einfacher verifizieren lassen.» Hierbei wird betont, dass es zudem für den Umgang mit dem Schmerz, den jede Tragödie an den Grenzen bei den Verwandten hinterlässt, hilfreich sein kann, wenn man weiss, was seinen Liebsten zugestossen ist. «Wenn die Angehörigen der Verschwundenen bei der Erhebung und Verifizierung der Daten mitwirken können, kann ihnen das helfen, mit dem Verlust fertig zu werden.»


Anmerkungen:

[1] Das Bild ging um die Welt und braucht hier nicht nochmals gezeigt zu werden. Wer es sehen will, kann die Suchmaschine seines Vertrauens in Gang setzen.

Bildnachweis: «Rettungseinsatz 28.5.2016 Seawatch 2» von Brainbitch, CC-Lizenz via flickr

Das spanische Original des Textes ist auf eldiario.es erschienen.

Der Wunsch nach Freiheit lässt sich nicht einkerkern

Kurz nach der Beschlagnahme des Schiffes Mare Jonio im Hafen von Lampedusa veröffentlichte Sandro Mezzadra, einer der Initianten der Operation Mediterranea, welcher das Seenot-Rettungsschiff gehört, in der italienischen Zeitung «il manifesto» folgenden Text. (Übersetzung aus dem Italienischen und Englischen unter Mithilfe von Deepl und einem alten Freund durch Walter B.)

Freiheit! Freiheit! Dieser gemeinsame Freudenschrei von 49 Flüchtlingen und MigrantInnen bei der Landung an jenem Dienstag, den 19. März, in Lampedusa drückt die wahre Bedeutung dessen aus, was in diesen Tagen rund um die Mare Jonio, dem Schiff der Operation Mediterranea, geschehen ist. Und dieser Ruf erzählt uns vom Drama dessen, was täglich nicht nur im Mittelmeer, sondern auch in all den Ländern geschieht, die von Männern und Frauen auf der Flucht durchquert werden, bevor sie das Südufer des Mittelmeers erreichen. Denn es ist der ebenso elementare wie mächtige Drang nach Freiheit, der die MigrantInnen leitet. Um dieses Streben einzudämmen und oft genug mit tragischen Folgen zu vereiteln, bestehen auf ihrem Weg eine Unzahl von Kontrollmechanismen, von den hoch technisiertesten wie Radar und weitere Überwachungstechniken bis hin zu den rohesten und gewalttätigsten, etwa der Peitsche und anderen Folterinstrumenten in den Händen von Wächtern in den libyschen Konzentrationslagern.

Die Mare Jonio ist derzeit in Lampedusa festgesetzt, zu Ermittlungszwecken beschlagnahmt durch die Finanzpolizei, angeordnet von der Staatsanwaltschaft Agrigento in Sizilien. Das Schiff hat sich in diese Konfliktsituation begeben, um der Sehnsucht nach Freiheit der MigrantInnen den Weg zu ebnen. Ein Tropfen auf den heissen Stein, gewiss. Denn zur selben Zeit, als die Rettungsaktion durchgeführt wurde, sank im Zentralen Mittelmeer ein weiteres Gummiboot mit etwa dreissig Menschen an Bord, die nun vermisst werden oder tot sind. Die Mare Jonio ist allerdings ein wichtiges Zeichen, indem durch die Aktion neunundvierzig Menschenleben gerettet und der höllische Kreislauf durchbrochen wurde, von dem hauptsächlich die Schleuser profitieren, dadurch dass die MigrantInnen, welche die Reise über das Mittelmeer unternommen haben, von der sogenannten libyschen Küstenwache gewaltsam in die Haftzentren gebracht werden, nur um abermals für das Geschäft des Menschenhandels zur Verfügung zu stehen. Es ist dieses geschlossene System der Komplizenschaft libyscher Behörden, welches das Geschäft der Schleuser befördert. Das ist bestens dokumentiert. Und jene, die dieses System stützen, wie die italienische Regierung, sind die wahren Komplizen – nicht Mediterranea oder Nichtregierungsorganisationen wie Sea Watch und Open Arms, die im Gegenteil sich dafür einsetzen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und die Frauen und Männer von ihren Ketten zu befreien – im buchstäblichen und im metaphorischen Sinn.

«Ich stelle den Motor nicht ab.»

