«Der Geist des literarischen Erzählens ist der Geist der Komplexität. Ein literarischer Erzähler kämpft einen Kampf gegen zu einfache, eindimensionale Vorstellungen vom menschlichen Tun.»[1] – Genau deshalb habe ich bis jetzt die Finger vom Erzählen gelassen. Nur zu gerne würde ich es können. Und mein Leben hätte wohl eine andere Wendung genommen, wenn ich zu jener Zeit in jungen Jahren, als ich das Erzählen ernsthaft ausprobierte, auf einen grünen Zweig gekommen wäre.
Nun bleibt mir – im weitesten Sinn – nur das Reproduzieren von Texten: das Übersetzen, ab und zu ein zusammenfassender Bericht über Themen, die mir unter den Nägeln brennen und dessen Grundlagen ich mir im Internet und aus anderen Quellen zusammenklaube – und ganz selten mal ein literarischer Gehversuch, besser gesagt: ein literarisches Hochrappeln und wieder Hinfallen, das womöglich zu einem Sprachsplitter oder zu einer anderen Art sprachlichen Kurzfutters führt – «zutreffend, formschön, irrelevant», wie mal ein Leser frotzelte …
[1] aus Peter Bieri (alias Pascal Mercier), «Eine Erzählung schreiben und verstehen», Jakob Burckhardt-Gespräche auf Castelen, Schwabe Verlag, Basel 2012.



6. September 2012 um 23:32
Dichter sein ist nicht immer einfach. Außerdem gibt es viele davon. Auch kann jeder Mensch zu seinem Steckenpferd finden. Manchmal dauert die Suche nur eine Ewigkeit.
24. August 2012 um 09:02
Ich finde, auch “zutreffend, formschön, irrelevant” hat seine Berechtigung. Sonst dürfte ja alles nur einmal gesagt werden – jede Neuformulierung ist ja
eigentlich “irrelevant”. Somit schön, dass es das Internet gibt, da hat jeder eine Plattform, um sich mal zB in “Formschönheit” auszuprobieren
5. August 2012 um 15:45
… mir genau zwischen die augen, lieber Walter
5. August 2012 um 16:03
Ups! So treffsicher bin ich eher selten, Michy. Ich hoffe, es tut nicht allzu weh.
5. August 2012 um 16:08
passt schon, ty