Coronäre Haikus

Der (oder das) Haiku war ursprünglich eine traditionelle japanische Gedichtform, ein Naturgedicht, das darstellt, aber nicht interpretiert. Der Haiku sollte inhaltlich so offen sein, dass er erst durch das Erleben des Lesers, der Leserin vollständig und ganz wird. Er gilt als die kürzeste abgeschlossene lyrische Form: siebzehn Silben, verteilt auf drei Zeilen: 5 – 7 – 5.

Heute wird der Haiku auf der ganzen Welt geschrieben. Entsprechend vielfältig sind die Formen und inhaltlichen Regeln – und die Ansprüche der Puristen, die einzig «wahre Haiku-Lehre» zu vertreten. Mich kümmert das wenig. Vielmehr bietet mir die karge Versuchsanordnung Raum für Phantasie. Denn gerade in der Beschränkung wird diese entfesselt. Einer zusätzlichen Regel habe ich mich unterworfen: Irgendwo zwischen Zeile 1, 2 oder 3 soll ein Perspektivwechsel, ein inhaltlicher Sprung stattfinden. Der Rest ist freies Spiel ohne Anspruch auf irgendwas.

Ach ja! Und am Anfang stand der Wunsch, was wir zurzeit erleben, das Coronatrauma, in Haikus zu fassen.

Der Himmel so rein.
Stille rund um die Erde.
In uns Entsetzen.
Coronastillstand,
bezaubernd und gespenstisch.
Was pocht an der Tür?
Schatten an der Wand.
Besorgt betrachten wir sie.
Sie tanzen im Licht.

 

 

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