Einer der 49 MigrantInnen, die durch die Mare Jonio gerettet wurden, sagte, sie hätten die Überfahrt fünfmal versucht. Es ist diese Hartnäckigkeit, welche die Suche nach Freiheit im Mittelmeer charakterisiert und in diesem Ausmass eine wahre Tragödie ist. Dieser vielfache Ruf «Freiheit! Freiheit!» kann uns nur tief betroffen machen. Und er muss in jenen Strassen widerhallen, wo im letzten Monat Demonstrationen gegen Rassismus, gegen den Klimawandel und für die Freiheit der Frauen stattgefunden haben.

Als ihm der Beamte der Finanzpolizei befahl, den Motor abzustellen, was bei zwei Meter hohen Wellen die Stabilität des Schiffes gefährdet hätte, antwortete der Fischer Pietro Marrone, Kommandant der Mare Jonio, gegen den nun ermittelt wird: «Ich stelle den Motor nicht ab.» Diese Worte sind ein Beispiel der Würde und Verantwortung. Und für uns haben sie auch eine weitreichendere Bedeutung: Wir schalten die Motoren der Solidarität ein und fahren volle Kraft voraus als Antwort auf jegliche Kriminalisierung. Gemeinsam schaffen wir die materielle Basis für eine neue Freiheit, für jene Freiheit, zu der uns der Chor der MigrantInnen von Lampedusa aufruft.

Die Mare Jonio ist derzeit «zu Ermittlungszwecken beschlagnahmt». Das Schiff ist im Hafen von Lampedusa festgesetzt und kann die Überwachungs- und Rettungsfunktionen, für die es ausgerüstet wurde, nicht mehr wahrnehmen. Matteo Salvini reklamiert für sich den Sieg. Salvini, der offensichtlich ausgetrickst wurde durch die Initiative eines Schiffes unter italienischer Flagge – der Mare Jonio – und überrumpelt durch den Zufall, dass just an jenem Montag die 49 Flüchtlinge an Land gebracht wurden, als im Senat über den Fall Diciotti[1] debattiert wurde. Er feiert ein von unabhängigen Beobachtern befreites Meer, in dem in aller Stille Schiffsunglücke geschehen können und die sogenannte libysche Küstenwache kollektive Push-Backs[2] durchführen kann. Die Mare Jonio wird in diesem Kontext zum Symbol für Menschlichkeit und Freiheit, für Würde und Verantwortung. Freiheit für die Mare Jonio! Lasst uns ihre Motoren wieder einschalten und dorthin zurückkehren, wo sie gebraucht wird! Rund um diese Worte müssen wir dafür mobilisieren, was die feministische Bewegung den «Zustand der dauernden Unruhe» nennt.


Anmerkungen:

[1] Das Schiff Diciotti der italienischen Küstenwache nahm im August 2018 fast zweihundert gerettete MigrantInnen an Bord. Erst nach einer langen Irrfahrt und gesamteuropäischer Irritationen durften die MigrantInnen schliesslich in Catania, Sizilien, von Bord. Gegen Innenminister Salvini laufen seither Ermittlungen wegen Freiheitsberaubung und Machtmissbrauchs.

[2]Push-Backs bezeichnen «das Zurückdrängen von ausländischen Personen ohne entsprechende Aufenthaltstitel für das Zielland in Grenznähe» und verstossen gegen den Grundsatz der Nichtzurückweisung. Sie sind in Europa verboten, während sie in Australien gängige Praxis sind. Menschenrechtsorganisationen klagen immer wieder über Push-Backs an den EU-Aussengrenzen.

Bildnachweis:

Die Mare Jonio auf hoher See, Foto Michelle Seixas

Das Original des Textes ist in der Zeitung «il manifesto» (mit Bezahlschranke) und auf der Homepage von Mediterranea erschienen.

Wer die Operation Mediterranea unterstützen möchte, kann das hier tun:

Die Operation Mediterranea als politischer Akt

Im Gespräch mit Sandro Mezzadra, einem der Initianten der Operation Mediterranea, deren Seenot-Rettungsschiff Mare Jonio kürzlich von der italienischen Regierung beschlagnahmt worden ist, wird schnell klar, dass für ihn die Rettung von Flüchtlingen vor der libyschen Küste nicht primär humanitären Charakter hat, sondern ein politischer Akt gegen die Kriminalisierung des humanitären Handelns und damit gegen die italienische Regierung ist. Mit ihm gesprochen hat der spanische Aktivist und Buchautor Amador Fernández-Savater. Übersetzung aus dem Spanischen: Walter B.

In der Wirklichkeit Italiens treten die politischen Tendenzen, die in den letzten Jahren in ganz Europa zu beobachten waren, verschärft zutage. Die Wirtschaftskrise, die Unfähigkeit der Linken, mit innovativer Sozialpolitik darauf zu reagieren, der autoritäre Nationalismus als Reaktion auf den Neoliberalismus, der Rassismus von oben und von unten, aber auch neue Widerstandsformen, seitens der Frauen etwa oder im Zusammenhang mit dem Thema Migration, Widerstandsformen die eine neue politische Kreativität erfordern: Wenn wir auf Italien blicken, so sehen wir Europa. Dieselben Hauptlinien werden sichtbar, welche die Gegenwart und die Zukunft prägen.

Mit Sandro Mezzadra haben wir über dieses «italienische Labor» gesprochen. In mehreren Büchern[1] setzt er sich mit der Wirklichkeit von Rassismus und Migration auseinander. Und als politischer Aktivist ist er seit vielen Jahren in unterschiedlichen Bewegungen und politischen Kämpfen aktiv. Kürzlich hat er zusammen mit Gefährten die Operation Mediterranea ins Leben gerufen, eine Plattform für Diskussionen und Aktionen rund um Migrationen, die inzwischen sogar über ein eigenes Schiff für Rettungseinsätze, die Mare Jonio, verfügt.

Amador Fernández-Savater: Sandro, kannst du mir zunächst eine konkrete Erfahrung schildern, die für die politische Situation in Italien aufschlussreich ist?

Sandro Mezzadra: Nun ja, ich bin letzten Sommer wieder nach Italien gezogen, nachdem ich drei Jahre lang weg war. Viel Zeit habe ich in der kleinen Stadt verbracht, in der ich geboren und aufgewachsen bin, eine Stadt an der Küste neben Genua mit einer bedeutenden Industriegeschichte. Als ich Kind war, in den 1970er Jahren, bekam die Kommunistische Partei in dieser Stadt jeweils 75 bis 80 Prozent der Stimmen, und seitdem wurde sie von einer Mitte-Links-Regierung geführt. Jeden Tag habe ich mir etwas Zeit genommen, um an den Strand zu gehen, kein Touristenstrand, sondern einer, der von den Menschen besucht wird, die in der Stadt leben. Das Niveau der Diskussionen dort hat mich erschüttert. Ich bin ja nicht weltfremd. Schon in den 1990er Jahren begann ich, die Kriminalisierung der MigrantInnen anzuprangern. Nun wurde mir allerdings deutlich, dass in den letzten zwei, drei Jahren eine Grenze überschritten worden ist.

Was meinst du damit?

Die Gespräche dort waren auf eindrückliche Art politisiert. Doch es war eine rassistische Politisierung. Die «Flüchtlinge» – nicht einmal die «MigrantInnen» – galten als Feinde: «Sie kommen aus Libyen. Gott sei Dank haben wir eine Regierung, die bereit ist, die Invasion zu stoppen!» Solche Dinge wurden gesagt. Ich weiss nicht, ob in Spanien darüber berichtet wurde, dass in einem belebten Stadtteil von Rom ein Typ mit einem Luftgewehr aus dem Fenster seines Hauses schoss und das zwei Monate alte Mädchen einer MigrantInnenfamilie verletzte. Am nächsten Tag waren am Strand zwei Kerle, die sagten: «Nächstes Mal bitte mit richtigem Blei.» Ist dir klar, wie grausam das ist? Mich hat’s beeindruckt, erschüttert.

Ein Erlebnis, das uns den Rassismus der Strasse vor Augen führt, dessen molekulare Dimension in Italien, im Gegensatz zum institutionellen Rassismus von oben.

Ja! Allerdings endet mein Erlebnis nicht damit. Danach ging ich an einen Strand nebenan. Und dort war es ganz anders: Der Strand war von MigrantInnen bevölkert, es wurden fünf, sechs Sprachen gesprochen, und es war spürbar, dass die MigrantInnen im sozialen Gefüge dieser Stadt verwurzelt sind. Wir haben also auf der einen Seite die Sprache des Hasses, ja der extremen Grausamkeit, und auf der anderen Seite die Normalität der Migration. Mir scheint, dass dieser Strand uns ein sehr verlässliches Bild der politischen Situation Italiens vermittelt: Der Rassismus und der Kampf gegen Migration sind heute in einer Situation entfesselt worden, in der Migration bereits völlig normal geworden ist. Es handelt sich nicht um einen Rassismus, der vertreiben will.

Was für ein Rassismus ist es dann?

Es ist nicht ein Rassismus, der darauf abzielt, alle MigrantInnen aus dem Land zu vertreiben. Denn MigrantInnen sind bereits ein fester Bestandteil dieses Landes. Sie machen etwa acht Prozent der italienischen Bevölkerung aus. Dieser Rassismus ist etwas anderes. Das ist ein Rassismus, der auf die eine oder andere Weise die Bedingungen für eine äusserst aggressive Disziplinierung und Unterwerfung von Männern und Frauen schafft, die bereits ein struktureller Teil des Landes sind.

Was ist in diesen drei Jahren passiert, wie erklärst du diese «Grenzüberschreitung» in Bezug auf den Rassismus?

Rassismus ist nichts Neues. Als Phänomen hat er eine lange Geschichte. Das zu verstehen, ist sehr wichtig. Es würde sehr lange dauern, über die Geschichte dieses aktuellen Rassismus zu sprechen. Um es kurz zu machen: Der Raum, in dem er Gestalt angenommen hat, wurde durch die Unfähigkeit der gemässigten reformistischen Kraft aufgetan – dem Partito Democratico –, der Krise, die Italien sehr hart trifft, etwas entgegenzusetzen. Die Fähigkeit fehlte völlig, angesichts der Krise eine innovative und wirksame Sozialpolitik zu betreiben. Hinzu kommt ein zweiter wichtiger Faktor: Die letzte Mitte-Rechts-Regierung, die Gentiloni-Regierung, hat eine sehr harte Politik gegen MigrantInnen gefahren. Diese Politik hat die Voraussetzungen für Salvinis heutiges Handeln geschaffen.

Wie beurteilst du den Rechtsrutsch, der ja nicht nur Italien, sondern den ganzen Globus erfasst hat? Man denke nur an den Brexit, an Trump, Bolsonaro und andere. Ist das reiner Rechtsextremismus, Faschismus?

Ich glaube nicht, dass ich dir endgültig darauf antworten kann. Ich spreche lieber von «parafaschistischen Tendenzen», in dem Sinne, dass man sich einer Rhetorik bedient, die deutlich faschistische Züge aufweist. Gleichzeitig dünkt mich aber, dass wir nicht von einer Neuauflage des klassischen Faschismus sprechen können.

Salvini bedient sich ausgiebig dieser Rhetorik. Zum Beispiel äusserte er sich am Tag von Mussolinis Geburtstag so: «Tanti nemici, tanti onore.» («Viel Feind, viel Ehr».) Das ist ein Zitat Mussolinis und entspricht der typische Rhetorik des historischen italienischen Faschismus. Hier gibt es eine Zäsur in der Geschichte der Lega Nord. Denn Umberto Bossi, ihr Gründer, betonte immer, dass der Antifaschismus eines der Vermächtnisse der Lega sei. Allerdings kann die Lega heute auch nicht einfach als faschistische Partei betrachtet werden. Sie hat auch andere Züge.

Deshalb ist es für mich sinnvoll, von parafaschistischen Tendenzen zu sprechen. Gleichzeitig glaube ich nicht, dass wir uns heute in einer Situation befinden, in der man etwas Ähnliches wie den historischen Faschismus wiederaufleben lassen kann. Er ist ein Etikett, das auf einer deskriptiven Ebene funktioniert; er ist aber kein Konzept. Wir müssen weiterhin beobachten, den Verstand gebrauchen und natürlich versuchen, gegen die offensichtlichen Bedrohungen vorzugehen, denen wir ausgesetzt sind.

Die Operation Mediterranea als offensiver Akt

Sandro, jetzt möchte ich dich zur Initiative mit dem Schiff befragen. Bitte erkläre uns, wie diese entstanden ist, welche Erfahrungen und Entdeckungen ihr dabei macht und welche Erkenntnisse sich daraus ergeben.

Die Initiative geht auf den Juni 2018 zurück, als Salvini damit begann, die Häfen für die Schiffe von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zu schliessen, die MigrantInnen aus Seenot gerettet hatten. Damals kam es im ganzen Land, insbesondere in den Hafenstädten zu Protesten. Zusammen mit Gefährten, mit denen wir viele politische Abenteuer erlebt hatten, fragten wir uns, was wir tun könnten. Wir hatten den Eindruck, dass etwas jenseits des Widerstands nötig sei. Widerstand als etwas rein Negatives verstanden, als eine Reihe von Praktiken, die sich gegen das Vorgehen der Regierung richten. Unsere Frage war: Was können wir tun, um aus dieser simplen Gegenposition herauszukommen? [Read more…]

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